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Zuletzt aktualisiert: 13.06.2012 um 11:06 UhrKommentare

Der Immobilienmarkt im Bezirk Leoben

Die Nachfrage ist größer als das Angebot, soviel ist auch bei einer Expertenrunde zum Leobener Immobilienmarkt schnell klar. Was zu haben ist und wie viel Häuser, Grundstücke und Wohnungen kosten.

Der Bedarf an mehr Neubauwohnungen wäre in Leoben gegeben, aber private Bauträger trauen sich nicht drüber

Foto © R. NunnerDer Bedarf an mehr Neubauwohnungen wäre in Leoben gegeben, aber private Bauträger trauen sich nicht drüber

"Die Wünsche der Kapitalanleger, die es nach wie vor gibt, können wir nur teilweise befriedigen", schildert Markus Letonja von s.Real seine Erfahrungen. "Erstmals seit 1992/93 haben wir einen Käufermarkt", bringt es Johann Draxler von der Wohnservice Draxler GmbH auf den Punkt. Anders als in Ballungszentren wie Graz wirke sich das aber nur bedingt auf die Preise aus. Draxler: "Das Preisniveau ist gleichbleibend, bei Grundstücken zum Teil sogar fallend." Wer jetzt versucht, seine Immobilie zu überhöhten Preisen an den Mann oder die Frau zu bringen, ruiniere das Projekt dauerhaft. Johannes Kiesling vom Bank Austria Immobilienservice warnt: "Wer zuerst einen viel zu hohen Preis ansetzt, kann sein Objekt zum Schluss womöglich nicht einmal mehr unter seinem Wert verkaufen."

Eine Erfahrung, die ebenfalls die ganze Expertenrunde teilt, ist, dass die Mittelschicht zusehends wegbricht. "Von zehn Kunden haben sieben kein Geld und müssen fast alles fremdfinanzieren", spricht Letonja Klartext - was bedeutet, dass sich für viele Menschen, vor allem für junge Familien, die Finanzierung schlichtweg nicht mehr ausgeht.

Über den Preis einer Immobilie in Leoben bestimmen nach Aussage der Profis die drei großen L: Lage, Lage - und noch einmal Lage. "Wohnungen in Randlagen oder Gräben sind viel weniger wert, während die Preise in innerstädtischen Lagen und im städtischen Nahbereich schon stärker steigen", sagt Walter Höfer vom Wohntraumcenter Mur/Mürz. Die Rede ist dabei von 850 bis 900 Euro pro Quadratmeter für eine gebrauchte Eigentumswohnung. Mehr als 1000 Euro pro Quadratmeter sei für Gebrauchtes nur in ausgewählten Lagen erzielbar.

Neuland

Bei Neubau-Preisen sind realistische Einschätzungen doppelt schwer. "Es gibt kaum Neubauprojekte im Bezirk, weil sich die privaten Bauträger einfach nicht drübertrauen", ist sich die Runde einig. Konkret werden derzeit (zum Beispiel) 30 Neubauwohnungen in Leoben-Judendorf zu einem Kaufpreis von 2050 bis 2150 Euro pro Quadratmeter netto (ohne Tiefgarage) angeboten. In diesem Bereich ist die Käuferschicht dünn gesät - wenngleich Immobilienmakler wie Richard Stengg von der Stengg GmbH selbst bei Quadratmeterpreisen von 2700 Euro für Leoben nicht ganz pessimistisch sind. "Weil es so wenig Neubau gibt."

"Mietkauf ist eine starke Konkurrenz zu Neubau-Eigentumswohnungen", erklärt Günter Ramberger von SOB-Immobilien die Situation.

Wen wundert es da, dass Bauträger lieber in Graz investieren, wo der Ertrag, auch der Mietertrag, viel höher ist? Zu diesem Befund passt die Tatsache, dass Vorsorgeobjekte im Bezirk Leoben so gar nicht das Thema sind. "Der klassische Anleger, der mehrere Wohnungen kauft, geht nicht nach Leoben. Wer hier kauft, stammt aus der Gegend und will sozusagen am Sonntag nach dem Kirchgang noch schnell bei seiner Wohnung vorbeischauen", wie es Draxler formuliert.

Das Paradoxon: Gerade in Leoben lassen sich mit Mietzinshäusern Renditen erzielen, von denen man in Graz nur träumen kann - dennoch gibt es kaum Nachfrage. Ramberger: "Selbst bei zehn Prozent Rendite gäbe es keinen Run auf Mietzinshäuser in guter Leobener Lage."

DANIELA BACHAL

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