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Zuletzt aktualisiert: 12.04.2012 um 08:08 UhrKommentare

Industriewüste blüht als Smart City auf

Graz erhält als einzige Stadt Österreichs den Zuschlag für Smart-City-Leitprojekt mit 4,3 Millionen Euro Förderung. Areal um die Listhalle wird zum Zukunftsquartier.

Graz ist Smart-City-Leitprojekt: Infrastrukturministerin Doris Bures, Klima- und Energiefonds-Chefin Theresia Vogel und Bürgermeister Siegfried Nagl

Foto © APA Graz ist Smart-City-Leitprojekt: Infrastrukturministerin Doris Bures, Klima- und Energiefonds-Chefin Theresia Vogel und Bürgermeister Siegfried Nagl

Das Hinterland des Hauptbahnhofs ist eine Industriebrache, wie sie im Büchel steht. Jetzt aber wird die Waagner-Biro-Straße, die für Grazer Industrie-Geschichte steht, zum Stadtteilzentrum der Zukunft, zur Smart-City-Graz-Mitte: E-Mobility sowie eigene alternative Stromerzeugung und folglich der Charakter eines Null-Emissions-Viertels sind Programm.

Seit Infrastrukturministerin Doris Bures (SPÖ) und Bürgermeister Siegfried Nagl (ÖVP) dieses Projekt in Wien der Presse präsentiert haben, ist klar: Es handelt sich nicht um hehre Visionen, sondern um ein überzeugendes Konzept aus Graz, das dafür als einzige Stadt Österreichs den Zuschlag für ein Smart-Cities-Leitprojekt und für Bundesförderungen von 4,3 Millionen Euro aus dem Klima- und Energiefonds erhalten hat.

Insgesamt erstreckt sich das Quartier Graz-Mitte südlich der Peter-Tunner-Straße auf über 400 Hektar in Eggenberg, Wetzelsdorf, Gries und Lend. Auch das Reininghaus-Areal ist im Planungsgebiet. In einem ersten Schritt soll das Stadtteilzentrum rund um die Listhalle entstehen. Wahrzeichen der Smart City wird der 40-Meter-Windvulkan, der mit Kamineffekt und Ventilator als Auftriebskraftwerk Strom fürs Quartier produziert (siehe Grafik). Erschlossen werden soll das Zentrum mittels S-Bahn-Station an der Peter-Tunner-Straße, fordern die Konzeptersteller -Architekt Markus Pernthaler und Stadtplanungschef Heinz Schöttli - den Mut ein, in Fragen des öffentlichen Verkehrs neue Wege zu beschreiten.

Bis 2016 sollen die ersten sechs Hektar entwickelt sein, so Pernthaler und Schöttli: "Hier werden 1000 Menschen wohnen und weitere 1000 arbeiten und forschen. Zur Bahntrasse hin ist ein mehrstöckiges Parkhaus vorgesehen, das als Schallschutz fungiert und eine Flotte für Car-Sharing aus Elektro- und Hybridfahrzeugen beherbergt. Südlich der Listhalle entsteht das Quartierzentrum mit Nahversorgern, Kindergarten und Seniorenbetreuung. Insgesamt sind mit Grundstücken gegenüber zehn Hektar zu entwickeln, so entsteht mit Nachbararealen ein Stadtteil für bis zu 8000 Menschen.

Am großen Wurf sind 14 Partner - die Stadt, die Grundstückseigentümer AVL und Raiffeisen -Planer und die Energie-Technologiefirma FIBAG aus Stallhofen beteiligt. Letztere steht für innovative Energielösungen. Fibag-Vorstand Mario Müller: "Wir werden dort mit unserem Schweizer Partner Michael Grätzel erstmals Fensterscheiben einbauen, die als Fotovoltaik-Zellen Strom produzieren." Die neue Technologie ermöglicht beidseitig funktionsfähige Fotovoltaik-Scheiben, die auf Dächern und Fassaden den ganzen Tag über Sonnenstrom erzeugen können.

Nach jahrelanger Vorarbeit, die organisatorisch von Baudirektor Bertram Werle und seinem Projektleiter Kai-Uwe Hoffer vorangetrieben wurde, hofft Graz auf eine noch ertragreichere Ernte. Werle: "Mit diesem Leitprojekt sind die Chancen auf weitere EU-Förderungen deutlich gestiegen."

Für Stadtplanungschef Schöttli ist klar: "Dieses Planungskonzept ist vorbildhaft für die gesamte Stadt." Künftig gelte es, Graz mit Eigentümern und Investoren - etwa im Messe-Viertel oder entlang der Mur - in solchen Smart-City-Quartieren zu entwickeln.

BERND HECKE

Grafik: Smart-City-Projekt

Grafik © KLZ

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