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    Zuletzt aktualisiert: 06.11.2012 um 22:09 UhrKommentare

    Der Ansturm auf den Führerschein nimmt kein Ende

    Motorradfahren mit 16, befristete Scheine: Die Führerscheinnovelle ab 2013 verunsichert die Autofahrer. Steirer stürmen Ämter, um vorher noch "alten" Schein zu ergattern - meist unnötigerweise.

    Wer 15 Jahre und sechs Monate alt ist, darf sich künftig hinters Steuer setzen – im Falle einer L 17-Ausbildung

    Foto © SCHÖBERLWer 15 Jahre und sechs Monate alt ist, darf sich künftig hinters Steuer setzen – im Falle einer L 17-Ausbildung

    Daniela Schober schüttelt den Kopf und seufzt. "Wir haben uns schon damit abgefunden", sagt die Leiterin des Verkehrsamts bei der Bundespolizeidirektion Graz. "Wir werden wohl bis 19. Jänner durchtauchen müssen. Die Leute rennen uns die Türen ein, auch wenn es überhaupt nicht notwendig wäre."

    Am 19. Jänner 2013 tritt in Österreich die 3. EU-Führerscheinrichtlinie in Kraft, die Lenkerberechtigungen und Führerscheinklassen europaweit vereinheitlicht. Für den Straßenverkehr bringt die Reform gleich eine ganze Reihe an Neuerungen. So werden die Führerscheine nur noch auf 15 Jahre befristet ausgestellt, kleinere Motorräder dürfen schon mit 16 Jahren gelenkt werden, Autos im Zuge der begleiteten L 17-Ausbildung sogar schon mit fünfzehneinhalb. Dazu kommen weitere Umstellungen unabhängig von der Führerscheinnovelle (siehe Auflistung).

    Befristung auf 15 Jahre

    Ab 19. Jänner gibt es den Führerschein nur noch befristet auf 15 Jahre. Danach muss das Dokument getauscht werden - Kostenpunkt: 55,70 Euro. Ein Gesundheitscheck ist dafür nicht vorgesehen. Der bisher in Österreich ausgestellte Scheckkartenführerschein und der alte rosa Schein gelten noch bis maximal 19. Jänner 2033.



    Motorradfahren mit 16

    Kleine Maschinen früher, große später: Durch die europaweite Vereinheitlichung der Führerscheinklassen dürfen Motorräder bis 125 Kubikzentimeter Hubraum (Klasse A 1) nach einer Prüfung bereits mit 16 Jahren gelenkt werden. Leistungsstarke Motorräder mit mehr als 35 kW Leistung (volle Klasse A) gibt's dafür erst ab 24 Jahren (bisher 21).



    Mit 15 hinters Steuer

    15 Jahre und sechs Monate ist in Hinkunft das Mindestalter für begleitete Praxisfahrten im Zuge der L 17-Führerscheinausbildung. Bisher war das erst ab dem 16. Geburtstag erlaubt. Den Führerschein gibt es wie bisher erst frühestens mit 17. Im Verkehrsministerium erwartet man, dass durch die längere Ausbildungsphase die Sicherheit steigt.



    Reifenpickerl und Sensoren

    Unabhängig von der Führerscheinrichtlinie gilt seit 1. November, dass neue Winterreifen "Güteklassekleber" aufweisen müssen, die deren Energieeffizienz beim Fahren angeben. Zudem müssen neue Pkw-Typen ein Überwachungssystem haben, das Auskunft über den Reifendruck gibt. Vorgeschrieben ist auch ein "Gangwechselanzeiger", um Fahren mit zu hohen Drehzahlen zu vermeiden.



    Handyverbot auf dem Rad

    Die Begutachtungsfrist ist vorbei, frühestens im Jänner tritt die Novelle zur Straßenverkehrsordnung (StVO) in Kraft. Radfahrer dürfen dann im Sattel nicht mehr telefonieren, die Alk-Promillegrenze für Radler bleibt aber vorerst bei 0,8. Zudem dürfen Städte und Gemeinden künftig eigene Fahrradstraßen einrichten, Sportradler dürfen auf der Hauptstraße fahren, auch wenn ein Radweg vorhanden ist.

