Zorn an der Zapfsäule
Die Inflation bleibt mit drei Prozent sehr hoch. Kräftig angeheizt wird sie weiterhin von Heizöl- und Spritpreisen. Die Wocheneinkäufe werden spürbar teurer. Den Zorn bekommen die Tankwarte ab - doch sie verdeinen nicht an hohen Preisen.

Foto © APA
"Zurzeit ist das wieder ein Wahnsinn. Banditen oder Abzocker sind da noch die freundlichsten Worte" - ein benachbarter Tankstellenpächter klagt sein Leid. Er ist längst nicht der Einzige in der Branche, der sich dieser Tage an die Kleine Zeitung wendet. Tankwart & Co. - seit die Spritpreise wieder auf Rekordkurs sind, kriegen sie einmal mehr den ganzen Zorn der Autofahrer zu spüren. "Dabei sind nicht sie es, die an den steigenden Preisen verdienen", betont Oliver Käfer von der Wirtschaftskammer. Von den 1,5 Euro je Liter an der Zapfsäule bleibt dem Tankstellenpächter gerade einmal ein Cent. Das geht aus einer aktuellen Analyse des Rohstoffanalysten Wood Mackenzie hervor. "Von den Preisanstiegen in den letzten Jahren innerhalb Österreichs hat somit fast ausschließlich der Staat profitiert", sagt Jürgen Roth, Bundesobmann des Energiehandels. Die Mehreinnahmen aus der Mineralölsteuer und der Umsatzsteuer würden sich jährlich auf 1,5 Milliarden Euro summieren, rechnet Roth vor.
Teurer Wocheneinkauf
Die Preisspitzen bei Ölprodukten spiegeln sich nach wie vor in der hohen Inflation wider. Sie liegt bei drei Prozent. Das ist zwar ein leichtes Minus gegenüber dem Vormonat, von einer Entspannung, wie sie für 2012 wiederholt prognostiziert wurde, sind wir aber weit entfernt. Hauptpreistreiber bleiben Sprit und Heizöl. Besonders stark sind zu Jahresbeginn die Preise für Haushaltsenergie gestiegen, im Schnitt lag das Plus bei 5,7 Prozent, auch Mieten legten gegenüber dem Jahr davor im Schnitt um 4,1 Prozent zu.
Die immer wieder genannte "gefühlte Inflation", die sich statistisch am ehesten im sogenannten Miniwarenkorb erfassen lässt, liegt übrigen bei 5,2 Prozent. Das entspricht einem Wocheneinkauf plus einer Tankfüllung.
Die Teuerung an der Zapfsäule setzt auch der Wirtschaft zu. "Insbesondere kleine Transportunternehmer kämpfen ums Überleben", so Käfer. Diese hätten vielfach fixe Abnehmerverträge mit Kunden geschlossen, "die sind meist extrem knapp kalkuliert, das derzeitige Spritpreishoch sorgt dafür, dass sich das nicht mehr rechnet". Weil die Verträge aber eingehalten werden müssen, ansonsten teils gesalzene Pönalzahlungen drohen, "sind hier viele in ihrer unternehmerischen Existenz gefährdet", so Käfer. "Ich hatte dieser Tage einen Einzelunternehmer aus dem Transportgewerbe bei mir im Büro, der mit gestanden hat, dass er sich das Geld fürs Tanken derzeit bei seinen Eltern ausleihen muss."
Boykottaufrufe
In Österreich ruft das BZÖ wegen der hohen Spritpreise für heute zum Tankstellenboykott auf, in Deutschland wollen laut Medienberichten Hunderttausende Autofahrer die Zapfsäulen boykottieren. Forderungen nach einer amtlichen Preisregelung lehnt Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner ab, er verweist darauf, dass 90 Prozent der Ölprodukte importiert werden. Überdies liege Österreich mit seinen Preisen deutlich unter dem EU-Durchschnitt. Diskutiert werden soll jedoch über mögliche neue Formen für die Pendlerpauschale.














