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    Zuletzt aktualisiert: 07.05.2012 um 13:55 UhrKommentare

    Verliert Rüsselsheim bald seine Astra-Produktion?

    Beim kriselnden Autohersteller Opel steht die Produktion des viel verkauften Modells Astra im Stammwerk Rüsselsheim auf dem Prüfstand - in Zukunft könnte man auf Polen und Großbritannien ausweichen: "Das wäre eine verheerende Fehlentscheidung", warnt der Betriebsrat.

    Foto © Opel

    Nach Abschluss der Gespräche mit dem Betriebsrat werde das Unternehmen in Kürze entscheiden, in welchen Werken die nächste Generation des Astra ab 2015 hergestellt werde, teilte Opel am Montag mit. Die "FAZ" berichtete, der Astra werde bald nur noch in Polen und Großbritannien gefertigt.

    Die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" berief sich auf führende Gewerkschaftsvertreter. Demnach soll die nächste Generation des Astra - für das Unternehmen das wichtigste Modell - von 2015 an nur noch im englischen Werk in Ellesmere Port und im polnischen Gleiwitz (Gliwice) produziert werden. Offiziell solle diese Entscheidung Mitte Mai verkündet werden. Die Gewerkschaftsvertreter beriefen sich demnach auf Aussagen von GM-Vizechef Stephen Girsky. Opel teilte offiziell mit, in Beratungen mit Mitarbeitervertretern würden derzeit "alle Bereiche eingehend unter Umsatz- und Kostenaspekten analysiert". Das Unternehmen wolle 300 Mio. Euro in die Produktion des neue Astra-Modells investieren. Ziel sei es, das Modell künftig so effizient wie möglich zu produzieren. Dazu sei ein Dreischichtbetrieb nötig. Momentan wird laut Opel an allen drei Astra-Produktionsstandorten im Zweischichtbetrieb gearbeitet.

    Die Astra-Produktion in Rüsselsheim habe erst 2011 begonnen, teilte Opel mit. Nur 18.300 fertige Fahrzeuge seien dort im vergangenen Jahr vom Band gerollt. Europaweit aber habe Opel 2011 fast 329.000 Einheiten des Modells produziert. Rüsselsheim wiederum sei das einzige Werk, in dem das ebenfalls wichtige Modell Insignia hergestellt werde. Damit habe das Stammwerk "ein Alleinstellungsmerkmal" unter allen europäischen Produktionsstandorten. 2011 seien dort rund 150.000 Insignia-Modelle vom Band gerollt. Die bevorstehende Entscheidung zur künftigen Fertigung des Astra sei "Teil eines umfassenden Plans" des Mutterkonzerns General Motors (GM) zur Sanierung seines Europageschäfts, erklärte Opel-Chef Karl-Friedrich Stracke. Das Europageschäft mit Opel und der britischen Schwestermarke Vauxhall ist für GM ein chronischer Verlustbringer. Der US-Konzern sucht deshalb nach Wegen, diesseits des Atlantiks profitabler zu werden. Während für den Gesamtkonzern nach der tiefen Krise der vergangenen Jahre wieder Milliardengewinne sprudeln, bereitet Opel nach wie vor Sorgen.

    Der Opel-Betriebsrat kritisierte das mögliche Aus der Astra-Produktion in Rüsselsheim scharf. "Es wäre eine verheerende Fehlentscheidung, wenn nach Auslauf des derzeitigen Modells kein Astra mehr in Deutschland gefertigt werden würde", erklärte Betriebsratschef Wolfgang Schäfer-Klug. Der Betriebsrat lehne "jegliche Planspiele der Geschäftsleitung" zur künftigen Produktion des Astra an europaweit nur noch zwei Standorten ab. Das Management habe seine künftige Produktionsplanung bisher noch nicht offengelegt. Das Management rechne die Bedeutung des Modells Astra für Rüsselsheim klein, kritisierte Schäfer-Klug. In der zweiten Jahreshälfte 2012 werde "jedes zweite in Rüsselsheim produzierte Auto ein Astra sein". Der Betriebsrat wolle "für eine faire Verteilung" der Produktion der neuen Generation des Astra kämpfen. Das Management müsse angesichts seiner Sparpläne den Werken in Europa "eine klare Perspektive" geben, forderte der Betriebsratschef.


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