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Zuletzt aktualisiert: 14.03.2010 um 05:00 UhrKommentare

Pyramidenkogel: Himmelhohe Träume um hölzernen Turm

Pyramidenkogel neu: "Größenwahnsinniges Pleite-Objekt", sagen Gegner. "Weltweit anerkanntes Zukunftsprojekt", kontern Befürworter. Ein Turm spaltet Keutschach.

Pyramidenkogel neu

Foto © Visualisierung KramerPyramidenkogel neu

Haben Sie freunderlwirtschaftliche Absprachen getroffen? Haben Sie beim Umsetzen des Projekts Vorschriften missachtet? Gehen Sie das Risiko ein, Ihre Gemeinde in den Konkurs zu treiben?

Es gibt Politiker, die eiskalt reagieren, weil sie überzeugt sind, dass man ihnen nichts nachweisen oder nachsagen kann. Keutschachs Bürgermeister Gerhard Oleschko gehört nicht zu ihnen. Begierig wartet er auf solche Fragen, um sie leidenschaftlich zu widerlegen. Um den Emotionsstau nach vielen Kränkungen durch politische Gegner abzulassen. Und um für "die größte Chance" der 2500-Seelen-Gemeinde zu kämpfen, die seiner heutigen FPK 10 von 19 Gemeinderatsstimmen beschert hat.

Keutschach hat zwei Attraktionen, das unsichtbare Pfahldorf unter (See-)Wasser und den Turm auf dem Berg. Der Betonfinger mit dem ruppigen Charme der End-1960er macht's nicht mehr lange und muss erneuert oder saniert werden. "2006 haben wir im Gemeinderat einstimmig einen Architektenwettbewerb beschlossen", erinnert sich Oleschko an harmonischere Zeiten. Bei dessen Durchführung 2007 stand der Kostenrahmen von zehn Millionen Euro im Raum. 2008 hätten noch alle Fraktionen den 3,5 Millionenzuschuss des Landes verhandelt. Vor den Landtagswahlen 2009, so Oleschko, habe er klar gemacht, "dass ich das Projekt durchziehe". Wer ihn schwächen wollte, musste das Projekt schwächen. Das geschah auch, aber die Wähler gaben ihm die absolute Mehrheit. Weil er vom Vorkaufsrecht des zentralen Grundes zwei Werktage vor Fristende im Alleingang Gebrauch machte, erhob die Staatsanwaltschaft. Alle Verfahren wurden eingestellt.

Das ist Vergangenheit.

Gegenwart und Zukunft sind nicht weniger aufregend. Wie will Oleschko 6,5 Millionen Euro Schulden stemmen, die der Turm kostet (vier Millionen Bankkredit, 2,5 Millionen von der Kärntner Tourismusholding KTH)? Oleschko: "Die Betreiber- zahlt der Errichtergesellschaft jährlich 430.000 Euro aus den Einnahmen. Diese bedient vorrangig die Bank. Der Kredit ist in 15 Jahren abbezahlt. Sollten sich die Zinsen günstig entwickeln und wir der Bank weniger zahlen müssen, erhält die KTH das Geld. Da beträgt die Laufzeit je nach Zinsen 17 bis 25 Jahre." Bei 110.000 Besuchern im Jahr geht sich das aus.

Und warum hat die Gemeinde in Errichter- und Betreibergesellschaft nur 49 Prozent, obwohl sie das Risiko trägt? Oleschko: "Das ist so konzipiert und auch von der Landesregierung so beschlossen worden, dass es für die Gemeinde am besten ist. Ohne uns kann nichts entschieden werden, weil man dafür eine Zweidrittel- oder Dreiviertel-Mehrheit braucht."

Und die Freunderlwirtschaft? Schon manch Großprojekt wurde versenkt, weil jemand privat profitiert hat. Oleschko: "Einige Firmen haben Interesse angemeldet und wollen informiert werden, wenn es so weit ist." Ansonsten werde in knapp 20 Einzelgewerken ausgeschrieben, sodass sich auch Kärntner Firmen (Holzbau, Stahlbau, Haustechnik, Lift usw.) bewerben können.

Bisher 100.000 Besucher, Turm rauf, Turm runter und wieder weg, ohne Geld auszugeben - das tut weh. Schmerzlindernde Pläne gibt es schon: Restaurant unten, Café oben, eine 66 Meter hohe Rutschbahn, eine Station auf der Treppe, wo man Pulsmesser leihen und die Fitness testen kann: So soll kontinuierlich etwas fürs "Erlebnis" getan werden. Sogar Rad- und Wanderkarte für das Gebiet um den Pyramidenkogel wurden erstellt - und die Wegnutzung gesichert -, die anzeigen, wie viele Höhenmeter man fahren oder laufen kann.

Oleschko-Konsulent Hans Steiner hat das Vorhaben in halb Europa vorgestellt: "Alle sind fasziniert, dass eine kleine Gemeinde so ein Weltprojekt realisiert."

Nur nicht alle Keutschacher . . .

JOCHEN BENDELE

Kommentar

Adolf WinklerDer Zeigefinger von Adolf Winkler

Rahmenbedingungen

Geld-Rahmen: 10 Millionen Euro: 3,5 Mio. Euro Landesförderung, 4 Mio. Euro Bankkredit, 2,5 Mio. Euro KTH-Darlehen. Die Betreibergesellschaft zahlt 430.000 Euro im Jahr. Nach 15 Jahren ist die Bank bezahlt, nach 17 bis 25 Jahren (je nach Zinsentwicklung) die KTH.

Bau-Rahmen: Der Turm wird heuer, spätestens 2011 gesprengt.

Preis-Rahmen: Bisher kostete der Eintritt für Erwachsene 6 Euro, Kinder 3 Euro. Heuer wird auf 7 Euro und 3,50 Euro erhöht. Der neue Holzturm wird mit 8 Euro und 4,50 Euro kalkuliert. Eine Familienkarte kostet weniger als zwei Erwachsene mit Kind, gilt aber für alle eigenen Kinder. Die Rutsche ist einmal gratis, dann kostenpflichtig.

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