    Dass die Steirer die Führerscheinstellen bei der Polizei und den Bezirkshauptmannschaften regelrecht stürmen, um noch heuer einen Scheckkartenführerschein nach "alter" Regelung zu ergattern, fußt allerdings meist auf einem Missverständnis. Denn der Befristung des Scheins entgeht man damit nicht: Auch vor 2013 ausgestellte Lenkerberechtigungen sind nur noch bis spätestens 2033 gültig - ob Scheckkartenformat oder nicht. Dennoch: Je näher der 19. Jänner rückt, desto länger werden die Schlangen an den Führerscheinschaltern.

    "Stille Post"

    Johann Matzhold, Vorsitzender der Fachvertretung der Fahrschulen in der Wirtschaftskammer Steiermark, stellt auch einen Anstieg an Interessenten bei Motorradführerscheinen fest, insbesondere der "Altersgruppe zwischen 21 und 24 Jahren". Der Grund: Ab 2013 dürfen schwerere Motorräder erst ab 24 Jahren gelenkt werden - bisher ab 21.

    Auch Matzhold betont, dass kein Zwang bestehe, den Führerschein umzutauschen. Die Irrtümer resultieren für ihn vor allem aus einem "Stille-Post-Verfahren": durch Ungenauigkeiten beim Weitererzählen. ,,Vor allem ältere Menschen fürchten, noch einmal eine Prüfung oder eine Schulung machen zu müssen."

    Von der Führerscheinreform erwartet sich Matzhold jedenfalls ein "erhöhtes Sicherheitspotenzial für die Aus- und Weiterbildung sowie für die Verkehrssicherheit". Für die Branche sei es zudem eine "große Chance, ihr Image als Verkehrssicherheitspartner zu verbessern".

    GÜNTER PILCH, KATHARINA PILLMAYR, SONJA SAURUGGER

    Kommentar

    GÜNTER PILCHSehr effizient von GÜNTER PILCH

    "Kein Gesetz ersetzt Eigenverantwortung"

    Bei Erkrankungen: Wer darf fahren, wer nicht? Amtsärztin Irmgard Lechner klärt auf.

    Welche Krankheiten führen zu einer speziellen Befristung des Führerscheins?

    IRMGARD LECHNER: Die beiden großen Gruppen sind Diabetes und Epilepsie. Bei allen anderen Erkrankungen ist es Ermessenssache, wie bei psychiatrischen oder neurologischen Problemen. Prinzipiell gilt: Eine Befristung ist nur zulässig, wenn mit einer Verschlechterung der Krankheit zu rechnen ist.

    Wie lange gilt so eine Befristung?

    LECHNER: Das ist von der Erkrankung abhängig, maximal gilt die Befristung für fünf Jahre. Neu ist aber, dass ab 2013 eine Einäugigkeit kein Grund mehr für eine Befristung ist.

    Wie werden gesundheitliche Einschränkungen überhaupt festgestellt? In Österreich ist zur Führerschein-Verlängerung ja kein Gesundheitscheck nötig.

    LECHNER: Zum Großteil bei Führerscheinneulingen. Lastwagenfahrer müssen alle fünf bzw. ab 60 Jahren alle zwei Jahre zur Kontrolle. Auch nach einem Führerscheinentzug muss zum Beispiel eine Alkoholsucht abgeklärt werden. Und ältere Menschen werden, zum Beispiel nach einer Serie von Blechschäden, von der Polizei zum Amtsarzt geschickt.

    Gerade im Hinblick auf ältere Menschen: Wären vorbeugende Gesundheitschecks nicht sinnvoll?

    LECHNER : Die größte Risikogruppe sind junge Lenker, die zu schnell und alkoholisiert fahren. Ältere Menschen profitieren von ihrer Erfahrung. Ich empfehle aber einen freiwilligen Sehtest - allein, um die eigene Sicherheit zu gewährleisten. Die Eigenverantwortung kann einem kein Gesetz abnehmen! Außerdem kann man die Lenkberechtigung einschränken, sodass man nur im Umkreis von fünf Kilometern des Wohnorts fahren darf.

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