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Zuletzt aktualisiert: 29.07.2012 um 03:41 UhrKommentare

Eine Siedlung wird im Regen stehen gelassen

Seit 1986 kämpfen Wohnungseigentümer einer ÖWG-Siedlung in Eisbach-Rein mit Feuchtigkeit, weil die Dächer "nicht dem Stand der Technik" entsprechen. Jetzt zittern sie vor Horrorkosten für die Sanierung eines Totalschadens.

Christian Haider und Christian Günther fürchten, dass auf sie und die anderen Bewohner millionenschwere Sanierungskosten zukommen

Foto © Gernot EderChristian Haider und Christian Günther fürchten, dass auf sie und die anderen Bewohner millionenschwere Sanierungskosten zukommen

Idyllisch in Hanglage, mit Blick ins Grüne und unweit des Stifts Rein liegt diese "ÖWG-Siedlung" in Eisbach-Rein. Als Beteiligungswohnbau mit 24 künftigen Bewohnern hat sie Architekt Michael Szyszkowitz 1984 geplant und auch die Bauaufsicht übernommen. 1986 sind die Käufer eingezogen. Doch war die Freude über das Idyll rasch getrübt. Von 1987 weg - nach dem ersten Winter - begannen die Probleme mit feuchten Stellen im Dachbereich.

"Wir hatten von 1986 bis 1991 mit massiv undichten Dächern zu kämpfen", erzählt Christian Günther, Siedlungsbewohner der ersten Stunde. Ein Problem, das zum Begleiter wurde. 1991 - nur fünf Jahre nach Fertigstellung - gab es eine teilweise Generalsanierung der mit Bitumenbelag versehenen Kaltdächer. Aber immer wieder traten Probleme auf.

Ganzes Dach zu erneuern

"2011 hat man nun eines der Dächer geöffnet und darunter massive Schäden festgestellt", sagt Günther. Siedlungssprecher Christian Haider ergänzt: "Es hat sich herausgestellt, dass hier bauphysikalisch nichts passt, der gesamte Dachaufbau zu erneuern ist." Was Gutachten bestätigen, bringt die Bewohner auf die Palme. Günther: "Das Dach entsprach von Anfang an nicht dem Stand der Technik, auch die Sanierung war nicht in Ordnung." Es habe immer an der Entlüftung gehapert, was unter dem Dach für Kondensat und die Feuchtigkeit gesorgt habe.

600.000 Euro kosten laut ÖWG-Schätzung die Sanierung der überprüften Dachfläche und einige andere Gewerke. Eine Summe, die zur Gänze die Wohnungseigentümer tragen sollen. Haider: "Und wir befürchten, dass es dabei nicht bleibt, sondern die Dächer der ganzen Siedlung einen Totalschaden haben."

Das von den Bewohnern 2011 beauftragte Gutachten des Sachverständigen Walther Kober lässt kein gutes Haar an der Dachkonstruktion. Nun hat auch noch die Gebäudeversicherung den Vertrag für die Siedlung per Jahresende gekündigt. Auch deren Gutachter hält fest, dass "die Ausführung des Dachbereichs nicht dem Stand der Technik" entspreche, Ausbesserungsarbeiten wohl nichts brächten: "Als einzige langfristige Lösung kann nur eine komplette Neugestaltung des Dachraumes gesehen werden."

"Nicht leistbar"

Da könnten die Kosten explodieren, fürchtet Günther: "Dabei könnten sich zwei Bewohner schon die Kosten für die jetzt geplante Sanierung nicht leisten. Siedlungssprecher Haider, selbst Jurist, kennt als letzte Konsequenz nur einen Weg: "Wir gehen von einem versteckten Mangel aus und sind noch in der 30-Jahres-Frist, um diesen vor Gericht einklagen zu können." Dann müsste der Bauherr dafür geradestehen und könnte sich an Planern und Baufirmen schadlos halten. Der Adressat für eine Klage sei die ÖWG, die Bauherr gewesen sei. Man hoffe aber auf eine außergerichtliche Einigung.

ÖWG-Geschäftsführer Christian Krainer sieht das anders: "Wir haben damals nur die finanzielle Abwicklung des Projekts übernommen, aber nicht die Bauleitung." Nach 25 Jahren sei eben manches zu sanieren, von einem versteckten Mangel will er nichts hören. Als Hausverwalter werde man weiter den Konsens mit den Wohnungseigentümern für das Sanierungskonzept suchen (siehe Interview).

Bernd Hecke

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