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Zuletzt aktualisiert: 07.06.2010 um 09:59 UhrKommentare

My Home is my Kraftwerk

VW-Motoren brummen in den Kellern der Häuser. Sie erzeugen Wärme - und Strom für das Land.

Foto © Eisenhans - Fotolia.com

Volkswagen-Werk Salzgitter nahe der deutschen Motorstadt Wolfsburg. Bis zu 5500 Motoren verlassen täglich die riesigen Hallen, 1,2 Millionen pro Jahr. Stolz wird das Prunkstück der Fertigung präsentiert, 16 Zylinder, 1001 PS - das Triebwerk für den Bugatti Veyron. Wenige Meter entfernt arbeiten die Experten an einer Maschine vom anderen Ende der Skala; ein erdgasbetriebener Otto-Motor, wie er im VW Caddy und auch im Touran eingesetzt wird.

Zweifamilienhaus

Dieser Automotor ist das Herzstück des "ZuhauseKraftwerks", eines neuartigen Energiekonzepts, das der deutsche Stromanbieter LichtBlick in Zusammenarbeit mit VW umsetzt. Die Grundidee: In privaten Häusern oder Siedlungsbauten stehen erdgasbetriebene "EcoBlue"-Blockheizkraftwerke, in aktueller Ausführung knapp 680 Kilogramm schwer und so groß (und so leise) wie ein gröberer Kühlschrank. Sie sorgen bei Bedarf für warmes Wasser und warme Heizkörper. Wirtschaftlich sinnvoll sind diese Geräte ab einem Wärmebedarf von 40.000 kW/h jährlich, was einem Zweifamilienhaus (oder eben größeren Objekten) entspricht.

LichtBlick stellt für 5000 Euro die Technik in den Keller, die Kunden bezahlen danach bloß die verbrauchte Wärme. Der Clou besteht darin, dass jedes einzelne Gerät von der Hamburger Zentrale aus angesteuert werden kann, um bei Bedarf und unbemerkt von den Hausbewohnern nach erfolgter Wärmelieferung auch Strom zu erzeugen, der ins Netz eingespeist werden kann.

Auf die Menge kommt es an

Und dabei kommt es auf die Menge an: Derzeit werden in Hamburg, Berlin und demnächst auch in Salzgitter die ersten Kleinkraftwerke aufgestellt, schon bald sollen es 100.000 im deutschen Bundesgebiet sein - die können auf Knopfdruck innerhalb einer Minute bis zu 2000 Megawatt Leistungen liefern, das entspricht zwei herkömmlichen Großkraftwerken. "SchwarmKraft" nennt man das bei den Anbietern. Sprecher Ralph Kampwirth betont die Flexibilität: "Der Strom wird dann erzeugt, wenn die Nachfrage hoch und das Angebot gering ist - zum Beispiel, wenn der Wind gerade nicht weht und die Windräder still stehen." Herkömmliche Großkraftwerke, also etwa Atom- oder Kohlekraftwerke, brauchen enorm lange - Stunden bis Tage - um ihre Leistung an den jeweiligen Bedarf anzupassen; die Vielzahl der Mini-Kraftwerke in privaten Kellern kann das in Sekunden.

Vorerst geht man davon aus, dass bei Verwendung von Erdgas in "Deutschlands größtem Gaskraftwerk" eine CO2-Einsparung von bis zu 60 Prozent verglichen mit herkömmlicher Erzeugung möglich ist. Wird Biogas eingesetzt, wird der CO2-Ausstoß um 100 Prozent reduziert. Die millionenfach bewährte Technik der VW-Motorenentwicklung soll ermöglichen, dass den "ZuhauseKraftwerken" Zuverlässigkeit und lange Lebensdauer beschieden sind. Bei etwa 1500 bis 3000 Betriebsstunden jährlich rechnet man mit einem Austausch der Geräte etwa alle zehn bis 15 Jahre. Die Kunden haben auch mit der Wartung nichts zu tun, die vom Anbieter durchgeführt wird. Allerdings nicht durch VW-Autohändler, sondern lokale Partner aus der Installationsbranche.

In Deutschland sei das Interesse bereits enorm, heißt es. Bei VW fährt man in diesen Tagen die Produktion hoch, 15.000 Motoren jährlich ist das Ziel - gut für die Auslastung der Kapazitäten und Sicherung der Arbeitsplätze.

In einer späteren Phase sei das System auch für Österreich vorstellbar, so Kampwirth.

ANDREAS LIEB

Grafik

Grafik © Kleine Zeitung

Grafik vergrößernSo funktioniert das ZuhausekraftwerkGrafik © Kleine Zeitung

Drei Fragen an ...

Univ.-Prof. Michael Narodoslawsky, Energieexperte TU Graz

1. Mini-Kraftwerke in privaten Kellern – ein guter Schritt in die Zukunft?
Narodoslawsky: Eine interessante Möglichkeit. Erneuerbare Energie – Wind, Sonne – lässt sich nicht so einfach steuern. Beim Speichern ist die Effizienz das Problem.

2. In welche Richtung geht die Forschung?
Narodoslawsky: Die Smart Grids,intelligente Netze, stehen im Fokus. Man kann an unterschiedlichen Stellen Energie gewinnen und einspeisen. Europa hat zum Glück eine sehr gute Netz-Infrastruktur.

3. Zieht man international am selben Strang?
Narodoslawsky: Ja. Die TU Graz hat gerade "eseia" gegründet, ein Netzwerk für nachhaltige Energieinnovation – 70 Partner aus 23 europäischen Staaten.

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