Handelsriesen geben an der Tankstelle Gas
Die Bankomaten sind schon da, ebenso Wäschereidienste und die Post: Immer mehr Kunden fahren an die Tankstelle, ohne zu tanken, sondern um einzukaufen. Die Zusatzgeschäfte an der Zapfsäule boomen.

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"Einmal Auto und Haare waschen, bitte!" Der Friseur an der Zapfsäule ist eines der möglichen Zukunftsszenarien für Tankstellen. Ob ihrer hohen Kundenfrequenz gilt die Branche als hochinteressant für diverse Dienstleistungen und Handelskonzepte. Die Bankomaten sind schon da, ebenso Wäschereidienste und die Post. Und innerhalb weniger Monate haben die Lebensmittelketten sich der Tankstellen bemächtigt und einen ganzen Geschäftszweig nahezu hinausgedrängt: die Großhändler.
Anzahl der Shops erhöhen
Spar will seine Tankstellenshops von derzeit 40 auf 115 bis Ende 2013 erhöhen - in Kooperation mit Shell und der Doppler AG. Billa hat bereits 110 "stop & shop"-Standorte an Jet-Tankstellen. Merkur will in Symbiose mit BP von derzeit fünf auf 100 "Inside"-Shops wachsen. Auch Adeg ist "on the road": ein "Adeg am Weg"-Konzept wird in der Steiermark getestet. Lediglich die OMV setzt weiter auf den Convenience-Händler Lekkerland aus Ternitz bei Wien. Die Frage ist nur: Wie lange noch? Die Flexiblen, Spontanen - im Fachjargon Hybrid-Kunden genannt - sind im Visier der Tankstellenshops. Ihnen hat der Merkur-Shop an der BP-Tankstelle in der Wiener Triester Straße am vergangenen langen Wochenende unglaubliche 6000 Liter Milch verkauft. Dank ihnen wird Spar-express an heißen Wochenenden zum Grillkohle- und Grillfleisch-Verkäufer. "Ein Geschäft, das es ohne Tankstellen so nicht geben würde, denn das Wochenende wäre vorbei und die Spontangriller hätten das Nachsehen", freut sich Spar-Sprecherin Nicole Berkmann. Den Tankshop-Kunden ist es auch egal, dass hier nur rund 1300 der sonst bis zu rund 8000 Supermarktprodukte angeboten werden und dass diese rund zehn Prozent mehr kosten. Früher war "Reisebedarf" viel teurer.
Und der Handel? "Hier wachsen die Gewinne auch nicht in den Himmel", weiß Handelsforscher Peter Voithofer von der KMU Forschung Austria. Ein Vorteil ist, dass die Ketten nicht das eigene Personal am Sonntag und spät abends zahlen müssen: Für die teilweise irrwitzig langen Dienstzeiten der Tankstellenpächter sind sie nicht zuständig. Die Tankstellenbetreiber wiederum können ihre Erlöse steigern. Bernd Zierhut, Geschäftsführer der Doppler-Gruppe (Shell, Turmöl) gibt zu: "Mit dem Treibstoff alleine sind wir bestenfalls kostendeckend."













