Ein guter Jahrgang
Die niederländische Unternehmerfamilie Goedmakers hat in der Südsteiermark ein Haus gebaut, um darin nicht nur Ferien, sondern auch "sauguten" Wein zu machen und Gäste zu empfangen.

Foto © Oliver WolfAus den beiden 150 m2 großen Wohnungen blickt man auf einen Gemüsegarten und das Weinland
Dass es Monique und Ton Goedmakers, die eigentlich aus Holland stammen und ihren Hauptwohnsitz mittlerweile in Belgien haben, ausgerechnet in die Südsteiermark verschlagen hat, ist reiner Zufall. Oder Bestimmung - je nachdem, wie man es sehen will. Der Hausherr bevorzugt jedenfalls den eher buddhistischen Ansatz. "Was für einen bestimmt ist, erreicht einen auch", sagt er.
Glücksfall
Die Weichen ins steirische Weinland waren jedenfalls schon lange gestellt. Die Freundschaft der Goedmakers mit dem Salzburger Uli Kaltenböck, der 20 Jahre lang als Sommelier am Arlberg arbeitete, führte vor zehn Jahren zu einer Weinreise durch Österreich. In Gamlitz meinte Ton Goedmakers damals halb im Scherz: "Hier ein Weingut zu haben, das wär' doch was." 2008 kamen dann gleich zwei Glücksfälle zusammen: Kaltenböck ging in Pension, und nahe Gamlitz wurde ein Anwesen zum Kauf angeboten, das gut zu dieser alten Idee der Goedmakers passte. Eines war für Ton Goedmakers nämlich immer klar: "Wir wollten kein Ferienhaus mit ein paar Rebstöcken. Das Wichtigste in dieser Lage ist der Wein - der ist ja auch Balsam für die Seele." Das Bekenntnis des Unternehmers, der im Vorjahr mit 60 Jahren beruflich einen Gang zurückschaltete: "Hier guten Wein zu machen, ist eine Verpflichtung an die Lage. Unsere Ambition ist, sehr guten Wein zu machen und spätestens in zehn Jahren ,sauguten Wein'."
Das gelingt freilich nur mit jemanden, der guten Wein nicht nur auf Anhieb erkennt (wie Goedmakers) sondern auch fähig ist, ihn herzustellen. Hier kam Uli Kaltenbück ins Spiel, der ohnehin davon träumte, in seiner Pension auf einem Bauernhof zu leben. Statt Bauer wurde er nun Verwalter und Mastermind auf Goedmakers neuem Weingut - das zu diesem Zwecke freilich überhaupt erst einmal geschaffen werden musste.
Zitiert
"Ein Ferienhaus mit ein paar Weinreben hat uns nie interessiert. In so einer Lage ist man verpflichtet, guten Wein zu machen."
Das bestehende Wohnhaus mit unvollendetem Zubau und dem alten Wirtschaftsgebäude erwies sich nach fachkundiger Betrachtung als wenig brauchbar. Für halbe Sachen hatten die Goedmakers ohnehin nichts übrig, also entschloss man sich zu einem radikalen Um- und Neubau. Wichtig dabei: Der Neubau sollte der Landschaft nicht wehtun. Es ging vor Anfang an darum, eine Form und Materialien zu finden, die zeitlos sind und in Würde altern - um dabei im Bestfall sogar ein Strahlen zu bekommen.
Mit Bernd Masser betrauten die Goedmakers faktisch ihren Nachbarn mit der Entwurfsplanung für das Projekt. Die Vorgaben: "Zwei Wohnungen, für den Verwalter und für die Besitzer, fünf bis sechs Gästezimmer für die Privatnutzung und alles, was man für einen Weinbaubetrieb mit sechs Hektar Weingarten, dazu noch Obstwiesen und Wald, eben braucht," sagt Masser.
Alte Gewölbekeller
Der Planer beschloss, die Silhouette des alten Gebäudeensembles beizubehalten, wenngleich in Summe kein Stein auf dem anderen blieb - mit einer einzigen Ausnahme: Die alten Gewölbekeller wurden nur sandgestrahlt und neu in den Hof integriert. Vor dem alten Wohnhaus, wo früher nur eine asphaltierte Verkehrsfläche bestand, wurde mit zwei langgestreckten Baukörpern ein Innenhof geschaffen, der viel zur Entschleunigung der Besucher beiträgt. Der rechte, transparente Gebäudetrakt ist die öffentliche Zone mit Verkaufsraum und den alten Gewölbekellern, der lilnke Flügel ist die halböffentliche Zone mit sechs Gästezimmern für Freunde und Verwandte des Hauses. Im Innenhofbereich gibt sich dieses Gästehaus sehr verschlossen, in den Weingarten hinein macht es hingegen mit großflächiger Verglasung auf.
Im Haupthaus sind unter dem Satteldach die Wohnungen der Goedmakers und der Kaltenböcks untergebracht, mit jeweils zwei riesigen Balkonen hinein in eine Landschaft wie aus dem Bilderbuch. Die Beschattung der Balkone mit Lamellen aus Lärchenholz gab die Struktur für die gesamte Lärchenholzfassade aus Brettern und Deckleisten vor. Mit dem langsamen Ergrauen des unbehandelten Holzes, zusätzlich zu den extensiv begrünten Flachdächern, verschwindet der Bau optisch allmählich in der Landschaft. Ein umfangreiches Raumprogramm, immerhin 1400 m2 Nutzfläche, möglichst unauffällig in den Weingarten zu stellen, war von Anfang an Massers Anliegen. "Die halbe Kubatur duckt sich sowieso ins Gelände", sagt der Planer. Was an der Oberfläche sichtbar bleibt, stiehlt der Landschaft nicht die Schau.
Damit sind wir beim zweitwichtigsten Grund, weshalb die Goedmakers beschlossen haben, in Gamlitz Wurzeln zu schlagen: "Hier ist man der Natur viel intensiver als in Belgien oder Holland; es war uns wichtig, dass unsere Kinder und Enkel das erleben." Der Familienrat der Goedmakers hat auch eindeutig Ja zum neuen Projekt in der Südsteiermark gesagt. Damit ist das Unternehmen "sauguter Wein" wohl langfristig gesichert.
Features
Fotoserie
Was & Wer
Weingut Goedmakers in 8462
Gamlitz, Sernau 29. 1400 m2
Nutzfläche, zwei 150 m2 große
Wohnungen und ein 120 m2 großes
Gästehaus.
Bauzeit Mai 2010
bis Oktober 2011. Weinproduktion
durch die Familie Kaltenböck und
ein externes Beraterteam.
Architektur: Entwurfsplanung Bernd Masser, 8462 Gamlitz, Steinbach 68, Tel. (034 54) 59 810
Gartenanlage: Monsberger Gartenarchitektur, Raiffeisenstraße 30, 8010 Graz, Tel. (0 31 6) 72 08 23



















