Coop Himmelb(l)au-Neubau für EZB auf Eis
Europäische Zentralbank in Frankfurt: Kein Generalunternehmer will zum anvisierten Preis von 500 Millionen Euro bauen. Die Vorarbeiten gehen weiter.

Foto © APA/Markus PillhoferModell des Entwurfs
Am Fundament für die beiden spektakulären
Doppeltürme wird bereits gearbeitet, doch jetzt könnte sich der bis
2011 geplante Neubau der Europäischen Zentralbank in Frankfurt
beträchtlich verzögern. Die im August vergangenen Jahres begonnene
Suche nach einem Generalunternehmer für das Projekt wurde
abgebrochen, wie die EZB am Mittwoch überraschend mitteilte. Das
internationale Ausschreibungsverfahren habe zu keinem
"zufriedenstellenden wirtschaftlichen Ergebnis" geführt, da das von
der EZB vorgegebene Budget von 500 Millionen Euro für den Neubau
"deutlich" überschritten worden sei.
Genehmigung erhalten.
Die EZB hatte für den Neubau im Frankfurter Osten, der die
denkmalgeschützte frühere Großmarkthalle einbindet, vor sechs Wochen
die Genehmigung der Stadt erhalten. Der Generalunternehmer sollte mit
dem Bau im Oktober beginnen. Erste Pfähle für das Fundament sind
bereits in die Baugrube gerammt. Und an der Großmarkthalle wurde mit
dem Abriss der Klinker-Anbauten ebenfalls schon begonnen.
Ausschreibung beendet.
Die Euro-Banker stecken jetzt in der Klemme: Sie haben immer
wieder betont, dass die von dem Wiener Architektenbüro Coop
Himmelb(l)au entworfenen Türme mit dem Umbau der Großmarkthalle nicht
mehr als eine halbe Milliarde Euro (zu Preisen von 2005) verschlingen
dürfen. Diese Summe hatten neben dem Architektenbüro auch externe
Gutachter ermittelt. Wegen der "entschiedenen Verpflichtung", die
Finanzmittel der EZB verantwortlich zu nutzen, sei die Ausschreibung
nach dem Generalunternehmer beendet worden, hieß es jetzt.
Vorarbeiten gehen weiter. Die EZB will in den kommenden Wochen über ihr weiteres Vorgehen
entscheiden. Die Vorarbeiten sollen jedoch wie geplant weitergehen.
Noch Anfang Mai war die EZB von einer Bauzeit von rund drei Jahren
ausgegangen. Insgesamt wurde für das gesamte Projekt mit
Grundstücksankauf und Erschließung des am Main gelegenen Geländes,
für das besondere Sicherheitsvorkehrungen gelten, rund 850 Millionen
Euro veranschlagt. Im Jahr 2011 sollte der für über 2.000 Mitarbeiter
geplante Neubau bezugsfertig sein. Derzeit hat die EZB rund 1.350
Mitarbeiter, die auf mehrere Gebäude im Frankfurter Bankenviertel
verteilt sind.
Spannbeton-Halle. Die vergebliche Suche nach einem Generalunternehmer ist nicht das
erste Problem, mit dem das Neubauprojekt konfrontiert ist. Auch der
von der EZB geplante Umbau der Großmarkthalle hat in Frankfurt in den
vergangenen Jahren für Aufregung gesorgt. Die Spannbeton-Halle des
Architekten Martin Elsaesser aus dem Jahr 1928 soll einen stählernen
Querriegel erhalten, der der EZB künftig als Eingangscenter und als
Pressezentrum dient. Diese bauliche Veränderung hatten unter anderem
die Nachfahren des Architekten kritisiert. Doch mit den Elsaesser-
Erben wurde inzwischen eine Lösung gefunden. Sie sollen eine
Abfindung von rund 200.000 Euro erhalten, die einer Stiftung zur
Pflege des Werkes des Architekten zur Verfügung gestellt wird.


















