Fahrschulen kämpfen um die jungen Schüler
In Städten verzichten immer mehr junge Leute auf Auto und Führerschein. Und auf dem Land kämpfen Fahrschulen mit geburtenschwachen Jahrgängen.

Foto © photocrew - Fotolia.com
Jung, mobil, aber nicht unbedingt automobil: Städte wachsen und mit ihnen das Angebot im öffentlichen Verkehr. Das Auto büßt seine Stellung als Statussymbol ein, Carsharing gewinnt Anhänger.
Diesen Trend spüren der Autohandel, aber auch die Fahrschulen. So verliert der Führerschein für junge Leute zunehmend an Bedeutung. Für ein Leben in der Stadt ist ein eigenes Auto nicht unbedingt notwendig. Am meisten bangen die Fahrschulen in Großstädten um ihr Geschäft. In Wien sank die Zahl der Führerscheinneulinge in zehn Jahren um mehr als ein Drittel, bestätigt Fachgruppenchef Herbert Wiedermann. Wien ist ein Beispiel von vielen. Forscher der Universität Michigan fanden heraus, dass vor 30 Jahren acht von zehn US-Amerikanern im Alter von 17 bis 19 den Führerschein besaßen, heute nur noch sechs von zehn. In Deutschland wird der Rückgang in den letzten fünf Jahren mit zehn Prozent beziffert.
Weniger Geburten
Der Markt schrumpft auch in der Steiermark, erklärt Johann Matzhold, Vorsitzender der Fachvertretung in der Wirtschaftskammer. "Allerdings ist es in Graz nicht so dramatisch wie in Wien, wo es sehr gut funktionierende Öffis gibt." Matzhold beobachtet außerdem weniger einen Verzicht auf den Führerschein als eine Verschiebung. "Vor allem Studenten machen ihn jetzt nach Ende ihrer Ausbildung, wenn sie ein Auto wirklich brauchen." In der Landeshauptstadt werde das Minus durch den Zuzug aus ländlichen Regionen teilweise aufgefangen. Dort, so Matzhold, kämpft man außer mit der Abwanderung junger Leute auch mit geburtenschwachen Jahrgängen.
Gernot Rittner (Roadstars, Graz) beziffert den Rückgang der Anmeldungen mit zehn bis 15 Prozent. Die Entwicklung sei aus der Geburtenstatistik "quasi eins zu eins" ablesbar. Christian Hotter (Fahrschule in Deutschlandsberg) bestätigt das: "Die Geburtenzahlen sinken, aber den Knick haben wir hinter uns." Fachgruppenchef Matzhold ist weniger optimistisch: "Ich rechne in fünf Jahren je nach Region mit Rückgängen von 20 bis 25 Prozent."
Das Wort Krise wollen die Fahrschulen dennoch nicht in den Mund nehmen. Ein Rückgang sei spürbar, "aber nicht sehr massiv", erklärt man bei Clever.
Eine ebenfalls den Umsatz schwächende Entwicklung nennt Ralph Lubensky (Fahrschule in Liezen). Es werde nur noch gebucht, was notwendig sei. Das heißt, der B-Schein sollte möglichst billig angeboten werden, Zusatzklassen wie A werden selten mitgebucht. "Mehr wird's sicher nicht", stellt Lubensky fest.













