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Zuletzt aktualisiert: 02.08.2012 um 10:29 UhrKommentare

"Interessante Idee" oder "nicht rasend geeignet"?

Wiens Bürgermeister Michael Häupl erwägt die Einführung von Nummerntafeln für Radfahrer. Die Rücksichtnahme im Verkehr sei "bei einzelnen Radfahrern" abhanden gekommen. Für Wiens Grüne ist das keine sinnvolle Maßnahme.

Foto © AP

Der Wiener Bürgermeister Michael Häupl (S) spricht sich dafür aus, über Nummerntafeln für Fahrräder nachzudenken. "Ich halte das für eine interessante Idee, die man nicht so schnell verwerfen sollte", erklärte er im Interview mit der APA. Denn Rücksichtnahme im Verkehr sei nicht nur etwas, das bei einigen Autofahrern abhandengekommen sei, "sondern durchaus auch bei einzelnen Radfahrern".

Er höre immer wieder Klagen über Radler insbesondere von älteren Menschen. "Ob eine Nummerntafel ein geeignetes Instrumentarium zur Bekämpfung dieser Missstände ist, da will ich mich zur Stunde nicht festlegen. Ich würde sagen, man sollte drüber nachdenken", befand Häupl.

Ob Wien dies alleine umsetzen könnte oder ob dazu die Straßenverkehrsordnung geändert werden müsse, wisse er noch nicht: "Ich bin kein Jurist, ich habe auch noch keinen gefragt."

Das Radkennzeichen könnte, so war zuletzt bereits gemutmaßt worden, bei der für Anfang kommenden Jahres in Aussicht gestellten Volksbefragung ein Thema sein. Das bestätigte Häupl nicht: Er wolle über die Fragestellungen noch keine Auskunft geben, betonte er. Eine Nummerntafel für Fahrräder ist eine langjährige Forderung der FPÖ. Grüne, ÖVP und auch die SPÖ haben eine derartige Maßnahme bisher abgelehnt.

Grüne: Keine sinnvolle Maßnahme

Häupls Koalitionspartner Christoph Chorherr hält davon aber wenig. "Reden kann man über alles, aber es handelt sich um keine sinnvolle Maßnahme", sagte Grün-Gemeinderat am Donnerstag. Er erlaube sich hier namens der Grünen anderer Meinung als der Bürgermeister zu sein.

Für die Ablehnung gebe es eine Reihe von Argumenten, wie Chorherr gegenüber der APA versicherte. Seiner Ansicht nach würde etwa ein "enormer Verwaltungsaufwand" bevorstehen, sollten alle Wiener Fahrräder - laut Chorherr rund eine Million - ein Kennzeichen brauchen. Das sei in Zeiten knapper Budgets nicht zu verantworten.

Außerdem könne Wien die Entscheidung nicht alleine treffen. Vielmehr müsste dazu die Straßenverkehrsordnung geändert werden. Weiters schütze die Nummerntafel nicht vor Rowdys: "90 Prozent aller Unfälle mit Verletzten und Toten werden nicht durch Radfahrer ohne Kennzeichen, sondern durch Autos mit Kennzeichen verursacht."

In der Schweiz, auf die im Zusammenhang mit dieser Debatte immer wieder verwiesen wird, ist laut Chorherr die Versicherungsplakette für Räder wieder abgeschafft worden. Denn sie sei bei größerem Abstand gar nicht lesbar gewesen.

Chorherr verwies auf die von Verkehrsstadträtin Maria Vassilakou (G) in die Wege geleiteten Maßnahmen, mit denen für größeres gegenseitiges Verständnis im Straßenverkehr geworben werde. Sich entschuldigen und Rücksicht - vor allem auch auf alte Menschen - zu nehmen, würde dazu mehr beitragen als die Einführung von Kennzeichen, zeigte er sich überzeugt.

In Wien wird offenbar überlegt, die Frage der Radler-Tafeln bei der Volksbefragung im kommenden Jahr zu thematisieren - wobei Bürgermeister Häupl dies vorerst nicht bestätigte. Auch Chorherr betonte, dass er die Fragestellung nicht präjudizieren wolle. Die Frage nach Nummerntafeln für Fahrräder erachtet er allerdings als "nicht rasend geeignet", wie er gestand.


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