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Zuletzt aktualisiert: 15.12.2012 um 05:36 UhrKommentare

Die Rettungsgasse kommt in die Gänge

Ein Jahr Rettungsgasse: Alle kennen sie, Einsatzorganisationen loben sie - doch viele Autofahrer zweifeln noch.

Foto © APA

Zumindest den Marketing-Strategen ist mit der Einführung der Rettungsgasse ein Erfolg gelungen: Die für die Kampagne zuständige Agentur heimste einen internationalen Preis ein, die "Rettungsgasse" wurde in Österreich zuletzt sogar zum Wort des Jahres gekürt.

In aller Munde zu sein heißt für das Wort aber nicht, dass es auch positiv besetzt ist. Seit 1. Jänner gilt die Rettungsgasse - und während sich Asfinag und Blaulichtorganisationen über ihre Entwicklung zufrieden zeigen, haben Vielfahrer eher den Eindruck: "Da funktioniert gar nichts." Vor allem, wenn man selbst brav in der Fahrbahnmitte Platz lässt und dann andere durch die frei gewordene Lücke brausen sieht. "Das erzeugt Rivalität und Unmut", sagt ÖAMTC-Verkehrspsychologin Marion Seidenberger. Und weil sich Menschen in ihrem Auto anonym fühlen, reagieren sie oft heftiger als im "normalen" Leben.

Pro und Contra

Eine Frage der Disziplin
Warum stößt gerade die Rettungsgasse auf so erbitterten Widerstand? Kaum etwas wird im ohnehin emotional aufgeladenen Autoverkehr so vehement abgelehnt und so rücksichtslos ignoriert. Und was soll früher besser gewesen sein, als bei einem Stau auf der Autobahn der Pannenstreifen frei zu bleiben hatte und alle Obergescheiten trotzdem rechts am wartenden Verkehr vorbeigerauscht sind - bis endgültig nichts mehr ging?

Eine Zufahrt für Einsatzfahrzeuge muss so oder so frei bleiben, oder müsste. Egal, ob in der Mitte oder am rechten Rand, könnte man meinen.

Der Grund, warum die Rettungsgasse trotzdem "nicht funktioniert", sagt viel über uns aus: Es staut sich. Die Rettungsgasse wird gebildet. Die ersten beginnen, die Einladung zur freien Fahrt anzunehmen und spielen Einsatzfahrzeug. Und . . . Ja und dann? Bleiben Sie in der Kolonne, oder fahren Sie auch? Halten Sie sich ans Gesetz, oder brechen Sie es, weil es "alle" tun?

Die Rettungsgasse funktioniert, sie ist der ultimative Charaktertest.

Einsam in der Rettungsgasse
Pyhrnautobahn vor dem Gleinalmtunnel Richtung Graz. Es ist kurz vor Mittag, der Tunnel gesperrt, der Stau wächst. Ungern lobe ich mich selber, aber ich bilde vorbildlich die Rettungsgasse, platziere meinen Wagen ganz links. Das Blöde: Ein einziges Auto steht vor mir. Uns zwei Rettungsgassler flankieren ein paar Versprengte, die rechts auf dem Pannenstreifen parken.

Der große Rest steht in der Kolonne, schön verteilt auf alle Fahrstreifen. Was für ein Glück: Der Tunnel ist nur gesperrt, weil ein Schwertransport durchmuss. Doch wer weiß das hier in der Kolonne? Es könnte genauso gut ein Unfall sein. Gnade Gott, müsste da die Rettung durch.

Ah ja: Das Szenario spielte sich nicht etwa bei der Einführung der Rettungsgasse ab, sondern vor zwei Wochen - und es wiederholt sich täglich auf Österreichs Autobahnen.

Vorschlag an zuständige Politiker: Schiebt zurück aus der Sackgasse namens Rettungsgasse. Die Polit-Panne lässt sich beheben mit der Wiederbelebung des Pannenstreifens. Den hat jeder kapiert.

ALFRED LOBNIK, JOSEF FRÖHLICH

Immerhin 82 Prozent der Autofahrer befürworten laut einer aktuellen Umfrage des Kuratoriums für Verkehrssicherheit die Rettungsgasse. Demnach kennen sie 98 Prozent der Befragten und 90 Prozent wissen auch, wie sie zu bilden ist. "Unsicherheiten entstehen vor allem bei dreispurigen Abschnitten, aber davon haben wir in der Steiermark wenige", erklärt Wolfgang Staudacher, Leiter der Landesverkehrsabteilung. Viel hänge auch davon ab, wie homogen das Verkehrsaufkommen sei. Heißt: Sind mehr ausländische Autofahrer unterwegs, wird auch das Bilden der Rettungsgasse komplizierter. Zahlen über Anzeigen hat Staudacher keine, bei der Autobahnpolizei Graz weiß man zumindest von "einigen Amtshandlungen". Rotkreuz-Landesrettungskommandant Peter Hansak lobt die Rettungsgasse sogar überschwänglich. "Es stimmt, die Rettung kommt dadurch schneller an." Er ist davon überzeugt, dass sie bei uns in wenigen Jahren selbstverständlich ist - "so wie in anderen Ländern auch".

WILFRIED ROMBOLD

Fakten

98 Prozent der befragten Autofahrer wissen, was die Rettungsgasse ist.

82 Prozent gaben in einer aktuellen Umfrage an, dass sie die Rettungsgasse sehr gut bzw. gut finden.

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