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Zuletzt aktualisiert: 23.03.2011 um 19:11 UhrKommentare

Erwin Wurm-Ausstellung: Respektlos, aber liebevoll

Erwin Wurms Hang zum Gebrauchsgegenstand ist bekannt. Nun verwandelt der Künstler Möbel seiner Jugend zu skulpturalen Objekten.

Erwin Wurm

Foto © APAErwin Wurm

Im Essl Museum präsentierte Erwin Wurm unlängst, wie berichtet, sein steirisches Elternhaus samt Einrichtung. Nicht, wie erwartet, in einer "fetten" Version, sondern ganz schlank. Sieben Meter Breite verdichtet auf etwas mehr als einen Meter.

"Möbel meiner Jugend" stehen (im Wortsinn) im Zentrum der mittlerweile 10. Folge der Reihe "Künstler im Fokus" des Museums für angewandte Kunst (MAK). Nach Arnulf Rainer, Alfons Schilling, Padhi Friedberger, Franz West, Heimo Zobernig, Franz Graf, Liam Gillick, Hans Weigand und Plamen Dejanoff zeigt Wurm seine Vorstellungen von "Schöner Wohnen".

Der künstlerische Umgang mit typischem Mobiliar der 1950er- und 1960er-Jahre (Wurm ist Jahrgang 1954) ist gleichermaßen respektlos und liebevoll. Die Eingriffe in die meist furnierten Kreationen von unterschiedlicher Qualität im Entwurf legen deren Schwächen bloß, arbeiten aber auch Stärken heraus. So glänzt nicht nur ein zum Couchtisch verwandeltes Vorderteil eines Kästchens durch handwerkliche Akribie.

Benutzbar sind alle der speziell für das MAK konzipierten Objekte. Die Eingriffe in die Fundstücke erfolgen auf unterschiedlichen Ebenen. Einige schlichte "Stockerl" sind fraglos weitaus näher am Gebrauchs-Wert als eine Skulptur aus drei Sideboards, in welcher die Fifties mit Memphis verschmelzen.

Bei jedem einzelnen Stück ist Wurms Witz spürbar. Ein "Trinker-Fauteuil", vormals eine Kommode, wird in (West-)Rosa getunkt zum "Punschkrapferl". Dabei mutiert ein mit gläsernen Schiebe-Elementen geschütztes Fach, in genannter Ära weit verbreitet, zur Bar. Gefüllt mit Inländerrum und Jägermeister.

Die Wand des Ausstellungsraums ist mit einer gepunkteten Tapete versehen. Fotomaterial zur Ausstellung enthüllt den Ursprung des Designs: Den Künstler ziert dort eine Krawatte mit nämlichen Tupfen. Klarer Fall von Gesamtkunstwerk.

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