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Zuletzt aktualisiert: 10.02.2010 um 11:41 UhrKommentare

Das Haus zum Mitnehmen

Mobil bleiben. Ein Grazer Architekt hat dieser Idee mit der multiplen Raumzelle fertig gedacht - und gebaut.

Retro-Look mit Aussicht: der Prototyp der multiplen Raumzelle in Graz

Foto © Andreas TischlerRetro-Look mit Aussicht: der Prototyp der multiplen Raumzelle in Graz

Eine flexible Gesellschaft braucht flexible Lösungen. Auch beim Wohnen. Mieten ist ein Weg. Die eigenen vier Wände, die man nach Bedarf mitnehmen kann, ein anderer. Der Architekt Ewald Viereck hat mit seiner multiplen Raumzelle genau das geschaffen. Ein Haus in Modulbauweise, gefertigt in der Fabrikshalle. Eine Wohnfläche mit fünf Modulen und 100 Quadratmetern ist in eineinhalb Tagen aufgestellt. Und ebenso schnell wieder abgebaut.

Seit November letzten Jahres steht der Prototyp in Graz, direkt an der Grabenstrasse, auf Stützen gestellt, verkleidet mit einer goldschimmernden Messingfassade. Eingezogen ist an dieser Adresse die Planungsgruppe Viereck selbst mit ihrer zweiten Niederlassung. "Der Anspruch war, Funktionalität mit Design zu verbinden", erklärt die Tochter Marleen Viereck, die das Unternehmen "Viereck Architekten" 2008 übernommen hat.

Ein Modell, mehrere Varianten

Im Unterschied zu anderen Fertigteilhäusern werden bei der multiplen Raumzelle die einzelnen Module, die je 20 Quadratmeter groß sind, mit Boden, Decke und sämtlichen Versorgungsleitungen in der Halle gefertigt und beim Aufbau mit Spannschlössern miteinander verbunden. Der Vorteil: "Wir erreichen damit am Fertigteilsektor momentan den höchsten Vorfertigungsgrad", betont die Architektin. Die Tragekonstruktion ist aus massivem Holz gefertigt, die Dämmschicht 30 Zentimeter dick. Verkleidet ist die Box mit einer Metallkonstruktion, auf der die Fassade montiert wird.

Großraum oder doch Wände? "Das bleibt dem Bauherrn überlassen, ebenso wie die Wahl des Bodens, der Wände und der Gestaltung des Grundrisses. "Die einzelnen Module lassen sich übereinander aufsetzen, gegenüberstellen und mit einer Terrasse verbinden oder an bereits bestehende Gebäude andocken." Beim eigenen Büro hat man sich für die Großraumvariante entschieden. Fünf Module, Nussparkettböden und ein textiles Gewebe als Wand sowie Decke. Küche, Lagerraum und Toilette sind in einem eigenen Versorgungsmodul untergebracht. Für Licht im Raum sorgt eine 18 Quadratmeter große Fensterscheibe am unteren Ende des Raumes.

Unabhängigkeit war auch bei der Energiefrage ein wichtiges Kriterium. "Die Anschlüsse für Photovoltaikleitungen sind vorhanden. Damit kann dieses Gebäude auch energieautark versorgt werden", erklärt das Architektenduo, das sich bei der Heizung im Büro für Erdwärme entschieden hat.

Ohne Ecken und Kanten

Schuhkartons stehen genug in der Landschaft. Mit abgerundeten Kanten will sich der Erfinder bewusst davon abgrenzen. Nicht nur außen, sondern auch bei der Inneneinrichtung. Der weiße Besprechungstisch und die Rezeption im Eingangsbereich wurden aus einem Kunststeingemisch hergestellt. "Mit diesem Material lassen sich beliebige Rundungen perfekt formen."

Stützen müssen nicht sein, dieses Haus lässt sich auch auf die Wiese stellen "In unserem Fall haben wir damit Parkplätze geschaffen, für die wir auf auf dem kleinen Grundstück sonst keinen Platz gehabt hätten", erklärt Viereck. Der Stiegenaufgang steht einige Meter vom Gebäude versetzt und ist eigentlich mit einer Zugbrücke verbunden, "die als solche momentan aber nicht im Einsatz ist."

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Die multiple Raumzelle gibt es in unterschiedlichen Größen, wobei die Raumbreite mit zehn Metern und die Raumhöhe mit 3,5 Metern begrenzt ist.

Einsatzgebiet. Wohnhaus, Wochenendhaus, Büro, Atelier, zur Erweiterung bereits bestehender Flächen.

Kosten pro Quadratmeter. ab 2200 Euro.

Niederlassungen. Viereck Architekten ZT-GmbH, Grabenstrasse 233, 8045 Graz, Tel. (0 31 6) 67 43 00-0; Grazer Straße 24, 8650 Kindberg, Tel. (0 38 65) 33 61;

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