Grazer Öffis: Freifahrt für alle?
Bislang utopisch, plötzlich ein Grund für Debatten: Sollen Öffis auch in Graz gratis sein - so wie in Tallinn (Estland) ab 2013? Die Politik winkt ab.

Foto © JÜRGEN FUCHS 42,5 Millionen Euro nehmen die Graz-Linien jährlich allein über den Ticketverkauf ein
Bis vor wenigen Tagen hätte man mit einem solchen Vorschlag bestenfalls ein irritiertes Kopfschütteln geerntet. Doch ganz plötzlich wird auch in der steirischen Landeshauptstadt ganz ernsthaft über die Frage diskutiert: Sollen Bus und Bim kostenlos zur Verfügung stehen?
KPÖ-Gemeinderat Christian Sikora jedenfalls forderte genau dies in einer Aussendung. "Das wäre eine der größten Initiativen zur Bekämpfung des Feinstaubs." Also solle Graz dem Beispiel Tallinns folgen.
Denn die estnische Hauptstadt ist auch der Auslöser dieser Diskussion: Wie berichtet, soll dort ab 2013 der öffentliche Verkehr tatsächlich gratis zu benützen sein. Das kündigte Tallinns Stadtregierung an, nachdem in einer Bürgerbefragung über 75 Prozent dafür votiert hatten.
Mit den Freifahrten in Bussen und Bims sollen die im Berufsverkehr häufig verstopften Straßen entlasten werden, so Tallinns Bürgermeister Edgar Savisaar. Auch einkommensschwache Familien sollen profitieren.
Und? Was Tallinn kann, kann Graz schon lange, oder? Verkehrsreferentin Lisa Rücker (Grüne) winkt ab: "Ich halte nichts von einem solchen Modell. Warum soll eine Straßenbahn auch Besserverdienern kostenlos zur Verfügung stehen?" Wenn, dann könne sie sich eine soziale Staffelung vorstellen.
Stattdessen höhere Tarife
Dass stattdessen aber in Graz das Gegenteil der Fall ist und ab Juli die Verkehrsverbundtarife einmal mehr erhöht werden, verteidigt Rücker: Momentan sei einfach kein Spielraum für Preisnachlässe vorhanden, schließlich werde der Großteil der Mittel für den Ausbau des Öffi-Angebotes verwendet.
Seitens der Holding Graz will man bloß beziffern, was eine solche Freifahrt für alle zur Folge hätte: Allein jene 42,5 Millionen Euro, die man jährlich über den Ticketverkauf einnimmt, würden dann wegfallen.
Tallinn kostet diese Maßnahme übrigens 20 Millionen Euro. Um dies zu finanzieren, sind Umstrukturierungen bei den Verkehrsbetrieben und im städtischen Haushalt geplant.













