Dem Himmel so nah im Penthouse
Der Architekt Reiner Schmid hat für einen Grazer Bauherren ein Penthouse geschaffen, in dem das Wohnen zum Dauerurlaub wird - Feuer und Wasser in Form von Pool und Kamin sind dabei wesentliche Elemente.

Foto © kern-metall.atDie Grenzen zwischen drinnen und draußen verschwinden, auch dank stützenfreier Schiebelemente
Lebensfreude hat viele Gesichter. Manchmal zeigt sie sich in Form eines Bauherrn, der sich morgens immer mit einer Tasse Kaffee an seinen Pool setzt und einfach nur "Danke" sagt.
Einer dieser Glücksfälle findet sich hinter einer Hausfassade mit markantem Schachbrettmuster mitten in Graz. Das Gebäude, das vor 12 Jahren als unscheinbarer, zweigeschossiger Bau mit viergeschossigem Turm errichtet wurde, bekam in einer ersten Etappe vor drei Jahren nicht nur eine neue Fassade verpasst, sondern auch eine Holzkonstruktion für ein Penthouse aufgesetzt.
Urlaubsgefühl
In einer zweiten Etappe formte der Architekt Reiner Schmid in dieser Penthouse-Hülle mit viel Stein und Glas rund 280 m2 Dachlandschaft, die im Prinzip nur einen Zweck hat: Sie soll entschleunigen, Urlaubsgefühl pur vermitteln. So wollte es der Bauherr - und sah dabei Wasser und Feuer als wesentliche Elemente.
Schmid plante auf dieser Basis einen drei mal zehn Meter großen Swimmingpool und einen offenen Kamin als zentrale Punkte und ließ den Wohnraum drumherum sozusagen einfach offen. Alle Räume stehen gleichwertig nebeneinander, mit maximaler Transparenz dank einer raumhohen Rundumverglasung: Das ergibt 40 Meter Glas vom Boden bis zur Decke und das Gefühl, immer im Freien zu sein.
Die einzelnen Nutzungszonen lassen sich bei Bedarf durch weiße Vorhänge abtrennen, die elektrisch gesteuert durch die Räume geschoben werden - was nicht nur Abgrenzung, sondern auch immer neue Lichtstimmungen schafft.
Es werde Licht
Gibt es tagsüber schon wenige, die dieses Penthouse nicht lieben, "am Abend gehen alle Gäste in die Knie", sagt der Bauherr und zeigt, was moderne Lichtplanung kann: Lichtleisten über 40 Meter an der Oberkante der Fensterflächen und LED-Farbleuchten an den Wänden und im Pool halten die blaue Stunde an und/oder sorgen bei Bedarf für Morgenröte um Mitternacht. Das Heimkinosystem wurde in die Show integriert.
Großformatige Natursteinplatten aus Travertin ziehen sich außen und innen lückenlos durch, was den Eindruck eines einzigen, grenzenlosen Raumes noch verstärkt. Stucco lustro sorgt an den Wänden für dezent marmorierte, weiße Oberflächen. Der Gedanke fließender Übergänge lässt sich auch an den Sitzmöbeln ablesen. Drinnen und draußen finden sich die gleichen Formate: eckige Module, die sich jederzeit zu Sofas, Tischen und Betten umgruppieren lassen. Im Innenbereich sind sie mit Leder überzogen, außen mit wetterfestem Material.
Die Feuerstelle, um die herum das Zusammenleben passiert, hier wird sie lifestylegemäß interpretiert: mit einer 600 Kilo schweren Betonplatte als Ofenbank oder Tisch, um den herum sich jederzeit ein paar Barhocker gut machen - zumal in der fellüberzogenen Esse des offenen Kamins eine Bar versteckt ist. Mit diesem Innenleben allein sind die auffälligen Sondermaße dieses Elements freilich noch nicht ganz erklärt. "Der Kamin dient auch der Raumgliederung", sagt der Architekt. Die Felloberfläche sorgt für einen warmen Kontrast zu Stein, Glas und Beton.
Das Wechselspiel zwischen warm und kalt, rau und glatt wiederholt sich auch beim Esstisch mit Eichenplatte und Betonfuß oder der Küchenarbeitsplatte aus Beton mit ihrer lederüberzogenen Theke. In Summe ergibt das nicht nur Wohnraum aus einem Guss, sondern auch ein sehr entspanntes Lebensgefühl. "Ich habe keinen Stress", sagt der Hausherr.
Features
Was & Wer
Penthouse in Graz mit insgesamt 170 m2 Wohnfläche plus etwa 110 m2 Terrassenbereich mit Pool (ganzjährig geheizt).
Planung: Fassadengestaltung und Penthouse-Konstruktion (Hülle) durch das Architekturbüro Splitterwerk. Ausgestaltung der Hülle samt Inneneinrichtung durch den Architekten Reiner Schmid, Hamerlinggasse 3, 8160 Weiz, Tel: (0664) 212 45 53.




















