Der Fahrplan für die Moschee
Jetzt ist es fix: Die bosnische muslimische Gemeinde hat das Grundstück für ihr Kulturzentrum gekauft.

Foto © Sabine HoffmannNeue Heimat für ihr Kulturzentrum: Obmann Mahdi Mekic
Freitag, 14. November, 2010. Ein Tag, an dem das Kapitel der bosnischen muslimischen Gemeinde in Graz neu geschrieben wird. Denn an diesem für Muslime heiligen Tag hat Obmann Mahdi Mekic den lang ersehnten Kaufvertrag für jenes Grundstück in der Herrgottwiesgasse/Laubgasse in Puntigam mit der Holding Graz unterschrieben, wo einmal die erste steirische Moschee erbaut wird (die Kleine Zeitung berichtete): als Herzstück eines Kulturzentrums.
Zwei Millionen Euro - "davon eine halbe Million Spenden als Eigenkapital" - kosteten die 12.000 Quadratmeter Fläche, die für die 800 aktiven Familien Heimat und Kulturzentrum werden sollen. Neben österreichischen Staatsbürgern, so Mekic, kommen die meisten aus Bosnien-Herzegowina, aus Serbien, Montenegro, Mazedonien und Kroatien. "Nach 17 Jahren, in denen unsere Gebetsräume immer wieder aus allen Nähten geplatzt sind, ist das ein erfreulicher Schritt", sagt Mekic. Der neue Standort ist übrigens nur 300 Meter Luftlinie vom alten Kulturzentrum, einem umfunktionierten Wohnhaus in der Hans-Gross-Gasse, entfernt.
Wie's weitergeht? "Wir planen, unser Kulturzentrum in vier Phasen zu bauen." Phase eins: ein Gebetshaus in zwei Stöcken, in dessen Hauptraum 500 Anbeter Platz haben sollen. Ein Vorsaalbereich sowie ein Bereich im zweiten Stock sollen so ausweitbar sein, dass bis zu 1000 Personen Platz haben.
Minarett, ohne Muezzin
Die Moschee, die sich der 33-jährige Manager und Vater von drei Kindern vorstellt, ist modern. "Wir werden keine traditionell orientalische Moschee in Graz bauen", betont der Obmann. "Ich hätte gerne ein mutiges, cooles Gebäude." Zur Demonstration packt der Manager, der Elektrotechnik und Informatik in den USA studiert hat, seinen Laptop aus und zeigt Fotos von einem Bau in Singapur, der deutschen Penzberger Moschee oder einen Plan von Rijeka. Zu sehen sind helle, transparente Bauten mit symbolischen Minaretten. Niemand soll denken, dort passiere etwas Geheimes, sagt Mekic.
Apropos Minarett: Es ist eines geplant, ein modernes. Das heißt, "nicht riesengroß, sondern symbolisch. Und: nicht aktiv, also ohne Muezzin."
Die Moschee wird nur ein Teil des Kulturzentrums werden. "Wir beten fünf oder zehn Minuten, die meisten bleiben zwei Stunden." Zum Fußball- oder Schachspielen, Kaffeetrinken, Plaudern. Die Stadt Graz bekannte sich von Anfang an zur Moschee. Daran habe auch der Eklat um das Onlinespiel "Moschee baba" von FP-Landesrat Gerhard Kurzmann nichts geändert.
Neben einer Moschee soll es ein Ausbildungszentrum mit Kindergarten, Bibliothek, Shops, Restaurant, Spielplatz, Parkplätzen, Friseur, Fleischerei und einer Mehrzweckhalle geben.
Der Zeitplan
Im Frühling 2011 will man die ersten Architekturprojekte herzeigen. Anfragen gebe es aus dem In- und Ausland. "Wir planen in der zweiten Hälfte 2011 mit dem Bau zu beginnen." Die Moschee könnte in sechs Monaten stehen. Die Finanzierung? - "Wird durch Rücklagen, Mitgliedsbeiträge, Spenden, Verkauf der Liegenschaft geschehen." Eine Prognose: "Ich glaube zu 200 Prozent an die Moschee."
Übrigens: Nicht nur die bosnische, sondern auch die türkische Gemeinde plant ein Kulturzentrum: in Gries. Die Eröffnung ist für 2011 geplant.
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Moderner Entwurf: Islamisches Center Rijeci


















