US-Autostadt Detroit kämpft wirtschaftlich ums Überleben
Bei den "Autoriesen" ist kein Ende des Arbeitsplatzabbaus in Sicht - die Entwicklung hat auch Auswirkungen auf die Auto-Messe.

Foto © APAGM, Ford und Chrysler in der Krise
Der streitbare Filmemacher Michael Moore ("Fahrenheit 9/11") zeigte 1989 in seinem Film "Roger & Me" das Schicksal der verzweifelten Einwohner seiner Heimatstadt Flint. Denn der Autoriese General Motors (GM) mit Chairman Roger Smith strich allein dort in neun Jahren 40.000 Jobs und verwandelte die Gemeinde im Großraum Detroit laut Moore in eine "Geisterstadt". Flint ist kein Einzelfall, die drei Autobauer GM, Ford und Chrysler sowie Zulieferer entließen seitdem Zehntausende weitere Mitarbeiter. Ein Ende ist angesichts der stetig sinkenden Marktanteile der US-Autobauer nicht in Sicht.
Problemfall. Aus der Boomtown Detroit, in der Henry Ford den Autobau am Fließband erfand und deren Einwohnerzahl zwischen 1900 und 1950 von 285.000 auf 1,85 Millionen stieg, wurde ein Problemfall. Seitdem sank die Einwohnerzahl der Metropole von Michigan auf rund 918.000 im Jahr 2006. Wo einst Art-deco-Wolkenkratzer, prunkvolle Kaufhäuser, Kinos und Opernhäuser glänzten, stehen heute in Downtown noch immer ganze Häuserzeilen leer. Manche Viertel sind "No-Go-Areas", hier wäre ein Bummel gefährlich.
Detroit. Der Großraum Detroit (Metro Detroit Area) zählt allerdings knapp 4,5 Millionen Menschen. Hier wohnen die meisten der Besserverdienenden, wohingegen große Teile der Innenstadt Detroits, zu der auch die Cobo Hall, Schauplatz der jährlichen Auto Show, gehört, darniederliegen. Nach Angaben des Forschungsprojekts "Shrinking Cities" (Schrumpfende Städte) der Bundesstiftung Kultur, ist dies auch ein Resultat rassistischer Ressentiments. Denn die weißen Mittelschichten zogen ab den 50er Jahren in die Vorstädte, nachdem wegen des Autobooms die Zahl der Farbigen auf ein Drittel der Einwohnerschaft gestiegen war. "Heute liegt ein Drittel der gesamten Stadtfläche brach, 4.000 Bauten stehen leer" berichten die Forscher.
Casinos blühen. Was heute in Detroit blüht, sind große Casinos wie das MGM Grand. Lebendig ist auch weiterhin die Musikszene, die jahrzehntelang das Business mitgeprägt hat: Diana Ross, Stevie Wonder, Lionel Richie, die Jackson Five, Bob Seger, Alice Cooper, die White Stripes oder Eminem kamen aus "Motown" oder wurden von dem gleichnamigen berühmten Plattenlabel produziert.
Auto Show in der Krise. Als gäbe es nicht genug schlechte Nachrichten, muss jetzt auch die Auto Show um ihr Renommee kämpfen. Zwar kommen jährlich an die 6.000 Journalisten aus aller Welt und über eine Million Besucher zum jährlichen Saisonauftakt der Autobranche in die Cobo Hall. Allerdings buhlen New York und vor allem das attraktive Los Angeles massiv mit ihren Autoshows um die Hersteller. Porsche hat als erster die Konsequenz bezogen und bleibt 2008 erstmals der Automesse in Detroit fern.
Features
Gründe
Zu große und benzin-
schluckende Autos und Rabattschlachten haben die
US-Autoindustrie nachhaltig massiv beschädigt. Da-
gegen bedienen die
asi-
atischen Autobauer die Wünsche nach sprit-
sparenden Autos, während
vor allem die Deutschen den Premiumbereich abdecken.













