Im Kampf gegen das Vibrieren
Seit Jahren leidet das Ehepaar Gschaar aus Gratkorn an den Folgen von Vibrationen aus der Papierfabrik Sappi nebenan. Nun hat Arbeitgeber Sappi den Mann auch noch entlassen.

Foto © KANIZAJ Marija-M.Andrea und Werner Gschaar kämpfen seit Jahren gegen die Sappi
Die Idylle mit Haus und Garten beim Ehepaar Andrea und Werner Gschaar in der Gratkorner Sportplatzgasse 8 trügt. Gleich nebenan steht eine riesige Halle der Papierfabrik Sappi. Die Papiermaschine 11 sorgt seit Jahren für gesundheitliche Probleme der Familie, vor allem nächtens. "Vibrationen und Lärm machen ein geruhsames Schlafen unmöglich", sagt Andrea Gschaar. Gutachter haben Stand-Videos in ihrem Haus gemacht, die ihre Pflanzen in Dauerbewegung zeigen, Wasser im Wasserglas vibriert beständig. Die Folgen für die Menschen selbst: Schlafstörungen, Erschöpfung, Druckgefühle in Kopf und Brust.
"Vor zweieinhalb Jahren ging es los. Vibrationen, dazu Schall und Lärm rund um die Uhr. Es ist unzumutbar", klagt Werner Gschaar. Er ist seit Dezember 2011 im Krankenstand. Befund: psychische Stressbelastung inklusive neurologischer Folgen. Gschaar muss seither Beruhigungs- und Schlaftabletten einnehmen. Die Gschaars haben sich an die Bezirkshauptmannschaft Graz-Umgebung (BH) gewandt. Es wurden in deren Auftrag unzählige Messungen und Gutachten erstellt. "Schwingungen, deutlich spürbar", haben Techniker gemessen. Ein erstes medizinisches Gutachten vom Juni 2011 bestätigt, dass die Vibrationen aus "medizinischer Sicht unzumutbar" seien. Sappi beeinsprucht. "Dieses Gutachten war rechtlich in vielen Punkten unschlüssig und musste ergänzt werden", erklärt Michael Hackstock, zuständiger Referent bei der BH. Das ergänzende Gutachten vom Juni 2012 hält die Belästigung nun für "zumutbar".
Arbeitslos
"Wir können diesen Ergebniswandel nicht verstehen", rätselt Andrea Gschaar. Walter Moser, Technischer Leiter bei Sappi in Gratkorn entgegnet: "Die Papiermaschine 11 emittiert keine gesundheitsgefährdenden Vibrationen. Das wird auch im vorliegenden Bescheid der Behörde bestätigt." Referent Hackstock ergänzt: "Die Erschütterungen sind im Fühlbarkeitsbereich, doch der Grad der Unzumutbarkeit ist nicht erreicht." Für die Gschaars nicht die einzige schlechte Nachricht. Letzte Woche wurde Werner Gschaar, bei Sappi seit 28 Jahren beschäftigt, fristlos entlassen. "Eine lange Arbeitsunfähigkeit berechtigt den Dienstgeber zur Auflösung des Dienstverhältnisses", begründet Moser.
Sappi machte ein Angebot, Haus und Grund von der Familie zu kaufen, um 200.000 Euro. "Wir haben viel in das Haus hineingesteckt. Wir wollen uns nicht bereichern, aber damit können wir uns kein gleichwertiges Haus anschaffen", so die Gschaars. Der von Sappi herangezogene Verkehrswert sei erst durch die Nachbarschaft der Industrie in den Keller gefallen. Moser: "Der Verkehrswert ergab 180.000 Euro, wir haben zehn Prozent dazugelegt. Ein höherer Wert ist nicht vertretbar."
"Meine Eltern haben das Haus nach dem Krieg gebaut. Die Papierfabrik rückte immer näher. Nun ist unsere Gesundheit dahin", sinniert Werner Gschaar. Die Gschaars haben gegen den Bescheid berufen, nun muss der Unabhängige Verwaltungssenat entscheiden.


















