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Zuletzt aktualisiert: 11.10.2010 um 11:35 UhrKommentare

Die Stadt der Zukunft

Wie mit Formen und intelligenten Fassaden Energie effizienter genutzt werden kann. Brian Cody von der TU Graz über sein Konzept "Form Follows Energy."

Den Wind nutzen: Natürliches Lüftungskonzept für die Hauptverwaltung der Europäischen Zentralbank in Frankfurt

Foto © Coop HimmelblauDen Wind nutzen: Natürliches Lüftungskonzept für die Hauptverwaltung der Europäischen Zentralbank in Frankfurt

Von niedrigen Heizwerten lässt sich Brian Cody, Leiter des Institutes für Gebäude und Energie an der TU Graz, nicht beeindrucken. Obwohl Gebäude die größten Energiefresser sind und weltweit bis zu 50 Prozent des gesamten Energieverbrauchs verursachen, sind aus seiner Sicht Passivhäuser, Dämmschichten und Energieausweise keine wirksamen Strategien, um die Energiekrise abzuwenden. "Energieeffizienz wird ausschließlich mit niedrigen Heizkosten gleichgesetzt. Keiner rechnet die Energie für die Herstellung, die Kühlung oder die Lüftung dazu ", kritisiert der Wissenschafter.

Wer ernsthaft darüber diskutieren will, müsse sich mit der Qualität und Quantität der Energie auseinandersetzen, betont Cody: "Bei Gebäuden muss man sich mit dem Verhältnis zwischen der Qualität des Raumklimas und der Quantität der Energie, die dafür aufgewendet werden muss, auseinandersetzen." Was braucht es also, um eine Energiekrise abzuwenden? "Radikales Umdenken, sowohl beim Wohn- als auch beim Städtebau", fordert Cody. Einer Aufforderung, der er selbst längst nachgekommen ist.

Formvollendet

Seine Konzept für die Zukunft: "Form Follows Energy". Das heißt: "Ein Gebäude muss als System betrachtet und so konzipiert werden, dass Kräfte wie Wind, Feuchtigkeit und Sonne als Energiequellen genutzt werden. Um Nachhaltigkeit zu schaffen, müssen niedrige Energiekosten, ein optimales Raumklima und architektonische Qualität auf eine Ebene gestellt werden." Eine wesentliche Rolle spielt dabei die Fassade, die diese natürlichen Kräfte kontrolliert und nutzbringend ins Gebäude lässt.

Ein Konzept, das in der Realität auch tatsächlich funktioniert, wie Cody inzwischen in Form von etlichen Bauten bewiesen hat. Ein Musterbeispiel dafür ist das Hauptgebäude der Europäischen Zentralbank in Frankfurt, das der gebürtige Ire gemeinsam mit dem Architekturbüro Coop Himmelb(l)au entwickelt hat (siehe Skizze rechts). Es ist das erste Hochhaus, das mit einer vollkommen natürlichen Lüftung konzipiert ist. Oder das MOCAPE Museum in Shenzen in China. "Die Dachfläche ist bei diesem Gebäude so geplant, dass ein großer Teil der Beleuchtung in der Ausstellungshalle über natürliches Tageslicht erzielt werden kann."

Vorausdenken

Gedanken macht sich der Wissenschafter aber auch über die Stadt der Zukunft. Urbane Dichte wird mehr denn je ein wichtiger Faktor werden. Der optimale Wert? Das ist nur eine Frage mit der sich Cody derzeit beschäftigen: "Wir müssen uns heute schon damit auseinandersetzen, welche Funktion die Stadt künftig erfüllen wird. Wie muss der Wohnraum aussehen? Wo und wie werden Menschen arbeiten? Welche Strukturen braucht eine Stadt, um Energie effizient nutzen zu können?" Den Sanierungsboom in Städten wie Graz sieht er entsprechend kritisch. "Alte Gemäuer mit dicken Dämmschichten zu verkleiden; hat jedenfalls nichts mit Energieeffizienz zu tun," erklärt Cody.

PETRA PRASCSAICS

Foto

Foto © Brian Coby

Bild vergrößernDer Entwurf von Brian CobyFoto © Brian Coby

Zur Person

Seit 2003 leitet Brian Cody das Institut für Gebäude und Energie an der TU Graz. Sein Forschungsschwerpunkt gilt der Maximierung der Energieeffizienz von Gebäuden und Städten.

Projekte: Energetische Masterplanung für Bigova Bay in Montenegro; Sporthalle der Zukunft in Puconci in Slowenien; Landesarchiv NRWDuisburg; ÖVAG Zentrale, Wien; Busan Cinema Complex, Südkorea.

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