Wohnen am Existenzminimum
Mit dem ersten Preis des Internationalen Bauhaus Awards zu Lösungen von Wohnungsnot ist kürzlich ein Projekt mit wachsenden Häusern in Chile ausgezeichnet worden.
Unter dem Titel
"Steps n' Slabs" entwickelten die Architekten Ralf Pasel und Frederik
Künzel aus Rotterdam ein Haus, dessen erste 30 Quadratmeter samt
Infrastruktur für 7.500 US-Dollar (4.805 Euro) professionell erstellt
werden und das von den Bewohnern dann erweitert werden kann. Das
Modell sei zeitlich wie räumlich flexibel.
100 Projekte eingereicht. Für den 5. Bauhaus Award, bei dem nach der "Wohnung für das
Existenzminimum von heute" gefragt worden war, waren mehr als 100
Arbeiten aus 25 Ländern eingereicht worden. Die meisten Entwürfe
stammen von Architekten und Designern. Aber auch Künstler,
Stadtplaner, Fotografen, Filmemacher sowie Kultur- und
Sozialwissenschaftler beteiligten sich an dem Wettbewerb. Die
Stiftung vergibt den Preis alle zwei Jahre.
Bezahlbarer Wohnraum. Mit dem zweiten, mit 4.000 Euro dotierten Preis wurde ein
japanisches Projekt ausgezeichnet, bei dem am Stadtrand Tokios ein
Wohnhaus aus den 70er Jahren zurückgebaut wird. Dabei wird auf alles
Überflüssige verzichtet: Beläge an Fußböden, Wänden und Decken,
Verkleidungen an Installationen, Fenstern und Türen. Die Räume können
später selbst ausgebaut werden. Das Projekt "Sayama Flat" des
Architekten Jo Nagasaka reagiert nach Ansicht der Jury auf eine neue
Wohnungsnot in den Metropolen und schafft bezahlbaren Wohnraum.
Illegales Siedeln. Das Projekt "Portraits from above" der Kanadierin Rufina Wu und
des Deutschen Stefan Canham erhielt den dritten, mit 2.000 Euro
dotierten Preis und dokumentiert das illegale Siedeln auf den Dächern
älterer Mehrfamilienhäuser in Hongkong. Selbst gebaute
Minimalwohnungen und Häuser erlauben den ärmeren Menschen, auf den
Flachdächern der Innenstadt zu leben. Fotos, Grundrisse und
Zeichnungen zeigen aus Sicht der Jury präzise die Selbsthilfe und
Organisation von Existenznöten.
Handbuch für Obdachlose. Eine Anerkennung der Jury erhielt das Projekt der Norweger Wigdis
Haugtroe und Johannes Franciscus de Gier mit einem aus Holzpaletten
gebauten Haus sowie das Berliner Handbuch für Obdachlose "Nomaden der
Stadt" von Katja und Steffi Hoffmann, das Wohnungslosen Informationen
zur Bewältigung des großstädtischen Alltags gibt.


















