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Zuletzt aktualisiert: 08.08.2012 um 11:57 UhrKommentare

Automobilindustrie weltweit vor radikalem Umbruch

Absatzflaute, Überkapazitäten und Hersteller an der Kippe: Am Himmel über der europäischen Automobil-Industrie braut sich was zusammen.

Foto © Reuters

Die Automobilindustrie steht weltweit vor einem radikalen Umbruch. Der gesellschaftspolitische Zeitenwechsel und die technologischen Veränderungen hin zur Elektromobilität erfordern nicht bloß neue Geschäftsmodelle, sondern auch ein völlig neues Denken. Seit der letzten Wirtschaftskrise ist die Branche trotz einer scheinbaren Erholung in Alarmbereitschaft. Die Entwicklung alternativer Antriebe verschlingt Milliarden, die Kurzatmigkeit und Nervosität der Hersteller nimmt zu: Man fährt auf Sicht, um ja keinen Trend zu verschlafen. Dazu kommt jetzt die globale Marktverschiebung, die zur Nagelprobe für einige Hersteller wird.

Europa ist gefährdet

Besonders gefährlich ist derzeit die Situation in Europa. Während sich Amerika stabilisiert hat und Asien weiter boomt, zeigen sich auf dem Alten Kontinent tiefe Bremsspuren. Die Marktschwäche in Europa, speziell das brutal lahmende Autogeschäft in den von der Schuldenkrise gebeutelten südeuropäischen Staaten, macht den Volumenherstellern schwer zu schaffen. Im ersten Halbjahr sanken die Zulassungen im EU-Raum um 6,8 Prozent, so wenige Autos wurden zuletzt 1994 verkauft. Erholung ist nicht in Sicht, im Gegenteil.

Zum Problem wird die Euro-Krise vor allem für jene Hersteller, deren Fokus fast ausschließlich auf Europa gerichtet ist. Wie Opel, Fiat oder die französischen Anbieter, die rote Zahlen schreiben und auf der Felge fahren. Der verzweifelte Kampf um jeden Kunden mündet jetzt in eine beispiellose Rabattschlacht, die schon zu ersten Konflikten unter den Wettbewerbern führt. So warf Fiat-Boss Sergio Marchionne Volkswagen vor, mit seinen Rabatten ein "Blutbad bei der Preisgestaltung" anzurichten. Worauf Wolfsburg Marchionne umgehend aufforderte, seinen Posten als Präsident des europäischen Hersteller-Verbandes zu räumen.

Der Markteinbruch führt aber auch zu dramatischen Überkapazitäten in den europäischen Fabriken, die sich in Richtung 30 Prozent bewegen. Sie erinnern an die letzte Autokrise in Amerika, als die US-Autobauer nicht nur ihre Kapazitäten kürzen, sondern auch gut ein Dutzend Werke dichtmachen mussten. Schon machen Gerüchte von Werksschließungen und Massenentlassungen bei Peugeot und Opel die Runde. Eine Marktbereinigung scheint unumgänglich zu sein.

China im Trend

Die Schere zwischen den armen und den reichen Autobauern weitet sich jedenfalls immer mehr. Die global aufgestellten Autobauer wie Volkswagen setzen schon ein Drittel der Produktion in China ab. Speziell für Premium-Hersteller wie BMW oder Mercedes spielt die Musik längst nicht mehr in Europa. Die Schwellenländer gewinnen an Gewicht und Bedeutung. Mit dem Ergebnis, dass die Autobauer zunehmend nicht nur vor Ort produzieren, sondern auch Kernkompetenzen wie Forschung und Entwicklung aus Europa absiedeln. Die Gefahr, dass Europa zum Nebenschauplatz verkommt, besteht.

Was Europa weiter schwächen könnte: die Absicht der EU, auch mit Indien und Japan neue Freihandelsabkommen zu schließen. Schon liegt der Export der Koreaner um das Sechsfache über jener Stückzahl, die Europa nach Korea liefert. Und in diesen Tagen sind es die Angstgegner Hyundai und Kia, die den Europäern die Butter vom Brot nehmen.


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