Wo bleiben die neuen Bleiben?
Neuer Wohnraum ist teuer und wird knapp. Bis 2014, so eine Studie, fehlen 16.000 Wohnungen, vor allem im Raum Graz. Am Land bricht der Markt teils ein.

Foto © Weichselbraun/SujetNeuer Wohnraum in Graz wurd knapp
So saftig, wie Preise am Grazer Immobilienmarkt sind, so düster die Aussichten für den steirischen. Laut einer neuen Studie für das Wohnbauressort (Hans Seitinger, ÖVP) müssten in den nächsten beiden Jahren 27.000 neue Bleiben errichtet werden. Davon allein im Großraum Graz 16.800, um den Bedarf zu decken. Dies ist nicht machbar, weiß Studienautor Wilhelm Schrenk. Im Gegenteil: Steiermarkweit sind höchstens 11.000 neue Wohneinheiten bis 2014 zu erwarten. Das lässt die Preise weiter klettern ("In Graz ist sicher keine Immobilienblase zu erwarten") und erhöht den Druck auf die Politik, für neuen und vor allem leistbaren Wohnraum zu sorgen. Die Zeit dafür ist knapp, der Budgetspielraum ebenso.
Die Gründe für den Wohnungsmangel sind vielfältig. Wie überall ziehen die Menschen dorthin, wo es Arbeit gibt. Auch wächst die Steiermark dank Zuwanderern stetig, doch gebaut wurde und wird nicht dort, wo es notwendig wäre. Obendrein sind mehr (kleine) Haushalte notwendig: für die Jungen und die Alten. Bis 2030, so Prognosen, wird die Zahl der Single-Haushalte in der Gruppe der 65-Jährigen um 42 Prozent auf rund 90.000 steigen. Vor allen in Ballungsräumen.
"Ich dürfte in manchen Gemeinden überhaupt keinen Wohnbau mehr machen", gesteht Seitinger. Doch das würde die Landflucht nur erhöhen. Schrenk warnt dennoch vor erhöhtem "Leerstandrisiko" am Land, in 40 Prozent der Gemeinden ist der Bedarf gedeckt. Wo genau, das ist vertraulich. "Ich würde nur beschimpft werden", fürchtet der Raumplaner die Reaktionen erboster Ortskaiser.
Nur sieben Wohnungen
Ein Blick auf die Bezirksliste (siehe Grafik) zeigt die Problemgebiete: Für den gesamten Bezirk Mürzzuschlag (40.207 Einwohner) berechnete Schrenk einen Bedarf von lediglich sieben neuen Wohnungen. 936 sind es für den großen Bezirk Liezen (79.814 Einwohner). Ganz anders die Landeshauptstadt: Der Zuzug ist derart stark, dass "Graz alle zehn Jahre eine Bezirkshauptstadt aufsaugt", verdeutlicht Seitinger.
Was also tun? Der Wohnbau ist zwar mit 400 Millionen Euro dotiert, aber der Großteil dient dazu, Altlasten zu bedienen. "Für Neubauten, derzeit rund 1400 im Jahr, bleiben uns effektiv 70 Millionen", so Abteilungsleiter Siegfried Kristan. Schrenk schlägt vor, am Land primär nur noch zu sanieren oder dort, wo Gemeindefusionen für klare Verhältnisse sorgen, zu bauen. Seitinger hadert mit hohen und teuren Standards: "Mit Passivhäusern können viele gar nicht umgehen."



















