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Zuletzt aktualisiert: 14.12.2010 um 06:52 UhrKommentare

Die drei besten Handwerker Europas

Mit dem Rekord von 19 Medaillen kehrten Österreichs junge Tophandwerker von der Berufs-EM in Lissabon zurück. Drei Steirer haben sich vergoldet.

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Noch dreißig Minuten . . . noch fünfzehn Minuten . . . drei, zwei, eins" - eine laute Glocke ertönt, es wird geklatscht, gejubelt. Die Wettbewerber müssen ihre Arbeiten jetzt einstellen. Ein Herzschlagfinale am 100.000 Quadratmeter großen Euroskills-Gelände in Lissabon. Der steirische Maler Bernhard Holzer ballt die Fäuste und lächelt.

Drei Tage hat er hier in der Halle 1 der Lissaboner Berufseuropameisterschaften sein Bestes gegeben. Kaum ein Besucher, der an seinem Arbeitsplatz nicht stehen geblieben ist. "Ein Uhrwerk, eine Maschine" - diese Zuschreibungen hat sich Holzer in den Wettkampftagen erarbeitet und mit seiner hochkonzentrierten Arbeitsweise für Raunen und Staunen gesorgt. Er hat sich weder von den zahlreichen Kiebitzen, dem Blitzlicht der Fotoapparate noch von seinen internationalen Mitbewerbern aus der Ruhe bringen lassen. "Ich konzentriere mich allein auf meine eigene Arbeit", so seine Ansage. Es hat sich bezahlt gemacht. Er darf sich nun bester Jung-Maler Europas nennen. Als er ganz oben auf dem Treppchen steht und die Goldmedaille um seinen Hals baumelt, brechen bei der Siegerehrung alle Dämme. Die Emotionen holen ihn ein, die Tränen kullern über die Wangen. "Ein Wahnsinn" - vielmehr bringt er vorerst nicht heraus. Zumal er auch als bester österreichischer Athlet geehrt wird.

"Bei der Eröffnungsfeier haben wir uns ja noch etwas zurückgehalten, heute haben wir guten Grund, ordentlich Wirbel zu machen" - Katrin Eichinger, Delegierte des Team Austria bei den Berufseuropameisterschaften in Lissabon sollte also recht behalten. Als sich der rund achtzigköpfige Tross der Österreicher lautstark in Richtung Siegerehrung in Bewegung setzt, ahnt aber noch niemand, dass im Laufe der Nacht alle Rekorde gebrochen werden. Der Schlachtruf der 30 heimischen Tophandwerker sollte sich jedenfalls bewahrheiten: "We are the best, the best, the best", skandieren die Athleten, die die drei aufregendsten Wettkampftage ihrer bisherigen Berufslaufbahn hinter sich haben.

Am Ende des Tages heißt es 19 Mal jubeln, klatschen und schreien. Österreich hat in den gut 50 Disziplinen gleich zwölf Goldene abgeräumt, das gab's noch nie.

In der riesigen Halle des Lissaboner Messegeländes erinnern ein buntes Fahnenmeer und Tausende enthusiastische Schlachtenbummler sowie 500 aufgeregte Wettkämpfer aus fast 30 Nationen ein bisserl an den Songcontest. Mit dem Unterschied, dass Österreich bei den Euroskills nicht nur dabei ist, sondern sogar eine Schlüsselrolle einnimmt. Was Josef Herk, Spartenobmann in der Wirtschaftskammer besonders freut: Vor allem im klassischen Handwerk waren die Österreicher eine Macht. Der beste Elektriker, Installateur, Mechaniker, Maurer, Spengler und Maler Europas kommt jeweils aus Österreich. Dazu die beste Köchin sowie die beste Restaurantfachfrau.

"Beruf ist das Hobby"

Neben Holzer haben sich auch Anton Matlas und Thomas Fasching vergoldet. "Extrem, das war einfach nur extrem", so der Kältetechniker Fasching. "In den letzten Stunden des Wettkampfs arbeitest du nicht mehr, du fliegst. So was habe ich noch nie erlebt." Fasching hat im Einzelwettbewerb Silber, im Team mit zwei Tiroler Mitstreitern aber auch noch Gold geholt. So wie er hat auch der Spengler Anton Matlas monatelang auf Lissabon hintrainiert. "Das Hobby ist der Beruf, der Beruf das Hobby", so der strahlende Matlas. Von den Abertausenden Besuchern, die innerhalb der drei Tage seine Arbeit bewunderten, habe er sich nicht aus dem Konzept bringen lassen. "Du denkst dir, wennst einmal bei einer Europameisterschaft dabei bist, hast es wirklich geschafft. Jetzt steh' ich mit der Goldenen da, einfach unfassbar."

International für Aufsehen sorgte auch die Leistung des Schweißers Stefan Reithofer, der mit der "Medaillon of Excellence" ausgezeichnet wurde. Großartig auch die Leistung der Trautmannsdorfer Floristin Silvia Pfeiler, die sich in einem extrem harten internationalen Teilnehmerfeld behaupten konnte.

MANFRED NEUPER, LISSABON

Kommentar

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