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Zuletzt aktualisiert: 21.05.2012 um 22:03 UhrKommentare

Grazer stehen für ihre Altstadt auf

Liste von "Abbruchäusern" bringt den ASVK-Chefs Rücktrittsaufforderung ein. Die Soko Altstadt hat seit 2010 einen "Schutzkataster" erstellt: "Die Stadt muss den Girardikeller retten." Nagl bekennt sich zur Altstadt, aber auch zu modernen Zeichensetzungen.

Noch greift beim Girardikeller der Denkmalschutz, doch Aktivbürger warnen vor "wirtschaftlicher Abbruchreife"

Foto © HOFFMANNNoch greift beim Girardikeller der Denkmalschutz, doch Aktivbürger warnen vor "wirtschaftlicher Abbruchreife"

Sie plädieren dafür, historische Vorstadthäuser, die heute im Zentrum stehen, abzureißen und Graz dort mit moderner, großzügigerer Architektur urbaner zu machen. Und sie brechen eine Lanze für die bauliche Verdichtung in Gründerzeit- und Villenvierteln. Mit diesem Amtsverständnis (Kleine Zeitung G7 berichtete) haben die Vorsitzenden der Altstadtsachverständigen-Kommission Wolfdieter Dreibholz und sein Stellvertreter Architekt Michael Szyszkowitz eine Welle der Empörung ausgelöst, die uns via Anrufe und Leserbriefe erreicht hat.

KPÖ-Gemeinderat Andreas Fabisch fordert sogar ihren Rücktritt: "Diese Architekten beweisen mit ihrem unerträglichen Urbanitätsgeschwafel, dass sie für den Altstadtschutz eine Fehlbesetzung sind. Wer schützt nun das historische Graz vor dieser investorenhörigen ASVK?" Als besonderen Sündenfall ortet Peter Laukhardt, Sprecher der Initiative "Soko Altstadt", dass Dreibholz gar "eine Liste an Objekten nennt, die er zum Abriss freigeben würde". Darunter findet sich auch das Geburtshaus des Volksschauspielers Alexander Girardi in der Leonhardstraße 28, "das seit Jahren dem Verfall preisgegeben wird", ärgert sich Laukhardt, einst selbst Mitglied der Altstadt-Kommission: "Das Haus steht zwar unter Denkmalschutz, aber es entsteht der Eindruck, dass man hier wie einst beim Kommodhaus auf die wirtschaftliche Abbruchreife hinarbeitet."

"Girardihaus retten"

Die Soko Altstadt hat seit 2010 einen "Schutzkataster" erstellt und registriert besorgt den steigenden Investorendruck auf die Altsubstanz (siehe Infobox): "Wir müssen ständig ,gefährdete Objekte' in die Kategorie ,abgerissen' umsortieren."

Laukhardt fordert im Fall Girardikeller Bürgermeister Siegfried Nagl auf, durch Ersatzvornahmen, die dem Eigentümer in Rechnung gestellt werden, die Erhaltung des Hauses zu sichern. Nagl will sich die Situation beim Girardi-Haus genauer anschauen und betont: "Dieses Objekt soll natürlich erhalten bleiben." Von einem Rücktritt der ASVK-Chefs, die beide "international renommierte Experten" sind, will er nichts wissen: "Der Altstadtschutz ist mit ASVK, Altstadt-Anwalt, Unesco-Welterbe und unserer Stadtplanung breit aufgestellt." Es gelte eben, bei jedem einzelnen Fall die beste Lösung zu finden. Nagl bekennt sich zur Altstadt, aber auch zu modernen Zeichensetzungen im Zentrum.

BERND HECKE

GEFÄHRDETE ALTSTADT

Soko Altstadt: Die Privatinitiative von Grazer Aktivbürgern ist seit dem umstrittenen Abbruch des Castellhofs aktiv. Schutzkataster: Sie hat in den letzten eineinhalb Jahren 663 ihrer Ansicht nach schützenswerte Objekte dokumentiert, die aber nicht in der Altstadtschutzzone liegen undauchnichtdenkmalgeschützt sind. Rund 160 davon hat sie auf ihrer Homepage (www.grazerbe. at) aufgelistet. Von diesen sind rund 34 seit 2000 abgerissen worden, 24 stufen die Aktivisten als gefährdet ein.

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