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    Zuletzt aktualisiert: 13.08.2012 um 12:48 UhrKommentare

    Neue Schlösser brauchen keine Schlüssel

    Foto © APA

    In Zukunft wird es keine Schlüsselkinder mehr geben - denn es wird wohl keine Schlüssel mehr geben. Neue Schließanlagen lassen sich mit Chipkarten, Fernbedienung, dem Fingerabdruck oder einem Code öffnen.

    Voll bepackt mit Sackerln und Kartons vom Einkauf - und dann lässt sich der Haustürschlüssel in den Untiefen der Taschen nicht finden. Die Suche wird zum Geduldsspiel. Hektik und Panik kommen auf, ob der Schlüssel verloren ist, gestohlen wurde oder innen steckt. Dabei es geht auch ganz ohne.

    Elektromechanische Sperren lassen sich mit Chipkarten öffnen, die so groß und so dünn sind wie EC-Karten. Sie stecken zum Beispiel im Portemonnaie. Eine weitere Alternative zum Schloss mit Schlüssel ist schon lange von automatischen Garagentüren bekannt - im Auto liegt eine Fernbedienung, über die das Tor bereits aus einiger Entfernung beim Heranfahren geöffnet werden kann. Auch für Haustüren gibt es das mittlerweile. Die Signale werden bei beiden Systemen von einer Kontrollzentrale in der Schließanlage überprüft, die die Tür entriegelt, erläutert Helmut Rieche von der "Initiative für aktiven Einbruchschutz 'Nicht bei mir!'" in Berlin.

    Doch die Schließsysteme mit Fernbedienung und Chipkarte haben einen gravierenden Nachteil, findet Jürgen Benitz-Wildenburg vom Institut für Fenstertechnik in Rosenheim (Bayern): Einbrecher können die Signale mit illegalen Spezialgeräten ausspähen.

    Die Polizei nennt hingegen einen Vorteil der Chipkarte für die Haustür: Über die Datenspeicherung der Anlage könne nachvollzogen werden, wer die Tür geöffnet hat - und damit auch, ob die Chipkarte womöglich an unberechtige Personen weitergegeben wurde, erläutert Harald Schmidt, Geschäftsführer der Polizeilichen Kriminalprävention der Länder und des Bundes in Stuttgart.

    Schlösser mit Codeeingabe benötigen wie der Bankautomat eine Zahlenkombination, die über eine Tastatur eingetippt wird. Jürgen Benitz-Wildenburg empfiehlt, aus Sicherheitsgründen dem Code mindestens sechs Stellen zuzuweisen. Schmidt rät zu acht Stellen. Auch sollten keine Geburts- und Hochzeitstage oder gar die Telefonnummer dafür genommen werden. Diese könne jeder herausfinden, und Einbrecher probierten diese auch als erstes aus.

    Ähnlich wie die Codeeingabe funktioniert ein Schließsystem mit Fingerabdruck. Besonders sicher sei laut Harald Schmidt eine Kombination von beiden - Fingerabdruck und Passworteingabe. Der Vorteil dieser beiden Systeme liegt auf der Hand: Es gibt nichts zu verlieren - keine Schlüssel, keine Chipkarte oder die Fernbedienung, sagt Rieche. Bei beiden Systemen sollte der Datenempfänger, der die Signale identifiziert und die Tür entriegelt, so installiert sein, dass kein Fremder rankommt. Der Empfänger sei deshalb am besten im Haus, erläutert Schmidt.

    Bei allen Varianten sollte die Löschung alter Daten möglich sein, rät der Einbruchsexperte Rieche. Denn Codes sollten immer mal wieder geändert werden können. Und gehen Chipkarten und Fernbedienungen verloren, sollten sie genauso wie die Fingerabdrücke von nicht mehr erwünschten Personen gelöscht werden. Auch sollten nur geprüfte und zertifizierte Zylinder eingebaut werden, sagt Schmidt. "Der größte Zertifizierer am Markt ist das Institut für Schadenverhütung und Schadenforschung der öffentlichen Versicherer."

    Doch ein sicheres Schloss allein hält die Diebe noch nicht vom Haus ab. Ulrich Tschorn vom Verband der Fenster- und Fassadenhersteller in Frankfurt am Main rät daher, immer Türen der Widerstandsklasse II einzubauen.

    Quelle: APA

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