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Zuletzt aktualisiert: 29.06.2010 um 05:00 UhrKommentare

Motorrad-Fahrtraining gegen Selbstüberschätzung

Am Wochenende gab es über ein Dutzend Motorradunfälle mit mindestens 17 Verletzten. Fahrsicherheitstechniker rät dringend zur Weiterbildung.

Viele Motorradlenker überschätzen sich selbst und ihre Maschinen

Foto © APAViele Motorradlenker überschätzen sich selbst und ihre Maschinen

Robert Pichler kann's nicht mehr mit ansehen! "Immer, wenn ich wieder von einem Motorradunfall lese, geht es mir schlecht", erklärt der Verkehrssicherheitstechniker. "Einerseits fühlt und leidet man mit jedem Schicksal. Andererseits erkennen wir tagtäglich, wie viele Unfälle verhindert werden könnten, wenn die Motorradfahrer sich besser vorbereiten würden."

Das vergangene Wochenende bestätigt Pichler auf traurige Weise: Bei mehr als einem Dutzend Unfällen wurden mindestens 17 Personen - darunter einige lebensgefährlich - verletzt. Gewiss: Dagegen, von einem rollenden 500-Kilo-Ballen Viehfutter "abgeschossen" zu werden und ähnliche Unglücksfälle, kann man nicht antrainieren. Verunglückte Vollbremsungen, Ausritte über den Straßenrand oder die meisten Kollisionen in Kurven ließen sich aber sehr wohl verhindern.

Der Leiter des ÖAMTC-Übungszentrums Mölbling-Mail spart nicht mit Kritik an den Bikern: "Mangelnde Erfahrung, totale Fehleinschätzung des eigenen Könnens, falsche oder zu wenig Ausrüstung und nicht selten ein übermotorisiertes Motorrad, das nicht zum Fahrer passt - all das sind Faktoren, die darüber entscheiden können, ob es zu einem Unfall kommt und wie schwer die Folgen sind."

Manche Fahrer sind schon zehn Mal in das ÖAMTC-Zentrum gekommen, um ihre Kenntnisse aufzufrischen und lernen jedes Mal etwas Wichtiges dazu.

Kein Wunder! Denn wer hat schon wirklich eine kontrollierte Notbremsung trainiert? Oder beherrscht den Bremshaken, mit dem man überraschenden Hindernissen ausweicht? "Es kann einem doch nichts Besseres passieren, als von einem Profi gezeigt zu bekommen, wie man am besten fährt", sagt Pichler. Nicht wenige Trainer kommen aus dem Motorsport und wissen, was in den Köpfen junger Männer vor sich geht. Sie wissen aber auch, dass man Sport und Verkehr auseinanderhalten muss.

Wichtig ist auch das gegenseitige Verständnis von Auto- und Motorradlenkern. Pkw-Fahrer verreißen, weil ein Bike aus dem toten Winkel auftaucht wie aus dem Nichts. Bike-Beschleunigung ist für Alltags-Pkw undenkbar. Umgekehrt glauben viele, Bike-Bremswege seien kürzer als die von Pkw. Das ist meistens falsch - und schon ist ein weiterer (Auffahr-)Unfallgrund in Sicht. Pichlers Bitte: "Seht ein, dass Ihr nicht als Dr. Rossi auf die Welt gekommen seid. Und selbst der ist vor Kurzem verunglückt."

JOCHEN BENDELE

Üben, üben, üben

Training. Beim ÖAMTC kann man Fahrtrainingskurse für Anfänger und Fortgeschrittene absolvieren und etwa mit einem normalen Training beginnen, gefolgt von einem Aufbaukurs und einem High-Speed-Training. Das allerdings wird im Fahrsicherheitszentrum Melk angeboten, dem die Rennstrecke Wachau-Ring angeschlossen ist. Die normalen Kurse, die einen halben oder ganzen Tag dauern können, kosten je nach Angebot zwischen 70 und 200 Euro.

Teilnehmer. Rund 1000 Motorradfahrer nehmen in jedem Jahr an entsprechenden Kursen teil, die meisten im Frühjahr als Saisonauftakt und Praxisauffrischung.

Inhalt. Unter anderem kontrollierte Notsituationen durchspielen, Handling üben; Trial-Elemente vermitteln die richtige Blicktechnik und ein Gefühl für Balance.

Erzberg-Rodeo 2009

 

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