Eine Rostlaube als New Yorker Vorstadt-Ikone
Warum die Bewohner eines ganzen Wohnblocks einem 30 Jahre alten Honda Civic die letzte Ehre erweisen - allen voran Besitzer Harry Ettling: "Er hat mich nie im Stich gelassen. Er war ein treuer Freund".

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Sie haben schon einen ausgeprägten Hang zum Theatralischen, die Amerikaner, wie diese Szene einmal mehr beweist, die sich kürzlich im New Yorker Stadtteil Inwood abspielte. Wie in New Orleans führt eine Jazz-Kapelle die Prozession an, Dutzende Nachbarn säumen die Straße, winken zum Abschied, manch einer zerdrückt dabei eine Träne.
Allen voran Harry Ettling, der Besitzer des Honda Civic, der hier zu seiner eigenen "Beerdigung" fährt. "Er hat mich nie im Stich gelassen. Er war ein treuer Freund." Und so denken viele Bewohner der Seaman Avenue, in der das Auto 30 Jahre lang parkte. Denn das Viertel veränderte sich, aber "Bluey" war so etwas wie eine mobile Konstante. Auch wenn die Zeit an ihm nicht spurlos vorübergegangen ist, schließlich verpasste ihm ein Nachbarskind vor Jahrzehnten den Spitznamen "Bluey", weil er einst hellblau lackiert war.
"Meine Kinder sind damit aufgewachsen", sagt Nachbar Jay Garcia. "Jeden Tag auf dem Weg zur Schule haben wir geschaut, wo er parkt und ob er dem Schrotthändler wieder einmal von der Schippe gesprungen ist". Wie Stammmechaniker Dirk Neal die Rostlaube stets durch die jährliche Inspektion gebracht hat, das weiß Ettling selbst nicht genau. Denn die eigentliche Sensation: Dieses Auto mit den faustgroßen Rostlöchern hat ein gültiges Pickerl. "Aber jetzt zerbröselt er und ich habe Angst, durch die morsche Bodenplatte zu krachen".
Trotzdem fällt der Abschied schwer: "Ich kaufe mir erst einmal kein neues Auto", sagt er traurig, als sein Gefährte aus eigener Kraft auf den Abschleppwagen rollt, der ihn zum Schrottplatz bringt. Das Ende einer langen Freundschaft, aber die gemeinsamen Erinnerungen, die rosten nicht.













