Leise rieseln die Preise
Die Automobilhersteller stöhnen unter der Absatzkrise in Europa und suchen ihr Heil in einer beispiellosen Rabattschlacht. Die Gewinner sind die Kunden.

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Die Autowelt steht vor gravierenden Veränderungen. Der gesellschaftspolitische Zeitenwechsel und die technologischen Veränderungen hin zur Elektromobilität erfordern nicht bloß neue Geschäftsmodelle, sondern auch ein völlig neues Denken. Seit der letzten Wirtschaftskrise ist die Branche in Alarmbereitschaft. Die Entwicklung alternativer Antriebe verschlingt Millionen, die Kurzatmigkeit und Nervosität in der Automobilindustrie nimmt zu: Man fährt auf Sicht, um ja keinen Trend zu verschlafen. Dazu kommt jetzt die globale Marktverschiebung, die zur Nagelprobe für einige Hersteller wird.
In Europa spitzt sich derzeit die Situation wie berichtet dramatisch zu. Während Märkte wie Amerika, Russland oder China funktionieren, werden die Bremsspuren auf dem alten Kontinent immer tiefer. Die Marktschwäche in Europa, ausgelöst durch das brutal lahmende Autogeschäft in den von der Schuldenkrise gebeutelten südeuropäischen Staaten, macht den Automobilproduzenten seit einem Jahr schwer zu schaffen.
Brutale Bremsspuren
Im September sank die Zahl der Pkw-Neuzulassungen den zwölften Monat in Folge - um 10,8 Prozent. Insgesamt gingen die Verkäufe in der Europäischen Union in den ersten neun Monaten dieses Jahres um 7,6 Prozent zurück. Besonders schlimm ist die Lage in Griechenland und Portugal, wo sich die Verkäufe nahezu halbierten. Mit einem Minus von 36,8 Prozent läuft es auch in Spanien nicht viel besser, die Märkte in Italien (-25,7 Prozent) oder in Frankreich (-17,9 Prozent) sind ebenso schwer eingebrochen. In Deutschland ging es mit einem Minus von 10,9 Prozent nach unten, auf dem sonst relativ stabilen österreichischen Automarkt sanken die Neuzulassungen um 11,9 Prozent.
Die Euro-Krise wird vor allem für jene Hersteller zum Problem, deren Fokus fast ausschließlich auf Europa gerichtet ist. Marken wie Fiat, Opel, aber auch die französischen Anbieter fahren derzeit nahezu auf der Felge. Den stärksten Verkaufsrückgang unter den großen Produzenten registrierte im vergangenen Monat Renault: Die französische Marke setzte fast ein Drittel weniger als im Vorjahr ab, der italienische Autobauer Fiat meldete ein Minus von 18,5 Prozent. Selbst der kraftstrotzende Volkswagen-Konzern verzeichnete in Summe einen Rückgang von acht Prozent. Und Ford will wegen der Absatzkrise drei Werke in England und Belgien schließen.
Die Situation wird verschärft durch düstere Zukunftsprognosen (Experten sprechen von einem Langzeit-Tief) und wachsende Überkapazitäten in den europäischen Fabriken, die sich in Richtung 30 Prozent bewegen. So mündest jetzt der verzweifelte Kampf um jeden Kunden in eine beispiellose Rabattschlacht, bei der die Preise purzeln wie nie zuvor. Sehr zum Wohle der Kunden, die in den kommenden Wochen Bazar-ähnliche Zustände im Autohandel erleben werden.
Auto-Bazar
Den Startschuss zur Schnäppchenjagd gab vor wenigen Wochen ausgerechnet Volkswagen. Dass der österreichische Importeur zwei Monate vor Markteinführung des neuen Golfs damit begann, einen 2000-Euro-Bonus beim vorzeitigen Kauf zu gewähren, fuhr dem Wettbewerb tief in die Knochen und ist als Indiz dafür zu werten, wie extrem sich die Kaufanreize entwickeln. Schon liegt hierzulande das durchschnittliche Rabattniveau bei Neuwagen zwischen 15 und 20 Prozent. Im Luxussegment sind unter Abschlägen von 30 Prozent kaum noch Geschäfte zu machen.
Zu einem unverzichtbaren Verkaufsmodell haben sich die sogenannten taktischen Zulassungen entwickelt, die in Österreich mittlerweile einen absoluten Höchststand erreicht haben. Dabei werden Fahrzeuge vom Hersteller selbst für einen kurzen Zeitraum zugelassen und als "neuer" Gebrauchtwagen billiger verkauft - mit Rabatten von 25 Prozent aufwärts. Bei den Kurzzulassungen, die im heimischen Handel schon mehr als 20 Prozent des Marktvolumens ausmachen, sind Hyundai, Ford und Citroën Spitzenreiter.
Besonders in den letzten Tagen des Jahres, wenn die Händler selbst um ihre Boni kämpfen und ihre Lager räumen müssen, verschärft sich der Wettbewerb mit vom Importeur gestützten Aktionen (Christmas-Bonus) und Sondereditionen. Speziell Ladenhüter und Auslaufmodelle werden dann oft zu einer wahren Mäzie. Fakt ist: Nie war es lohnender, ein Auto zu erwerben, als in den Wochen vor Jahreswechsel.
Trotz aller Anstrengungen bereitet sich die Autobranche in Europa auf einen strengen Winter und eine weitere Abkühlung der Konjunktur vor. Experten zufolge könnte das Jahr 2013 die schlechtesten Autoverkäufe seit 1993 bringen, als nur 11,3 Millionen Wagen verkauft wurden.
In Amerika und Russland dagegen werden derzeit zweistellige Wachstumsraten verzeichnet, der chinesische Pkw-Markt hat sich deutlich verlangsamt (plus zwei Prozent), Indien legte um knapp fünf Prozent zu.
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Fakten
Europa. Die Verkäufe werden heuer wegen der schwachen Märkte in Südeuropa auf 12,1 Millionen Autos sinken, 2013 wird der Absatz weiter fallen.
Österreich. Relativ stabil trotz des Einbruchs im September. In den ersten neun Monaten 2012 wurden 352.135 Autos zugelassen, 1,7 Prozent weniger als 2011.













