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    GTI-Gäste "zahm" wie noch nie Das "echte" Treffen ist schon vorbei Voriger Artikel Aktuelle Artikel: GTI Nächster Artikel GTI-Gäste "zahm" wie noch nie Das "echte" Treffen ist schon vorbei
    Zuletzt aktualisiert: 01.06.2011 um 18:05 UhrKommentare

    Wenn der Verstand tiefer gelegt wird

    35 Jahre Golf GTI, 30 Jahre GTI-Treffen am Wörthersee: Was bei der ersten Auflage gezählte 85 Besucher anlockte, brachte es auf 120.000 im Vorjahr - 2011 sollen es 200.000 sein. Freud schrieb seinerzeit vom "Lustprinzip" und kannte dabei doch den Golf GTI und seine Fahrer noch nicht. Von Thomas Golser.

    Volle Dröhnung bringt volle Kassen...

    Foto © APAVolle Dröhnung bringt volle Kassen...

    Das GTI-Treffen in Reifnitz (oder "Auto News Wörthersee", wie die sonderbare Veranstaltung seit einigen Jahren heißt) ist und bleibt eine echte Verhaltensauffälligkeit, eine wummernde Partyzone Gleichgetakteter: Besonders blöd sagen die einen, besonders brillant sagen die anderen. Für 2011 wird rund um den Wörthersee ein Ansturm von sagenhaften 200.000 Besuchern und Teilnehmern erwartet. Zweihunderttausend! Reifnitz selbst hat um die 600 Einwohner - können da 200.000 überhaupt irren?

    GTI = Selbstwert?

    Wenn Psychologen den Teilnehmern Triebabfuhr über das Auto, kompensiertes Minderwertigkeitsgefühl, Gruppenzwang, Drang, an die gleichen Orte zurückkehren und ähnliches attestieren, mag das verallgemeinernd und bösartig sein, ganz von der Hand zu weisen sind diese Vorwürfe freilich auch nicht. Oft ist hier erst der, dessen Auto auch hier ist bzw. fotografiert wird. So hoch die Ansprüche der Veranstalter, so asphalttief gelegt das Niveau vor Ort, ätzen die Kritiker nun bereits seit 30 Jahren - PS statt Potenz?

    Es ist müßig, darüber zu diskutieren, denn im Grunde geht es hier um Geschäft - und Umsatz rechtfertigt in unserer Zeit bekanntlich fast alles: Dass das Wörtherseetreffen für die Tourismuswirtschaft vor Ort in der umsatzschwachen Vorsaison ein Vitamintonikum ist, ist ein offenes Geheimnis. Abgesehen von Anrainern, die für einige Tage Augen, Nase und Ohren zuhalten müssen, verdient eigentlich jeder prächtig daran - nicht zuletzt die Exekutive. Wenn (zumindest vor dem Gesetz) mündige Männer ihre blanke Freude daran haben, ganze Reifensätze beim "Burnout-Spaß auf dem beliebten Gummiplatz" zu verheizen und dabei Blicke aufsetzen wie Kleinkinder, die eben am Topf oder in der Sandkiste Spaß hatten, dann ist eben wieder GTI-Zeit: Lust am Auto macht hier Lust auf Party - das eine kann man vom anderen schon längst nicht mehr trennen.

    Freilich sollte man auch nicht alle Teilnehmer des Spektakels in die gleiche Ölwanne werfen: Es gibt in Reifnitz traditionell die "Hardware-Freaks", die sich auf den mittlerweile sieben Messeplätzen des Treffens anschauen, was als Nächstes verschraubt werden könnte. Wer in dieser Zielgruppe noch eine Feinabstimmung vornehmen will, kann unterscheiden zwischen Technikfreunden, die ihr Auto tatsächlich sinnvoll und mit Maß und Ziel aufrüsten wollen, und Tuning-Fanatikern, die an Spoilern jenseits aller Geschmacksgrenzen oder an Auto-Lautsprechern für Stadienbeschallung interessiert sind. Eine recht sinnfrei und viele Monatsgehälter verschlingende Angelegenheit, deren Zweck für Außenstehende nicht immer begreifbar ist. Der Punkt ist: Er muss es auch nicht!

    Es gibt freilich auch jene Chaoten, die am Treffen nicht genau wissen, wohin es sie zieht, die sich aber jedenfalls möglichst schnell in den angepeilten Besinnungszustand versetzen wollen. Häufig anzutreffen ist zudem der Herdentyp, der niemals alleine und niemals ohne Getränke-Vorräte anreist. Jener Typ, der zu Hause seine Heckscheibe schon Monate vorher mit Sprüchen wie "Alle Kinder gehen über die Straße, nur nicht Rolf, der klebt am Golf" verziert, der sich dann vor Ort das gleiche T-Shirt mit den gleichen Aufschriften wie seine Kumpanen überzieht (z.B. "Frauenärzte im Einsatz" oder ähnlich Luzides) und sich so am wertigsten fühlt: Das kommt einem - in Verbindung mit dem gleichen, eher "direkt angelegten" Interesse an Frauen - aus Gossen-TV-Sendungen wie "Saturday Night Fever" bekannt vor. Nur, dass dort auch ohne Autos tiefer gelegt wird.

    Die Veranstaltung wurde 1982 von Nikolaus Lanner, dem damaligen Bürgermeister von Maria Wörth, ins Leben gerufen. Ganze 85 Teilnehmer kamen damals, so die Chroniken. Die bewegte Geschichte des Treffens in den Jahrzehnten danach hat wohl seine kühnsten Erwartungen/Befürchtungen übertroffen. Wer nachliest, wird sehen, dass Bürgermeister und Bezirkshauptmannschaft nach Anrainer-Beschwerden und roten Karten der Exekutive 1992 das Treffen sogar kurzfristig verboten hatten, in den Jahren darauf fand es wieder statt - quasi "halb-offiziell". Zahlen lügen nicht: "Rund 50.000 Betten werden bei der Veranstaltung in der Region um den Wörthersee belegt sein, jeder Gast wird um die 1.000 Euro ausgeben", rechnet Bürgermeister Adolf Stark stolz vor. Volle Kassen statt leerer Betten, volle Dröhnung statt Vollpension. Laut Exekutive war das Treffen in den letzen Jahren immerhin "ruhiger" als davor - massive Kontrollen trugen ihren Teil dazu bei. Sogar die Worte "vernünftig" und "gesittet" nahmen die Uniformierten in den Mund.

    Volkswagen zieht Trümpfe

    Und sonst? Richtig! Da war doch noch der Hersteller selbst - selbstverständlich hat auch Volkswagen das Treffen mittlerweile als schrille Verkaufs- und Präsentationsplattform für sich reklamiert: Der Golf GTI Edition 35 wird heuer auf jeden Fall zum Jubiläum vorgestellt - zusätzlich scheint die Präsentation des WRC-Knallers PoloR wahrscheinlich. Dass auch die großen "Tiere" des Wolfsburger Autokonzerns anreisen, soll der naturgemäß eher konservativ angelegten Marke wohl zum nötigen Quentchen Verrücktheit verhelfen.

    Tiefer legen oder großflächig umfahren - immerhin zwei Optionen bleiben...

    THOMAS GOLSER

    Jubiläumstreffen

    Von 1. bis 4. Juni 2011 rollen wieder die GTIs um den Wörthersee. In Reifnitz treffen sich heuer zum 30. Mal die Liebhaber des Kultautos im Kärntnerland.

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