Suzukis Aufruf zur Monarchie
Das mächtige Nakedbike B-King und einer der Untertanen (GSX 650 F) im Test.

Foto © Andreas JanzekSuzukis B-King schießt aus mächtigen Rohren
Suzukis haben eine Eigenart – sie starten nicht; der Seitenständer ist oben, die Kupplung mit zwei Fingern gezogen, der Leergang eingelegt. Nichts. Also wieder absteigen, noch mal den freundliche Herrn von der Zwei-Radbörse holen und motzen. Der fragt, ob die Kupplung gezogen wurde. Ja wurde, aber offensichtlich nicht ganz. Weil dann startet die Suzuki ganz einwandfrei. Damit haben wir uns bei Suzuki auch schon vor dem Start blamiert, ähnlich wie bei Honda.
Karikatur oder König?.
Was ist Suzukis B-King? Eine Karikatur entsteht, wenn alle charakteristischen Merkmale übertrieben werden; die Kunststoffteile am Tank wirken wie die überbreiten Schultern eines Comichelden, der Motor ist um eine ganze Kavallerie stärker als sinnvoll (184 PS) und der Auspuff – die B-King von hinten ist schon beinahe zum Lachen. Also Karikatur?
Normalerweise wird das Wort "Bodenhaftung" nur mit Emotion versehen, wenn die Bodenhaftung verloren geht. Bei der B-King ist das anders: Von der ersten Fahrsekunde an definiert dieses Motorrad Bodenhaftung neu. Obwohl sie unglaublich beschleunigt, wirkt es, als ob die B-King auf den Boden geschraubt wurde. Das hohe Gewicht mag dazu beitragen, aber zu den Fahreigenschaften muss Suzuki gratuliert werden. Die Sitzbank hat ein kleines Rückenpolster. Aus gutem Grund, denn ansonsten würde die Beschleunigung den Fahrer ein paar Meter hinter das Motorrad versetzen. Und dann hätte er keine Gelegenheit mehr zu genießen, wie genial die B-King um die Kurve geht. Eine leichte Gewichtsverlagerung reicht aus und das Fahrer-Karikatur-König-Mischwesen schießt im gewünschten Radius über die Fahrbahn. Eindeutig König!
Sinnfragen.
Bei Königen stellt sich in modernen Zeiten aber immer die Frage: "Wozu braucht man sie?" Sich im Stadtverkehr unter den Pöbel mischen oder am Ring mit den gedopten Sportlern mitrasen? Am Land hat der Monarch noch am ehesten eine Existenzberechtigung, und überhaupt: zwei Mal Gas geben und die Sinnfrage wird im Rückspiegel immer kleiner. Die B-King hat einen zweiten Modus, in dem ihr gerade einmal rund 100 PS zur Verfügung stehen. Auch hier konnten wir die Sinnfrage nicht beantworten: Der Verbrauch ist bei so einem Bike kein Thema, denn sonst müsste man es sofort verbieten, und erstaunlicherweise ist die B-King auch mit voller Kraft gut zu beherrschen. Und hat sich der Fahrer daran einmal gewöhnt, gibt er freiwillig kein PS mehr her.
Zweirad-Kapitalismus. Beim getesteten Untertan ist die Sinnfrage einfacher: Die GSX 650 F ist eine durch und durch kapitalistische Maschine. Obwohl der Fahrer damit eigentlich alles hat was er braucht, will er genau deswegen mehr. Sehr geschickt von Suzuki, schließlich haben sie ja noch eine GSX 650 R im Angebot, die sich dann natürlich aufdrängt. Die GSX 650 F ist ein friedlicher Einstieg, der an die Sportkategorie heranführen soll. Sie dreht weit hoch, ohne besondere Leistungsspitzen- oder tiefen. Sie weckt eher die Gier auf ein aggressiveres Bike als Emotionen. Sie ist wahrscheinlich nur für wenige Biker das Motorrad ihrer Träume, sondern ein strebsamer Untertan, der den Fahrer in die Gesellschaft der Biker einführt – damit er es eines Tages bis zum König bringt. Denn das sagt uns ja Suzuki: B-King – Sei König!
Features
Fotoserie
Suzuki B-King
1340 Kubikzentimeter Vierzylinder-Reihenmotor,
Leistung: 184 PS (135kW)/9.500 Umin, 146 Nm/7200 Umin, 6-Gang Getriebe, Kette,
Trockengewicht: 235 Kilogramm,
Ausstattung: Lenkungsdämpfer, ABS, 2-fach verstellbares Mapping
Minus
- Ein völlig irres Konzept in seltsamen Gewand...
Plus
+ ...das allerdings durchaus aufgeht.
Suzuki GSX 650 F:
656 Kubikzentimeter Vierzylinder-Reihenmotor,
Leistung: 85 PS (62,5kW)/10.500 Umin, 61,5 Nm/8900 Umin, 6-Gang Getriebe, Kette,
Trockengewicht: 216 Kilogramm, Vollverkleidung
MInus
- Wenig Emotion, nicht nur im Vergleich zur B-King
Plus
+ Fehlerfreier Einstieg ins Motorradfahren










