Die Trends von der Mailänder Möbelmesse

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Es kann vielleicht als treffender Zufall gewertet werden, dass ausgerechnet zum Höhepunkt des Mailänder Möbelsalons 2010 ein isländischer Vulkan ausbrach und halb Europa lahm legte. Der Vulkan Eyjafjallajökull könnte symbolisch für die globale wirtschaftliche Krise sein, von deren Folgen sich die Möbelbranche jetzt langsam erholen will.
Insgesamt zeichnete sich auf der Messe folgende Bewegung ab: "form follows fun" war gestern, "form follows function" ist vielleicht noch heute, aber morgen steht "form follows future" an der Tagesordnung. Mindestens ebenso explosiv wie die terrestrischen Urgewalten bot der "Salone del Mobile" eine Mischung von allem, worüber die Designszene sich noch lange unterhalten kann. Nur Hype, Glitzer und Glamour ist nicht mehr gefragt.
Die Zukunft wird grün
Die Zukunft wird stattdessen grün, die Möbel sind "öko-intelligent", die Produktion ist umweltschonend. Wer auf diesen Zug nicht aufsteigt, wird automatisch zum "Bad Boy" der Branche. Und die Hersteller übertrumpfen sich dabei gegenseitig: Selbst wenn sie ihre Produkte schon aus Holz herstellen, gibt es garantiert noch Designer, die aus recycelten PET-Flaschen Stuhl, Hocker oder Outdoorsofa kreieren. "Eco-sustainable" hat gute Chancen zum Wort des Jahres gewählt zu werden. Denn jeder Hersteller schreibt sich ökologisches Verantwortungsbewusstsein auf seine Fahnen.
Und jetzt steckt auch tatsächlich etwas dahinter. Holz, Holz und noch einmal Holz: so viel davon hat man schon lange nicht mehr auf einer Messe gesehen. Dazu kommen auch der vielfältige Einsatz von Baumwolle, Bambus und ähnlichen Materialien - und alles möglichst aus kontrolliertem Anbau.
Der ökologische Aspekt ist aber nicht der einzige Fortschritt: Green Design definiert sich auch über maximale Sparsamkeit am Material. Die Designer achten darauf, möglichst wenig Verschnitt zu produzieren, die Werkstoffe werden bis an ihre Grenzen ausgereizt und stark reduziert. Die Technik wird dahin gehend optimiert, dass alles selbsttragend funktioniert und ohne Schraube auskommt. Ein Beispiel dafür ist das Regal Cavalletti von Agape Casa, entworfen von Altmeister Angelo Mangiarotti.
Neue Schlichtheit
In der anderen Variante der Sparsamkeit lassen sich die Möbel so perfekt in ihre Einzelteile zerlegen, dass das Überführen in den ökologischen Recyclingkreislauf einfach wird. Damit werden die Grenzen des Designs neu ausgelotet und definiert - eine Herausforderung, die viel spannender und sinnvoller ist, als sich Jahr für Jahr selbst neu erfinden zu müssen. Auf die Spitze treibt es dabei das Unternehmen Vitra mit dem Sitzband Chairless. Weniger als ein Band für ein Sitzmöbel zu verwenden, geht definitiv nicht mehr.
Und darin liegt auch der zentrale Punkt, der den Charakter des Möbelsalons 2010 ausmacht: Die neue Schlichtheit ist die Antwort auf sämtliche Facetten des Design-Karussells, das in den vergangenen Jahren als verrückt und irrwitzig, inhaltsleer und sinnlos verschrien war. Neue Potenziale alter Bekannter werden zutage gefördert, angefangen über die multiple Einsatzfähigkeit des Wiener Geflechts bis hin zum stapelbaren Barcelona Chair von Ludwig Mies van der Rohe, produziert von Serralunga. Altbewährtes kehrt zurück und zeigt, dass Design kein Ablaufdatum haben muss. Die Lust an der Neuinterpretation gewinnt massiv an Boden, ohne dabei langweilig oder abgedroschen zu wirken. Auch das ist ein Beitrag zur Nachhaltigkeit.
Reduzierte Formen
Im Dekor zeigten die Designer neben Sticknähten, Knöpfchen und kunstvollen Faltungen in Leder, auch Origami-ähnliche Schnitte und Konturen. Schlichte, reduzierte Formen mit klaren Kanten sind angesagt. Die Prägnanz von Ecken und Kanten - fast wie ein Schattenspiel wirkend - wird kombiniert mit salopp positionierten Accessoires und Rundungen an den richtigen Stellen. Der Untertitel "Look Légère" mischt sich unter die Präzision und nimmt ein wenig von der formalen Härte vieler Möbel auf.
Kuschelfaktor
Der neue Kuschelfaktor zieht sich quer durch alle Bereiche des Einrichtens - von Bezugsstoffen, Accessoires wie Plaids, Kissen bis zu Teppichen. Das passt auch gut zu den gegenwärtigen Formen, die als Sitzmuscheln, Schalen und kleine Nester die Design-Bühne betreten. Auch die Farben für die kommende Saison folgen ganz klaren Trends: Naturtöne wie Grün, Grau und Beige werden stark bevorzugt wie zum Beispiel beim Klassiker Eames Chair von Vitra. Gleichzeitig setzten die Designer aber selbstbewusste Akzente in der Wohnung mit Lime, Gelb und Violett, das sich nun schon die dritte Sequenz in Folge durchsetzen kann und auch weiterhin hartnäckig hält.


















