Biokraftstoff: "Erste Generation ist tot"
Die EU-Kehrtwende bei den Bio-Treibstoffen bedeutet für viele Produzenten hohe Verluste. Die EU will den Ausbau von Bio-Kraftstoffen der "zweiten Generation" forcieren, deren Ausgangsstoffen keine zusätzlichen Flächen benötigen.

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Weil man in den führenden Gremien der Europäischen Union 2009 noch eine bessere Meinung zu Biokraftstoffen hatte als 2012, drohen Erzeugern von Biokraftstoffen hohe Verluste.
Wie EU-Energiekommissar Günther Oettinger diese Woche bekannt gab, soll die Menge der aus Nahrungsmittelpflanzen (Weizen, Soja, Raps) hergestellten Biokraftstoffe bis 2020 auf fünf Prozent begrenzt werden. Zudem müssen Biokraftstoffe in Zukunft "erhebliche Emissionsverringerungen bringen" - konkret soll die Mindestschwelle für die Treibhausgasreduktion bei neuen Anlagen auf 60 Prozent erhöht werden. Auch die indirekte Landnutzungsänderung wird stärker gewichtet, forcieren will die EU damit Bio-Kraftstoffe der "zweiten Generation". Produkte also, deren Ausgangsstoffe nicht zu einem zusätzlichen Flächenbedarf führen.
"Damit sind die Biokraftstoffe der ersten Generation quasi tot", erklärt Martin Ernst unverblümt. Er forscht für die steirische BDI Bio Energy, einem "Technologieanbieter im Bio-Kraftstoff-Bereich, keinem Produzenten". Viele BDI-Kunden haben schon früh auf Altspeiseöle oder Tierfette umgestellt, bei Bauern sieht Ernst aber ein "weiteres Standbein" schwinden.
Deren Vertreter legen sich gegen die Neuregelungen quer. Kammerpräsident Gerhard Wlodkowski: "Diese Kehrtwende ist überhaupt nicht nachvollziehbar." Es sei bereits "enorm viel in die Produktion von Biokraftstoffen investiert worden." Geldflüsse, die sich jetzt sehr schnell in heiße Luft auflösen könnten. Außerdem würden die europäischen Anbauer laut Wlodkowski so ihre Wettbewerbsfähigkeit verlieren und "durch Importe aus Übersee verdrängt werden".
Humus als Klimachance
August Raggam, steirischer Öko-Pionier, lehnt Biokraftstoffe "prinzipiell ethisch ab". Auch der Einsatz der zweiten Generation ist für ihn nur vorstellbar, wenn man Holz verwenden könnte. Raggam weiter: "Die Lösung, um im Verkehr Emissionen einzusparen, ist die elektrische Antriebskraft." Und wie man das Klima überhaupt retten könnte? Raggam: "Humus ist die letzte Chance. Wir haben 400 Milliarden Tonnen zu viel CO2 in der Atmosphäre. Das gehört in den Boden gebracht."













