Alte Baustoffe haben viele Vorzüge

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Wer einen Altbau mit historischen Baustoffen renovieren will, braucht Glück - oder die richtigen Adressen. Er muss an alte Ziegel, Fenster oder Türrahmen kommen. Die finden sich nicht beim wahllosen Stöbern auf dem Flohmarkt. Aber übers Internet.
Balken für das alte Fachwerk, ein Ersatz für den Messingbeschlag aus dem Barock oder Originalbretter für den Boden: Viele Bauherren wollen ihren Altbau mit historischen, gut erhaltenen Werkstoffen renovieren. Sogar in manchem Neubau werden Materialien aus zweiter oder dritter Hand verbaut.
"Für die meisten ist der Unikatcharakter der meist handgefertigten Teile entscheidend", sagt die Architektin Irmtraud Swoboda vom Verband Privater Bauherren aus Wetzlar. Die Zeit hat sie noch ungewöhnlicher gemacht: Die Materialien tragen Gebrauchsspuren. Außerdem mögen viele die Idee, nachhaltig zu arbeiten, indem sie alte Stoffe wiederverwerten.
Bauexperten schätzen den praktischen Aspekt: "Alte Materialien haben über Jahrzehnte, zum Teil über Jahrhunderte am Ort ihres Einbaus den Beweis erbracht, dass sie den Anforderungen gewachsen sind, welche an sie gestellt werden", sagt Rainer Leonhardt von der deutschen Bundesvereinigung der Restauratoren im Handwerk. Er findet sogar, der überwiegende Teil historischer Baustoffe sei modernen weit überlegen.
Sie haben ihre lange Lebensdauer bereits bewiesen, was auch an der Beschaffenheit des Materials liegen kann. "Kiefer wurde früher nach 70 bis 80 Jahren mit einem Stammumfang von rund 40 Zentimetern geschlagen. Heute wird Kiefer mit demselben Stammumfang aber bereits nach 40 Jahren geschlagen", erläutert Leonhardt. "Ihr Wachstum wurde manipuliert. Das wirkt sich natürlich auf die Festigkeit und auf andere Eigenschaften des Holzes aus."
Ein weiterer Pluspunkt sei, dass die Bauteile meist so gefertigt sind, dass sie mit einfachem Werkzeug repariert werden können. "Früher gab es keine Verbundstoffe. Damit sind historische Materialien ganz unproblematisch zu recyceln", sagt Leonhardt.
Aber die Suche nach historischen Baustoffen ist aufwendig. "Unserer Erfahrung nach sollte man etwa ein Drittel mehr Zeit einkalkulieren", rät Olaf Elias, Vorstand im Unternehmerverband Historische Baustoffe in Baden-Württemberg. Auf den ersten Blick scheint es eine Flut an Ansatzpunkten für die Suche zu geben - von Verkaufsbörsen im Internet über Kleinanzeigen und Flohmärkte bis zum Antiquitätenladen. Dort finden sich manche Stücke.
Doch wer ein Fenster austauschen will, kommt mit Stöbern nicht weit. Denn die Elemente müssen zum Stil und zu den Maßen des Gebäudes passen. Fündig werden Suchende eher im historischen Baustoffhandel. Aber die Suche muss teils großflächig stattfinden - mit Hilfe von digitalen Katalogen und dem Internet. "Praktisch sind Voranfragen per Mail, eventuell mit angehängten Bildern", sagt Elias. Swoboda empfiehlt Materialproben abzugeben. Werden Baustoffe für die Restauration gesucht, sollten Daten wie das Baujahr und Informationen zum Wohnumfeld genannt werden.
Meist passen die Stücke nicht perfekt: Bauteile, die vor den Zeiten der industriellen Massenfertigung und Normierung hergestellt wurden, können sich um wenige, aber entscheidende Millimeter unterscheiden. "Die Anpassung eines Bauteils an das vorhandene Objekt ist die eigentliche Herausforderung. Das kostet Zeit und erfordert fast immer die Hilfe eines versierten Handwerkers", sagt Elias.
Hilfreich ist es, den Handwerker bereits in die Materialauswahl einzubeziehen. Er kann sagen, ob das historische Fundstück seinen Preis wert ist - denn die Nutzschicht alter Parkettbretter zum Beispiel kann einfach zu dünn oder Nut und Feder zu stark abgenutzt sein.


















