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Zuletzt aktualisiert: 21.07.2010 um 10:53 UhrKommentare

Per Freibrief in das Verderben?

Ein Zehnjahres-Vergleich zeigt es nur zu deutlich: Waren es 1997 noch 32 junge Moped-Lenker, die verunglückten, gab es 2006 bereits 1.701 Unfallopfer. Erst seit heuer gibt es schwaches Licht am Ende des Tunnels. Schützt das Gesetz Junge genug vor sich selbst?

Foto © Philippe Geenen - Fotolia.com

Eine 15-jährige Steirerin, die bei einem Moped-Unfall lebensgefährlich verletzt wurde, ein 17-jähriger Kärntner, der einen Moped-Unfall beinahe mit dem Leben bezahlt hat: Kaum ein Tag, an dem es nicht Horrormeldungen wie diese aktuellen Fälle gibt. Wenn Jugendliche aufs Moped steigen, scheinen Unfallgefahr und Tod am Sozius Platz zu nehmen. Spielte hier die Politik dem Übermut ungewollt in die Hand? Nicht wegzuwischen sind die Zahlen: 1997 waren es noch 32 Verunglückte (und damit 32 zu viel). Nach der umstrittenen Herabsetzung des Mindestalters für einen Moped-Führerschein von 16 auf 15 Jahre stieg die Zahl bis 2006 auf schockierende 1.701.

Jeder Fünfte baut Unfall

45 Prozent der 15- bis 19-jährigen Unfallopfer verunglücken mit dem Moped, 56 Prozent der verunglückten Mopedlenker sind 15 und 16 Jahre jung, jeder fünfte 15-Jährige baut einen Unfall. Ein Alter, in dem man üblicherweise beste körperliche Voraussetzungen hat, um im Straßenverkehr gut unterwegs zu sein: Mit Reaktionsschnelligkeit und Sehkraft. Leider aber auch die besten Voraussetzungen, um im Krankenhaus zu landen: Mangelnde Reife, Imponiergehabe, überzogene Risikobereitschaft - junge Kraftfahrer, junge Wilde? Dass die Senkung des Mindestalters von 16 auf 15 Jahre ganz offenbar nicht die allerbeste Idee des Gesetzgebers war, zeigt eine Zahl: Im Vergleich zu einem 16-Jährigen ist die Gefahr, als 15-Jähriger zu verunglücken zweieinhalb mal so hoch.

Früher mussten Lehrer oder Lehrherr bestätigen, dass der Jugendliche ohne Moped nicht in die Schule oder an den Arbeitsplatz gelangen konnte: Diese Schranke fiel ebenso wie ein Pflichttermin beim Verkehrspsychologen. Man gab politischem Druck nach, nicht zuletzt jenem der Jugendorganisationen der Parteien. Armin Kaltenegger vom Kuratorium für Verkehrssicherheit sieht aber nun immerhin Licht am Ende des Tunnels und führt dafür vor allem die 2009 novellierte Ausbildung als Grund an: "Die Reform des Mopedscheins mit verpflichtender Fahrpraxis sieht mehr praktische Ausbildungseinheiten im 'echten' Straßenverkehr vor". Diese Maßnahme greift offenbar langsam, 2010 gibt es eine leicht positive Entwicklung, was Unfälle, Verletzte und Getötete anbelangt. Man hofft zudem auf "eine neue EU-Führerscheinrichtlinie, die 2013 in Kraft treten soll".

Das Risiko blieb aber: Selbstüberschätzung, Alkohol und (auf weit mehr als 40 km/h) "frisierte" Mopeds als unglückseliges Triumvirat, das vor allem Burschen gefährlich wird. Einer, der es wissen muss und trotzdem vorsichtig optimistisch ist, ist Gerhard Blümel, Leiter des ÖAMTC-Fahrsicherheitszentrums Teesdorf: "100 Stunden Praxis wären optimal", doch auch die paar (für Jugendliche leistbaren) Stunden Praxis, die seit 2009 vorgeschrieben sind, seien "hilfreich". Ähnlich sieht es Kollege Hans Danzinger, technischer Leiter des ÖAMTC-Fahrsicherheitszentrums Melk und als sechsfacher Enduro-Staatsmeister auch ausgewiesener Experte für Zweiradtraining: "Praxis ist alles" - aufzusitzen, Gas zu geben und zu glauben, man beherrsche ein Moped, sei "zu wenig, wenn Fahrpraxis und Feingefühl fehlen". Danzinger weiter: "Wer sich selbst überschätzt, verschwendet keinen Gedanken an Dinge wie Gleichgewicht". Auffällig: In seinen Kursen gehen es Mädchen prinzipiell vorsichtiger an als Burschen.

Greift veränderte Ausbildung?

Beim Verkehrsclub Österreich ist man sich der Problematik durchaus bewusst, verweist aber auch auf die veränderten Ausbildungsrichtlinien, die seit 1. September 2009 gelten: Ob der praktische "Elchtest" mit Fahrlehrer tatsächlich genügt, um den Blutzoll spürbar zu senken, bleibt allerdings noch abzuwarten, heißt es. Es wird vorgeschlagen, dass in die Fahrausbildung flankierend auch Gespräche mit Unfallopfern und Unfalllenkern integriert werden: "Modellversuche in der Steiermark brachten positive Ergebnisse", so VCÖ-Experte Martin Blum. Auch mehr "Disco-Busse" und Anruf-Sammeltaxis können dann helfen, wenn Alkohol im Blut bzw. Spiel ist, gibt man sich überzeugt.

In einem Punkt sind sich freilich alle einig: Ohne richtige Erziehung und Vorbilder im Elternhaus bzw. nötige Bewusstseinsbildung wird es jedenfalls nicht gehen.

THOMAS GOLSER

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Mit Jahresbeginn 1997 wurde das frühestmögliche Moped-Einstiegs-alter auf 15 Jahre gesenkt, zudem fiel die verpflichtende verkehrs-psychologische Untersuchung für 15-Jährige vor dem Erhalt des "Scheins". Es gibt Theorie- (sechs Einheiten) und Praxiausbildung (acht Einheiten) bei einem Fahrlehrer, einzige zusätzliche Voraussetzung für 15-jährige Mopedlenker ist die Einwilligung eines Erziehungsberechtigten.

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