Der Entwurf sitzt
Der Grazer Architekt Manfred Wolff-Plottegg stellt mit seinem "Vorläufer" den Begriff des Sitzens auf neue Beine. Im Designwettbewerb des Schweizer Büromöbelherstellers Züco gab's dafür den ersten Platz.

Foto © Wolff-PlotteggSitzen und dabei immer in Bewegung bleiben - wie es der Orthopäde empfiehlt
Die Welt des Sessels ist nicht die Welt des Sitzens", sagt Wolff-Plottegg. Es stellt sich die Frage: "Wer hat die Sesselbeine erfunden?" Früher saßen wir ja wohl alle einmal am Boden.
Um nicht direkt am Boden sitzen zu müssen, wurden die Sessel erfunden. Mit den Sesselbeinen wird die Sitzfläche angehoben. Anders gesehen könnte man sagen, der Boden hat die Sesselbeine erfunden, um sich die Arschlöcher vom Leib zu halten. (© Wolff-Plottegg )
Auf Augenhöhe
Manfred Wolff-Plottegg (geb. 1946) hat seit 1983 ein eigenes Architekturbüro in Graz. Lehrtätigkeit an der TU Graz, an der Hochschule für Gestaltung Linz und an der TU München. Seit 2001 Univ.Prof. für Gebäudelehre & Entwerfen TU Wien, Institutsvorstand Architektur & Entwerfen.
Soweit Wolff-Plotteggs Erklärung, warum Sessel viele Beine haben, auf jeden Fall mehr, als sie eigentlich brauchen - was er, wie er betont, schon pränatal feststellen konnte. Deshalb 1967 sein Entwurf des "Rocker". Gepaart mit dem Ansatz, die konventionellen Zuordnungen von Objekt und Verwendung aufzuheben (ein Sessel ist ja auch Kleiderständer, Leiter etc.), ist daraus 43 Jahre später der "Vorläufer" geworden. Kein Scherz sondern eine komfortable Sitzgelegenheit, obwohl die Vorderbeine fehlen. Ein Sessel als klares Statement gegen den Minimalismus, als Bekenntnis zum Überfluss: vorne ein Teppichband und hinten am besten auch noch eine Schleppe. "Ziehen Sie den Teppich unter den Füßen weg - Sie werden einen Mangel fühlen!"
Der "Vorläufer" ist eben nicht nur ein Sessel, sondern ein raumbildendens Objekt, Verortung. "Der Vorläufer verändert das Sitzerlebnis." Dazu noch das erweiterte Angebot von Sitzen und Liegen. Ein Entwurf, der nach dem Sieg im Design-Contest, den die Firma Züco, Creative Industries Styria und Grazer Haus der Architektur ausgeschrieben haben, bald in Serie gehen wird.
Features
Geschichte der Zweibeiner
"Was die Anzahl der Beine betrifft, wären Sessel mit vier Beinen in der stammesgeschichtlichen Entwicklung zwischen Nacktschnecke und Tausendfüßler einzuordnen. Evolutionär gesehen entspricht der Rocker mit zwei Beinen am ehesten dem Menschen bzw dem Känguru", sagt Manfred Wolff-Plottegg über seinen Entwurf.



















