Mammut, Mamma, Monster
So wild wie ihre Namen sind auch die Möbel, die Hartmut Bretz dem minimalistischen Mainstream entgegenklotzt.

Foto © BretzDas neue Modell "Tiziana", ab 3100 Euro.
Ihre Möbel sind so opulent, schräg oder
steil, kann man da auch ganz normal
drauf sitzen?
HARTMUT BRETZ: Ha! Aber wie! Man
kann sogar drauf schweben. Gucken
Sie mal. (Hartmut Bretz katapultiert
sich im Schneidersitz vom Sofa in die
Höhe). Ich sage Ihnen, so ein Sofa verändert
das Leben in der Familie. Interaktion
ist schließlich das Wichtigste
für die soziale Gesundheit der Familie.
Unsere Betten haben auch keine Besucherritze.
Bretz Store Wien
Kärntner Ring 19-13, Ringstraßengalerien, Wien
Ist Gaudi Programm bei Bretz? Sie
haben ja sogar ein Bett und ein Sofa aus
Ihrer Kollektion "Gaudi" getauft.
BRETZ: Ich hatte mal auf meiner Visitenkarte
stehen "Chief Destruction Officer".
Inzwischen habe ich das ersetzt
durch "Editor of Love Stories". Es
muss Spaß machen. Wir leben das Gegenrezept
zum Minimalismus, der
derzeit in der Möbelbranche angesagt
ist. Minimalism kills. Dieses Geschmacksdiktat
impliziert für mich,
keinen Spaß mehr haben zu dürfen.
Mensch sein heißt, Rundungen zu haben,
ganz individuell zu sein, sich zu
schmücken. Die Dinge um uns herum
haben doch nicht nur einen gewissen Zweck zu erfüllen. Sie müssen auch
Charme haben.
Wann haben Sie den Mainstream hinter
sich gelassen?
BRETZ: Es gab zwei große Schwellen in
unserer jüngeren Firmengeschichte.
Bis 1994/95 haben wir mittleres Normalsortiment
produziert. Ein bissl
schöner, ein bissl günstiger – ein bissl
nettere Leute. Das hat uns aber letztlich
keiner geglaubt. Und wir haben
gemerkt, auf Dauer ist das nicht unsere
Erfüllung. Der Frust saß tief. Wir hatten
im Grunde nur das, was alle hatten.
Eine echte Krise. Auch finanziell.
Mein Bruder und ich, wir sind beide
Betriebswirte. Über die Frage, was wir
denn selbst wirklich gerne von einem
Sofa hätten, haben wir dann Dinge kreiert, die uns und andere Menschen
zumLächeln und Staunen bringen. Mit
unserem runden, blauen "Pool" haben
wir als erste das übertiefe Sofa in den
Markt eingeführt.
Wem von Ihnen fallen
die Modelle mit
so witzigen Namen wie Mammut,
Mamma, Monster, Marilyn oder Pompadour
ein?
BRETZ: Norbert und ich kümmern uns
beide um die Produktentwicklung. Jeder
von uns hat sein eigenes Projekt.
Funktioniert das?
BRETZ: Das Harmoniethema leben wir
bewusst nicht. Das ist auch ein Erfolgsrezept,
weil unsere Leute nicht "gestreamlined",
zu sehr in eine Richtung
gepolt werden. Bei uns gibt es nicht
nur Offenheit für Gegensätze, wir zelebrieren die sogar. Erfolg ist ja eine gefährliche
Sache. Nach unserem Starterfolg
sind wir in vielen Möbelhäusern
in den Abteilungen junges Wohnen geführt
worden. Man hat uns nicht ernst
genommen. Unsere Sofas waren aber
viermal so teuer wie die Durchschnitts-
Couchen. Ein echtes Problem.
Die Lösung dafür war die Gründung
von Flagship-Stores. Davon haben
wir jetzt 20 weltweit, die zweite
Schwelle, die wir überschritten haben.
Und inzwischen lernen uns auch die
High-End-Häuser zu lieben.
Der nächste Höhepunkt?
BRETZ: Das nächste Bretz ist natürlich
das Beste. So war es ja schon immer.
Der Rest ist ein Geheimnis.
Features
Zur Person
Hartmut Bretz 47, stellte den über 100 Jahre alten Familienbetrieb in Gensingen bei Mainz gemeinsam mit Bruder Norbert, 43, völlig neu auf: Seit kurzem gibt es in Wien den ersten österreichischen Store.






















