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Zuletzt aktualisiert: 02.07.2012 um 05:10 UhrKommentare

Rekord an Handy-Sündern

Die Kärntner sind laut Innenministerium die Freisprecheinrichtungsmuffel Österreichs. Die Gründe dafür sind vielfältig.

Rauchen, Telefonieren, Essen: Ablenkung am Steuer ist mit einer 0,5-Promille-Alkoholisierung vergleichbar

Foto © FotoliaRauchen, Telefonieren, Essen: Ablenkung am Steuer ist mit einer 0,5-Promille-Alkoholisierung vergleichbar

Es ist verboten, aber fast alle tun es: Telefonieren im Auto ohne Freisprecheinrichtung, Wegdrücken von Anrufen sowie Lesen und Schreiben von SMS während der Fahrt. Die Kärntner nehmen es mit dem Verbot besonders locker. Sie sind laut Innenministerium - in Relation zur Bevölkerungszahl - sogar Österreichs Freisprecheinrichtungsmuffel: 2011 wurden Kärntner Handy-Sündern gleich 14.267 Verwaltungsübertretungen ausgestellt. Auch heuer wird mit einem Strafen-Rekord gerechnet. Nicht zu vergessen die hohe Dunkelziffer der Handy-Sünder ...

Die Polizei wundert sich über das konsequente Ignorieren des Verbotes. "An den Kosten für die Anschaffung einer Freisprecheinrichtung kann es ja nicht liegen - die kriegt man ab 30 Euro", sagt Oberst Adolf Winkler, Leiter der Landesverkehrspolizei. Weiters sagt er: "Ich denke es ist eine Mischung aus Nachlässigkeit, fehlendem Unrechtsbewusstsein und dem Nicht-Abschätzen der Gefahr." Die aktuelle Strafhöhe trägt ein Weiteres dazu bei. "Die 50 Euro schrecken nicht wirklich ab", sagt Winkler. In den meisten anderen europäischen Ländern werden längst höhere Bußgelder verhängt. Verkehrsexperten und immer mehr Politiker fordern deshalb, dass auch bei uns die Strafhöhe angehoben wird.

Aber nicht nur die milde Bestrafung, auch die schwierige Strafverfolgung von Handy-Sündern wird kritisiert. Winkler: "Nur wenn der telefonierende Lenker angehalten wird, kann eine Strafe verhängt werden." Handy-Sünder in Fahrt könnten nicht angezeigt werden. "Die Gesetzeslage ist da völlig unzureichend" sagt Winkler. "Es gibt deshalb bereits Bestrebungen, dies zu ändern."

Eines ist den vielen Handy-Telefonierern offenbar nicht klar: Ablenkung am Steuer ist laut einer Studie mindestens mit einer 0,5-Promille-Alkoholisierung vergleichbar. Damit steigt das Unfallrisiko. Übrigens: Der typische Handy-Sünder ist männlich und zwischen 25 und 34 Jahre alt.

CLAUDIA BEER-ODEBRECHT

Zahlen & Fakten

14.267 Übertretungen wegen "Telefonierens am Steuer ohne Freisprecheinrichtung" wurden 2011 in Kärnten verhängt. In Relation zur Bevölkerungszahl ist das Österreich-Negativrekord.

Österreichweit wurden 2011 149.081 Strafen verhängt. Nach den Kärntnern sind die Steirer die größten Handy-Sünder. Die wenigsten Strafen gab es im Burgenland und in Vorarlberg.

200 Euro müssen Handy-Sünder in Spanien mindestens bezahlen. Das ist derzeit Europas höchstes Bußgeld. In Italien berappt man 150 Euro, in Frankreich 135 Euro - in Bulgarien nur 25 Euro.

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