"Emotionen herausnehmen und richtig informieren"
Agrarlandesrat Hans Seitinger (ÖVP) spricht von einer großen Verlogenheit in der E10-Debatte.

Foto © Gernot EderAgrarlandesrat Hans Seitinger
Der Landwirtschaftsminister hat die Einführung von E10 doch noch verschoben, eine gute Entscheidung?
SEITINGER: Ja, denn hier gibt es in der Debatte eine unerträgliche Verlogenheit. Auf der einen Seite will man von uns, dass bis zu zehn Prozent der Getreideanbauflächen in Europa stillgelegt werden, auf der anderen Seite wird behauptet, dass Menschen aufgrund von E10 verhungern würden. Daher ist es richtig, die Emotion herauszunehmen, die Menschen richtig zu informieren und dann einen neuen Anlauf zu machen.
Die Caritas hat in Sachen Bioenergie bereits die tödliche Konkurrenz zwischen Teller und Tank angeprangert. Sollen unsere Äcker dem Teller vorbehalten sein?
HANS SEITINGER: Es geht hier ja nicht um Brotgetreide, das wir verheizen, sondern um landwirtschaftliche Flächen, die man entweder für Nahrungsmittel, Tierfutterproduktion oder für Energiegewinnung nutzt. Ich bin sicher: Es hat sowohl der Teller, der Trog als auch der Tank Platz.
Wie soll es langfristig genug Fläche zur Lebensmittel- und Energieproduktion geben, wenn allein in der Steiermark täglich sechs Hektar Land für den Straßen- und Siedlungsbau verloren gehen?
SEITINGER: Das stimmt, überhaupt am Stadtrand und am Land wurde übersehen, die Zersiedelung einzudämmen. Stattdessen müssen wir jetzt allein im Großraum Graz 60 Millionen Euro in Hochwasserschutz investieren. Wir müssen der Gefahr der Zersiedelung und dem Landverlust an den Bau entgegenwirken, das ist klar.
Laut UNO steigt der Lebensmittelbedarf bis 2050 um 70 Prozent. Was heißt das für die Preise?
SEITINGER: Wir müssen uns darauf einstellen, dass die Lebensmittelpreise steigen werden. Wobei: Vor 40 Jahren wurde noch die Hälfte des Haushaltsbudgets für Lebensmittel ausgegeben, heute nur noch zwölf Prozent, und dennoch ist es allen zu teuer. Es wird also bestimmt zu einer Änderung der Prioritäten kommen müssen, wie man mit dem Geld umgeht.
INTERVIEW: ULRICH DUNST













