Ein neues Zeitfenster
Am Grazer Lendkai zeigt ein neuer Wohnblock, dass moderne Architektur gut an die Vergangenheit anknüpfen kann. Herrlicher Ausblick auf den Schlossberg inklusive.

Foto © Architekturbüro EisenköckDer neue Gebäude passt sich an ohne eine Nachahmung zu sein
Auf den ersten Blick fällt es gar nicht auf, auf den zweiten hat es erfahrungsgemäß die ungeteilte Aufmerksamkeit: das straighte, schlammfarbene Gebäude zwischen den verschnörkelten, denkmalgeschützten "Nürnberger Häusern" am Grazer Lendkai.
Fast zehn Jahre lang hatte das Architekturbüro Eisenköck bereits Planungsstudien für dieses Grundstück in der Schublade, bis Baumeister Alexander Pongratz 2006 das Anwesen erwarb und Nägel mit Köpfen machte. Die Vorgaben der Altstadtsachverständigenkommission waren klar: "Der Bau sollte eigenständig, zeitbezogen und unverwechselbar sein", sagt Architekt Gernot Sohar vom Büro Eisenköck. Es ging also nicht darum, einen alten Baustil nachzuahmen, sondern darum, einen zeitgemäßen Link zwischen den bestehenden Häusern zu schaffen.
Zäsur
Das gelang mit einem einfachen Block, der die Traufenhöhe von Haus 37 übernimmt und abgestuft an das andere Nachbarhaus andockt - mit einer markanten Zäsur im sechsten und siebenten Geschoss. "Die Glasfassade ist ein Fenster zum Schloßberg hin, in der sich der fantastische Ausblick spiegelt", schwärmt Sohar von den Reflexionen. Die Reduziertheit und Zurücknahme in Farbe und Form sei gleichzeitig ein Statement für das Weltkulturerbe gewesen.
"Mit Fertigstellung des Gebäudes waren alle Wohnungen verkauft - bis auf zwei kleine im ersten Obergeschoss, bei denen wir anfangs keinen Balkon eingeplant hatten", sagt Pongratz. Und ein Balkon muss einfach sein, das weiß man spätestens, wenn sich die Türen zum Penthouse öffnen und die Hausherrin nach unserem verzückten Blick auf das "Grazer Disneyland" am Fuße des Schlossbergs zur Terrasse hofseitig führt: So viel Ruhe, und das mitten in der Stadt!
Features
Fotoserie
Lendkai 35
Projekt: 14 Eigentumswohnungen in der Größe von 51 bis 210 m2 auf sieben Etagen, Tiefgarage mit 19 Stellplätzen und Autolift.
Planungsstudien seit 1997, Baubeginn Herbst 2008, Fertigstellung Mitte 2010.
Kosten: Quadratmeterpreise ab ca. 3200 Euro. Zwei 50-m2- Wohnungen sind noch zu haben.
Errichtung: Pongratz Bau GesmbH Architektur. Architekturbüro Hermann Eisenköck, Projektleitung: Gernot Sohar.



















