Warum gerade jetzt Immobilien kaufen?
Gerald Gollenz, der Branchenvertreter der steirischen Makler, gab den Lesern der Kleinen Zeitung bei einer Telefonstunde Tipps zum krisensicheren Investment in Grund und Boden. Die wichtigsten Fragen und Antworten.

Foto © Stuhlhofer/WolfGerald Gollenz gab in der Telefonstunde wertvolle Tipps
Ich möchte in Westösterreich ein Haus verkaufen und in der Steiermark dafür etwas erwerben. Ist das schlecht, weil die Renditen im Westen höher sind?
Dann habe ich noch eine zweite Frage: Ich möchte mir gern in der Nähe des Grazer LKH ein Grundstück kaufen und darauf ein Zweifamilienhaus bauen, um es dann zu vermieten. Glauben Sie, dass sich so eine Immobilie als Anlageobjekt eignet und gut vermieten lässt?
Alfred G., Graz
GERALD GOLLENZ: Zu Ihrer ersten Frage: Wenn Sie mit Westösterreich Tirol oder Salzburg meinen, ist der Zeitpunkt sicher gut, um dort zu verkaufen und in Graz etwas zu erwerben. Weil sich die Krise nicht so ausgewirkt hat, dass die Preise in der Steiermark enorm gestiegen wären. Wir haben hier seit Jahren ein sehr gutes Preisniveau, das sich auch nicht sehr geändert hat.
Grundsätzlich ist jetzt sicher ein guter Zeitpunkt, wenn Sie sich anlagemäßig verändern wollen. Ich bin mir aber nicht sicher, ob Sie in der Nähe des LKH ein Grundstück für Ihre Zwecke finden werden. Generell würde ich Ihnen eher empfehlen, in der Nähe des LKH in kleinere Wohnungen zu investieren. Weil das Immobilien sind, die von den Angestellten des LKH eher gesucht werden.
Wir reden hier von Garconnieren oder Zwei-Zimmer-Wohnungen mit maximal 55 Quadratmetern Wohnfläche. Diese Wohnungen gibt es auch, und sie sind leichter zu vermieten als ein Zweifamilienhaus. Mit einer 30 bis 35 Quadratmeter großen Garconniere im Bereich LKH bzw. Ries lässt sich eine Miete von 7,5 bis 8 Euro pro Quadratmeter erzielen. Sie müssen beim Kauf einer neuen Wohnung in dieser Gegend mindestens mit 2200 bis 2300 Euro netto pro Quadratmeter rechnen.
Wird die Nachfrage nach Mieten in nächster Zeit nicht zurückgehen, wenn große Firmen wie Magna abbauen?
Thomas S., Murau
GOLLENZ: Derzeit zeichnet sich eher das Gegenteil ab: Die Nachfrage nach Mieten ist bei weitem höher als das Angebot. Das bringen schon allein die Unis und Fachhochschulen mit sich, deren Studenten ständig auf Wohnungssuche sind. Bei Firmen wie Magna sind die meisten ohnehin wohnversorgt. In Graz bringen die Universitäten dem Mietenmarkt sicher am meisten.
Warum sind Sie eigentlich so sicher, dass Immobilien eine gute Kapitalanlage sind? Können Sie mir das sagen?
Beate B., Graz
GOLLENZ: Weil Immobilien eine Werthaltigkeit haben. Wir haben jetzt ja schon oft genug gehört, das sich beim Geld in der nächsten Zeit vielleicht einiges tun könnte - sprich: Wir könnten unter Umständen eine relativ hohe Inflation haben. Im Hinblick darauf ist es für alle, die etwas Geld auf der hohen Kante haben, ein guter Zeitpunkt, eine Wohnung in ihr Anlagenportefeuille hineinzunehmen. Ich sage nicht, dass man nur in Wohnungen investieren sollte, aber in ein sinnvolles Portefeuillie gehört auf jeden Fall eine Immobilie.
Wir überlegen, für unsere Tochter eine Wohnung in Graz zu kaufen. Wir denken dabei an Geidorf, auch im Hinblick auf die gute Vermietbarkeit später. Aber die Preise sind dort sehr hoch. Steht das dafür?
Anna K., Schwanberg
GOLLENZ: Prinzipiell ist für den Wohnungskauf momentan sicher ein guter Zeitpunkt, wenn Sie damit in etwas investieren, das Sie sowieso brauchen und das dazu noch werthaltig ist. Geidorf ist natürlich teuer, lässt sich aber auch sehr gut vermieten. Daneben gibt es aber auch Lagen bei der Technischen Universität oder in Eggenberg neben der Fachhochschule, wo das Preisniveau sehr gut ist. Wenn Sie als Anleger denken, dann müssen Sie darauf achten, ob es eine Institution in der Nähe gibt, die Ihnen Leute mit Wohnungsbedarf beschert - also eine Uni, eine Fachhochschule, Krankenhaus etc. Am besten sehen Sie sich am Freitag die Angebote in der Kleinen Zeitung an - oder nutzen Internetportale wie www.willhaben.at
Ich habe einmal ein großes Haus in Graz geerbt, es verkauft und mir ein kleineres in Graz/Andritz zugelegt. Auf Anraten der Bank habe ich damals den Kauf per Kredit getätigt und das Bargeld in Aktien angelegt.
Jetzt, in der Krise, zahle ich nur noch Zinsen, die nicht gerade gering sind. Ich hätte jetzt die Möglichkeit, mein Haus zu verkaufen. Würden Sie mir dazu raten? Ich würde mir dann keine Eigentumswohnung nehmen, sondern eher mieten. Ist das eine gute Idee? Maria M., Graz
GOLLENZ: Das ist schwierig, weil ich ja Ihr Gesamtportefeuille nicht kenne. Wenn Sie sich verändern wollen, weil das Haus eine zu große Belastung für Sie geworden ist und Sie Interessenten dafür haben, glaube ich aber schon, dass es ein guter Zeitpunkt wäre, das Haus zu verkaufen. Ich würde dann in eine Eigentumswohnung investieren.
Ich möchte in Bad Aussee ein Haus verkaufen. Jetzt probiere ist es seit zehn Monaten über ein Maklerbüro, aber da tut sich nichts. Was kann ich machen? Der Vertrag läuft bis Ende Mai.
Agnes H., Bad Aussee
GOLLENZ: Grundsätzlich haben Sie das Richtige getan: Sie haben sich einen Profi gesucht. Momentan ist es halt nicht so leicht, in kleineren Gemeinden etwas zu verkaufen. Lassen Sie sich einen Nachweis geben, was der Makler gemacht hat, welche Inserate er geschaltet hat und welche Kontakte es gab. Danach entscheiden Sie, ob Sie den Vertrag verlängern oder sich einen neuen Partner suchen wollen.
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Zur Person
Gerald Gollenz ist Fachgruppen obmann der steirischen Immobilien- und Vermögenstreuhänder


















