Tankstellen kommen unter die Räder
Tankstellenpächter fühlen sich als Sündenbock, obwohl jeder 4. weniger als 20.000 Euro im Jahr verdient und immer mehr aufhören müssen.

Foto © Helmuth Weichselbraun
Zwischen Tankanfüllen und Dampfablassen sind es meist nur ein paar Schritte: "Wir Tankstellenpächter und unsere Mitarbeiter brauchen derzeit starke Nerven", sagt Harald Pfleger. "Wir kriegen den Frust der Autofahrer voll ab, obwohl wir keinen Einfluss auf den Preis mehr haben." Der oststeirische Tankstellenbetreiber macht sich zunehmend Sorgen um seine Branche, die er auch in der Wirtschaftskammer vertritt: Während der Großteil der Autofahrer glaube, dass mit den Spritpreisen auch die Gewinne der Tankstellenbetreiber in die Höhe schießen würden (erst gestern verwies die Arbeiterkammer auf den teuersten Tanksommer aller Zeiten), zeigt die jüngste steirische Tankstellenstudie ein anderes Bild.
Demnach verdienen 27 Prozent der steirischen Pächter weniger als 20.000 Euro vor Steuern, weitere 15 Prozent weniger als 30.000 Euro. Und das bei Arbeitszeiten jenseits eines Achtstundentages, oft 365 Tage im Jahr. "Kein Wunder, dass mehr als 55 Prozent der Tankstellenpächter mittlerweile ihren Kindern abraten, in ihre Fußstapfen zu treten", so Pfleger.
Allein in den letzten fünf Jahren ist bei jeder fünften Tankstelle der Zapfhahn für immer versiegt. Und von den aktuell 331 steirischen Tankstellen wurden bereits mehr als zehn Prozent auf unbemannte Automatentankstellen umgestellt. Tendenz stark steigend, wie die OMV vorzeigt, die alle Standorte ihrer Tochter Avanti zu Automatentankstellen umbaut. "Das tut mir im Herzen weh, wenn ich sehe, dass auf diese Weise bundesweit schon 1500 Arbeitsplätze verloren gingen", sagt Pfleger, "doch es ist für viele die einzige Möglichkeit, um mit Treibstoff überhaupt noch etwas zu verdienen."
Kunden- statt Umsatzbringer
Pfleger geht indes, ebenso wie andere Branchenkollegen, einen anderen Weg: Den Ausbau der Tankstelle zum Vollservice-Einkaufszentrum - lange Öffnungszeiten, Kaffeehaus und frische Semmerln inklusive. Der Treibstoff wird so vom früheren Umsatz- zum reinen Kundenbringer.
Fakten
331 Tankstellen gibt's in der Steiermark, um 20 Prozent weniger als vor fünf Jahren. 19 Prozent der Tankstellenbetreiber geben laut IWS-Studie an, dass sie negatives Eigenkapital (Schulden) aufweisen.
55,8 Prozent der steirischen Tankstellenbetreiber empfehlen ihren Kindern, nicht in ihre Fußstapfen zu treten. Und das, obwohl in 45 Prozent aller Tankstellen Familienmitglieder des Betreibers mitarbeiten.
So bleiben bei einer Tankfüllung von 50 Liter Superbenzin um 74,75 Euro (siehe Grafik) gerade einmal 2,08 Euro beim Tankstellenpächter und 90 Cent beim Treibstoffhandel, der Rest entfällt auf Steuer und Rohstoffpreis. "Wir haben europaweit die geringste Spanne", sagt Jürgen Roth, Obmann des Energiehandels, der vor allem die starken politischen Eingriffe in die Preisgestaltung kritisiert. "Wir werden von unserem eigenen Wirtschaftsminister als Sündenbock hingestellt. Dabei kann ich für die Steuer nix, für den Rohstoffpreis nix und für den Dollarkurs nix. Und der Pächter kann schon gar nichts dafür."













