Straße spricht mit dem Autofahrer
Die wichtigste Messe für intelligente Verkehrslösungen findet erstmals in Österreich statt. Heimische Firmen als Motor auf dem Milliardenmarkt. Ein Lokalaugenschein von Hannes Gaisch.

Foto © ITSDas größte Verkehrstelematik-Projekt Europas läuft in Österreich an
Das ist das Beste, das ich in den letzten 20 Jahren gesehen habe", sagt der Gast aus den USA, während er in einem Van an einer kleinen Spazierfahrt durch Wien teilnimmt. Nicht so sehr die Stadt fasziniert den Mann, sondern ein Display im Cockpit des Autos. Die Stimme klingt wie bei einem herkömmlichen Navigationsgerät, aber es ist mehr als das.
"Get ready!"
Das Auto spricht mit dem Fahrer. Es sagt, wenn die Ampel auf Rot schaltet und wann sie wieder grün wird: "Get ready!" Auf dem Display erscheinen Informationen: Tempolimit, die Zahl der freien Plätze auf dem Park- & Ride-Platz, die nächste Baustelle. In der Stadionallee im Wiener Prater wird vor "wilden Tieren" gewarnt.
Autobahn als Echtzeit-Labor
"Das ist die Zukunft des Verkehrs", sagt Verkehrsministerin Doris Bures am Montag bei der Eröffnung des Kongresses für intelligente Transportsysteme (ITS). Beim "Testfeld Telematik" bekommen 3000 Lenker ein halbes Jahr lang Echtzeitinfos in ihre Fahrzeuge. Als Labor dient das Dreieck Südosttangente, Ostautobahn und Wiener Außenring-Schnellstraße. Die Erfahrungen sollen künftige Applikationen für Smartphones und Navigationsgeräte verbessern. Alois Schedl, Vorstand des Autobahnenbetreibers Asfinag, erwartet "in fünf bis zehn Jahren" konkrete Anwendungen für die Bevölkerung.
Das bedeutet auch enormen Aufwand für die Infrastruktur - 5,5 Millionen Euro kostet allein der Test, 250 Sensoren wurden entlang der Straße verbaut. Die Geräte in den Autos kommunizieren untereinander und über eine Zentrale. Es ist das bisher größte derartige Projekt in Europa. Aber es ist nicht das einzige auf der wichtigsten Schau der Welt über intelligente Verkehrssysteme, die erstmals in Österreich stattfindet.
Österreicher an der Spitze
Von 300 Ausstellern ist jedes sechste ein heimisches Unternehmen, österreichisches Know-how gibt in dem boomenden Milliardenmarkt die Richtung vor. "Der Markt ist 2011 zwischen 16 und 18 Prozent gewachsen", erklärt Daniel Ulz, Sprecher von Efkon in Graz-Raaba, das mit seinen Verkehrslösungen (Maut- und Verkehrsleitsysteme) die Märkte in Europa, Südostasien, Südafrika und demnächst Osteuropa bedient.
So stammt etwa die automatische Vignettenkontrolle in Österreich von Efkon. Das Wachstum lag im Vorjahr bei 20 Prozent, "unser Ziel ist es, auch weiterhin über dem Durchschnitt der Branche zu bleiben", betont Ulz.
Dass die Industrie profitiere, sei klar, betonte ÖBB-Chef Christian Kern: "Man muss aber darüber nachdenken, welche Geschäftsmodelle es für Anbieter von intelligenten Verkehrslösungen geben könnte, wie sich solche Dienste also rechnen."
Features
Motorisierte Zukunft
FAKTEN
Der Kongress richtet sich beim Publikumstag am 25. Oktober an alle Interessierten.
Geboten werden Testfahrten etwa mit selbstparkenden Autos oder die Zukunft der Satellitennavigation in der "European Space Expo", Industrieausstellungen über die Zukunft der Mobilität und Exkursionen.













