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Zuletzt aktualisiert: 30.10.2012 um 07:45 UhrKommentare

"2013 wird für alle schwierig"

Auf Kurzvisite in der Steiermark: Porsche-Chef Matthias Müller über die Situation am Automarkt, die Absatzkrise in Europa und die Zukunft des profitabelsten Automobilherstellers der Welt.

Porsche-Chef Matthias Müller

Foto © APAPorsche-Chef Matthias Müller

Dürfen wir Sie um einen schnellen Befund über die aktuelle Wetterlage in der Autobranche ersuchen?

MATTHIAS MÜLLER: Es sind Wolken aufgezogen. Es ist einfach so, dass sich diese Finanzkrise zunehmend zu einer Wirtschaftskrise ausweitet, zumindest in Europa. Das Konsumverhalten ist rückläufig und strahlt unmittelbar auch auf die Autoindustrie ab. Und es trifft alle Hersteller.

Also auch Porsche?

MÜLLER: Ja, die Mutmaßung, dass Premiummarken davon nicht betroffen wären, stimmt nicht. Als Hersteller von sportlichen Autos spüren wir den Gegenwind genauso. Es ist zwar nicht so, dass kein Geld mehr da wäre, doch die Leute wollen sich eben in dieser Phase so etwas nicht leisten, aus welchen Gründen auch immer.

Kommt es noch dicker, oder ist eine Erholung der Märkte in Sicht?

MÜLLER: Wir müssen davon ausgehen, dass sich die Märkte im nächsten Jahr nicht so positiv entwickeln, wie man es ursprünglich geplant hatte. 2013 wird für alle schwierig. 2014 und 2015 sollte es eine Erholung geben. Aber es wird nicht so rasant passieren, wie wir es uns wünschen würden.

Wie lenkt Porsche gegen?

MÜLLER: Wir können auf so eine Situation relativ gut reagieren. Das Unternehmen ist flexibel skalierbar, das heißt, wir werden keine großen Sparprogramme verkünden müssen, sondern setzen eben entsprechende Prioritäten bei den Investitionen.

Welche Märkte funktionieren?

MÜLLER: In erster Linie Amerika und China. Wir gehen davon aus, dass China 2015 der größte Porsche-Markt sein wird. Russland läuft auch gut. Und viel Freude macht Brasilien. In Südeuropa wird die Erholung lange dauern.

Die Strategie von Porsche sieht bis 2018 ein Wachstum auf 200.000 Fahrzeuge pro Jahr vor. Verlässt Porsche die Exklusivität und geht Richtung Masse?

MÜLLER: Die Frage höre ich oft, nicht aber den Vorwurf. Deshalb werden wir auch keinen Porsche um 40.000 Euro anbieten. Aber selbst wenn wir 200.000 Autos bauen, bleibt unser Anteil am Weltmarkt bei 0,2 Prozent.

Die Hälfte des Porsche-Volumens macht heute der Geländewagen Cayenne. Verliert der 911 die Rolle als Kult-Porsche?

MÜLLER: Entschieden Nein. Der Neunelfer bleibt die Marken-Ikone, an seinem Anspruch müssen sich alle orientieren. Und der 911 ist auch unser betriebswirtschaftlich attraktivstes Auto.

Porsche ist mit 18 Prozent der Rendite-Kaiser der Branche. Bleibt es dabei?

MÜLLER: Zumindest 15 Prozent sollte unsere Leitplanke sein.

INTERVIEW: GERHARD NÖHRER

Zur Firma

Absatz: Von Jänner bis September 2012 lieferte Porsche weltweit 104.362 Neuwagen aus und verzeichnete dabei ein Auslieferungsplus von 15 Prozent. Mit Jahresende wird ein neuer Rekordwert erwartet.

Ziele: Bis 2018 will die VW-Tochter die Verkäufe auf 200.000 Stück steigern. China soll 2015 größter Porsche-Markt werden.

Zur Person

Matthias Müller: geboren 9. Juni 1953 in Chemnitz, verheiratet, zwei Kinder aus erster Ehe, lebt in Stuttgart.

Karriere: Abitur in Ingolstadt, Informatik-Studium in München, 1978 Eintritt in die Audi AG, 2007 bis 2010 Generalbevollmächtigter der Volkswagen AG, seit 1. Oktober 2010 Vorstandsvorsitzender der Porsche AG.

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