Kroatien muss Grundstücksmarkt für Ausländer öffnen
In Kroatien konnten Ausländern bisher nur mit Tricks Grundstücke kaufen. Mit dem geplanten EU-Beitritt wird das nun anders. Makler rechnen mit einem Boom.

Foto © www.pixelio.de/barbara42Kroaten befürchten den Ausverkauf ihrer Heimat.
Jahrelang hatte sich Kroatien geweigert, aus Furcht vor dem
"Ausverkauf der Heimat" Ausländern den Erwerb von Grundstücken zu
erlauben. Jetzt ist es aufgrund der Abkommen mit Brüssel so weit.
Ausländer dürfen ab 1. Februar 2009 ungehindert Grundstücke kaufen.
Der entsprechende Beschluss des Parlaments in diesem Dezember ist
reine Formsache.
Wunschziel vieler Ausländer. Kroatien ist außer Albanien das einzige Mittelmeerland, das bisher
Ausländern den Grundstückskauf fast ganz verwehrt hatte. Und das,
obwohl der Adriastaat mit seinen Hunderten Inseln sowie einer über
1.000 Kilometer langen Küste schon lange Wunschziel vieler Ausländer
war. Bisher ging es nur mit Tricks: Über Strohmänner oder die
Gründung einer eigenen Scheinfirma.
Rechtliche Unsicherheit. Schätzungsweise rund 30.000 Käufer aus dem Ausland haben es bisher
auf diese Weise geschafft. Doch viele von ihnen beklagen sich, dass
sie ständig Drohungen und Schikanen ausgeliefert sind. Sie leben oft
in der Angst, dass die Behörden ihre einstige Kauf- und spätere
Baubewilligung mit Hinweis auf die rechtlich unsichere Lage wieder
zurückziehen.
Istrien und Dalmatien. Zwischen 1997 und 2006 haben nur 3.553 Ausländer Bewilligungen zum
Grundstückserwerb erhalten, rechnet die kroatische Wirtschaftskammer
vor. Die Deutschen stellten mit 2.102 Fällen die Mehrheit, gefolgt
von den Österreichern (731) und Ungarn (128). Damals wie heute werden
von den Ausländern die nördliche Halbinsel Istrien ("Kroatische
Toskana") und Dalmatien bevorzugt.
Boom. Die heimischen Makler rechnen mit einem Boom. Denn trotz der
internationalen Finanzkrise gibt es im Gegensatz zu den zubetonierten
Küstenstrichen anderswo in Kroatien viele fast unberührte
Landschaften. Da Steilküsten vorherrschen, konnten in der
Vergangenheit nicht die Bausünden wie in Italien, Frankreich oder
Spanien begangen werden. Die Natur ist noch weitestgehend intakt.
Ausverkauf der Heimat. Die heimische Bevölkerung muss sich erst noch an die neuen
Besitzer gewöhnen. Bisher herrscht in den Medien offen formulierte
Angst. "Die Ausländer kaufen unsere Heimat leer", heißt es vielfach.
Wegen der dickeren Brieftaschen würden Ausländer den Einheimischen
überall die "Filetstücke" wegschnappen. Schließlich drohe auch die
Gefahr, dass die typische Architektur und die Lebensweise der
örtlichen Bevölkerung zurückgedrängt und durch überall gleiche und
fade internationale Stile ersetzt werden.


















