Wie brandsicher sind Österreichs Wohnbauten wirklich?
Jahr für Jahr sterben in Österreich mehr als 60 Menschen an den Folgen von Bränden. Zusätzlich richten Feuer in Gebäuden jährlich Schäden von mehr als 400 Millionen Euro an. Einfache Trennmauern lösen aber zunehmend Feuermauern ab.

Foto © Jürgen Fuchs
Gerade zerstörte wieder ein Großbrand in Salzburg ein gesamtes Wohnhaus. Binnen Minuten stand der in Holzriegelbauweise errichtete Wohnbau in Flammen. 32 Mieter verloren ihr Heim. Seit Jahren kritisieren Experten Mängel in den bestehenden und in den neuen "harmonisierten" Bauordnungen. Wenn keine Maßnahmen ergriffen werden drohe ein Anstieg der sozialen, materiellen und finanziellen Schäden durch Feuer, erläuterte Bernd Wolschner, Präsident des Verbandes Österreichischer Beton- und Fertigteilwerke, und fordert eine sichere Bautechnikverordnungen für Österreich.
Umsetzung schwierig
Jahr für Jahr sterben in Österreich mehr als 60 Menschen an den Folgen von Bränden. Zusätzlich richten Feuer in Gebäuden jährlich Schäden von mehr als 400 Millionen Euro an. Die Bauordnung und damit auch der Brandschutz sind in Österreich Landessache. Im Jahr 2007 wurde vom österreichischen Institut für Bautechnik (OIB) ein Entwurf einer harmonisierten Bauordnung erstellt, die Umsetzung obliegt aber weiterhin den einzelnen Ländern. Daher unterscheiden sich die Vorschriften im Detail oft sehr stark voneinander. Neue Trends in Architektur und Wohnhochhausbau haben zudem dazu geführt, dass Gefahren entstehen, die bisher nicht voll eingeschätzt werden können.
"Österreich braucht Regelungen der Brandschutzvorschriften, die stärker auf die verwendeten Baumaterialien Rücksicht nehmen. Gebäude müssen dem Feuer so lange widerstehen, bis Maßnahmen zur Rettung von Personen, Hab und Gut und zur gezielten die Baustruktur erhaltenden Brandbekämpfung gesetzt werden", so Wolschner. Problematisch ist, dass Wohnhäuser aus brennbaren konstruktiven Baustoffen inzwischen bis zu fünf Geschossen, bei Dachbodenausbauten sogar bis zu 26 Metern Höhe gebaut werden können. Laut harmonisierter Bauordnung darf ein Brandabschnitt im Wohnbau bis zu 1200m2 haben, das entspricht etwa 10 Wohnungen mit 120m2, die sich z.B. über drei Geschosse erstrecken können. Auch die bisher vielfach - aus guten Gründen - an der Grenze zum Nachbarn vorgesehene Feuermauer, die "Wand für jedes Haus in einer Reihe von Häusern" (Reihenhäuser) wird durch eine einfache, gemeinsame Trennwand abgelöst. Dadurch sind Probleme im Brandschutz zu erwarten.
Steigerung des Brandrisikos
Unterschiedliche Bauweisen führen im Fall eines Brandes zu völlig unterschiedlichen Auswirkungen, auch wenn vom System und rein formal die gleichen Brandwiderstandsklassen erreicht werden. Untersuchungen haben ergeben, dass eine Gesamtkonstruktion vorzeitig versagen kann, weil die metallischen Verbindungen von Holzbauteilen durch Hitze ihre Festigkeit verlieren. Wolschner "Diese Gefahr droht vor allem dann, wenn die Ausführung der Bauten nicht stimmt. Mängel bei Planung und Bauausführung sind die häufigsten Fehler im Brandschutz, wenn entsprechende Fachkenntnisse fehlen. Herkömmliche, massive Bauten z.B. aus Beton sind gegen Fehler z.B. bei Installationen dagegen weitgehend unempfindlich. Sie wirken zusätzlich als Brandstopper, von denen keine weiteren Gefahren ausgehen, während andere Materialien selbst zur Brandlast und zur Brandausbreitung beitragen. "Die Brandschutzbestimmungen nehmen auf diese und andere Unterschiede keine Rücksicht, dadurch steigt mit der Zunahme bestimmter Bauweisen das Brandrisiko in Österreichs Häusern erheblich", so Wolschner.


















