Rad und Bim hängen das Auto ab
Welches Verkehrsmittel ist in Graz am schnellsten? Zur Woche der Mobilität gab's wieder die Probe aufs Exempel - mit deutlichem Resultat.

Foto © JÜRGEN FUCHS Lisa Rücker (rechts) siegte vor Andrea Gössinger- Wieser, Barbara Muhr (links) und Günter Pilch
Die Vorgaben sind einfach: Es gilt, vom Hilmteich im Grazer Osten den Hauptplatz im Zentrum zu erreichen, möglichst rasch und unter Einhaltung aller Verkehrsregeln. Vorgeschrieben ist ein Zwischenstopp bei der Kunstuni und ein weiterer am Kaiser-Josef-Platz, wo ein Kilo Äpfel zu kaufen ist. Ansonsten gilt freie Streckenwahl. Es ist ein kühler Freitagmorgen, kurz vor 7.30 Uhr, und wir wollen starten.
Wir, das sind die Grazer Vizebürgermeisterin Lisa Rücker, Holding-Graz-Vorstand Barbara Muhr, Klimaschutzkoordinatorin Andrea Gössinger-Wieser und der Autor dieser Zeilen. Was wir und die Veranstalter vom Klimabündnis wissen wollen: Wie ist die Strecke am schnellsten zu schaffen: per Auto, Fahrrad, Elektrorad oder mit den Öffis?
"Über Anreize geht mehr"
Den freiwilligen "autofreien Tag" einmal im Jahr nehmen sich nur wenige zu Herzen. Warum fällt beim Auto Verzicht so schwer?
ALEXANDRA KOSCHAT: Da geht es um die Flexibilität, die Möglichkeit, jederzeit irgendwo hinfahren zu können. Das bietet das Auto, auch wenn man es dann gar nicht ausnutzt. Diese Annehmlichkeit wollen sich die Leute nicht nehmen lassen.
Aber warum werden verkehrspolitische Debatten immer derart emotionsgeladen geführt?
KOSCHAT: Weil Einschränkungen im Individualverkehr als Einschränkungen der persönlichen Bewegungsfreiheit empfunden werden. Nach dem Motto: Ich habe mir mit dem Auto und dem Führerschein das Recht erkauft, immer und überall mobil zu sein, und das lasse ich mir nicht nehmen. Ein Verbot wird dann als Unrecht empfunden. Dieses Thema ist emotional fester verankert als die Themen Umwelt oder Verkehrsunfälle, die in der Diskussion zurücktreten.
Verbote zur Einschränkung des Autoverkehrs werden grundsätzlich als Unrecht wahrgenommen?
KOSCHAT: Na ja, vieles ist auch eine Frage der Zeit. Nicht selten ist es so, dass Einschränkungen nach einer Gewöhnungsphase als ganz vernünftig empfunden werden. Grundsätzlich reagiert der Mensch aber eher auf Belohnungen. Wenn es Anreize wie Gutscheine gibt, die eine Verhaltensänderung belohnen, dann ist damit oft mehr zu erreichen.
Um Punkt halb acht geht's los: Muhr eilt zur Straßenbahnhaltestelle, Rücker tritt in die Pedale, Gössinger-Wieser lässt ihr E-Bike anrollen, während sich der Autor in einen Twizy wirft. Das Mini-Elektroauto von Renault zischt los wie an einem Gummiband. Flüssig geht es die Hilmteich- und die Elisabethstraße entlang. Und plötzlich haben wir das, was es in Graz angeblich nicht gibt: eine grüne Welle.
Den ersten Rückschlag setzt es erst in der Merangasse: Morgenstau. Die Minuten verrinnen. Rücker und Gössinger-Wieser steuern jetzt bereits den Kaiser-Josef-Markt an, Muhr in der Straßenbahn liegt noch zurück. Acht Minuten und einen Halt bei der Kunstuni später rollen auch wir beim Bauernmarkt ein - und haben Parkplatzglück: ab in die Lücke und auf zum Apfelstand.
Dann geht's auf den Joanneumring, recht zäh in die Neutorgasse und auf Parkplatzsuche. Fündig werden wir rasch in der Kalchberggasse. Zu Fuß hasten wir zum Hauptplatz und erreichen ihn nach insgesamt 28 Minuten und 17 Sekunden - 17 Minuten hinter Rücker, 16 hinter Gössinger-Wieser und 10 hinter Muhr.
Letzter Platz. Kleiner Trost: Als Elektroauto wartet der Twizy jetzt gratis in der Kurzparkzone.
Features
Autofreier Tag
Für das Mobilitätsfest am Samstag von 11 bis 21 Uhr am Eisernen Tor in Graz sind den ganzen Tag folgende Straßen gesperrt: Opernring ab Burggasse, Giradigasse, Joanneumring. Die Sperren enden Sonntag um 2 Uhr früh.














