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Zuletzt aktualisiert: 03.09.2011 um 22:34 UhrKommentare

Alpenrocker und Asphalt-Cowboys

Das Harley-Spektakel am Faaker See scharrt in den Startlöchern. Rund 2500 Kärntner reiten das kultige US-Motorrad. Vom "Cafeteria"-Biker bis zum Schrauber. Die Harley-Typen und ihre Spleens.

80.000 Bikes werden beim größten Harley-Spektakel außerhalb der USA erwartet

Foto © Harley80.000 Bikes werden beim größten Harley-Spektakel außerhalb der USA erwartet

Das legendäre Roadmovie "Easy Rider", das Freiheit, Abenteuer und Pioniergeist prägend suggerierte, verlieh Harley-Davidson Kultstatus. Die spektakulären Umbauten der langgabeligen "Captain America" mit der US-amerikanischen Flagge nachgeahmten Lackierung und des Flammen verzierten "Billy Bike" beeinflussen bis heute die Harleyaner. Ganz, ganz selten tuckert ein "unfrisiertes" Serienmodell durch die Gegend, fast jedes Motorrad der nordamerikanischen Edelmarke ist nach dem Geschmack des stolzen Besitzers mit erheblichen Zusatzkosten "aufgemotzt" worden. So unterschiedlich die Nobelhobel, so divergierend auch deren "Reiter".

1. Die Schrauber

Sie basteln, verchromen, restaurieren. Echte Harleyaner schrauben angeblich mehr als sie rollen. Fahrende Kunstwerke bauen die leidenschaftlichen Freaks aus alten Bestandteilen zusammen. In Kärnten laufen noch einige WLA's aus den Kriegsjahren. Die damaligen Militärmaschinen der US-Army, die die Amerikaner nach ihrem Abzug aus Europa zurückließen, waren unter Liebhabern heißt begehrt. Heute blitzen die "Oldtimer" in Zivilversionen auf und kosten ein kleines Vermögen.

2. Die Chapteraner

40 heimische Harley-Freunde fahren im Verein: Der renommierte "Alpe Adria Chapter Austria" (Leitung: Peter Reitzl und Robert Ertl) organisiert Klubtreffen, Ausfahrten, Zusammenkünfte mit Partnerklubs. Sogar in die Ferien geht's gemeinsam. Im Frühjahr tourte der Kärntner Klub eine Woche lang entlang der Mittelmeer-Küste. Auch ein paar "Höllenengel" gibt's bei uns. Der "Hells Angels MC Carinthia" hat in Jakling bei St. Andrä ein eigenes Klubhaus. Mit den kriminellen Machenschaften ihrer ausländischen Klub-Brüder haben sie nichts zu tun.

3. Die HOGler

Die Mitglieder der Harley Owners Group (H.O.G.) treffen sich zur traditionellen "European H.O.G. Rally", die jährlich in einem anderen Land stattfindet. Die H.O.G.-Familie ist riesig, mehr als eine Million Harleyaner zählt diese "Institution", die mit einer eigenen Broschüre quartalsmäßig ihre Fanschar über alle Neuigkeiten und Veranstaltungen informiert. Die Eintrittskarte zum elitären Verein erhält nur der Käufer einer neuen, noch nicht zuvor zugelassenen Harley.

4. Die Biker-Bräute

Anfangs war der weibliche Vorstoß in die Männer dominierte Harley-Welt ein bisschen "Emanzipation", jetzt ist es pure Leidenschaft. Fast 400 Kärntnerinnen (Tendenz steigend) sitzen mittlerweile fest im HD-Sattel Antenne-Lady Martina Klementin ließ ihre "Fat Boy" zu einem extravaganten "Custombike" mit Breitreifen umbauen. Begehrt bei Frauen sind leichte Modelle.

5. Die Dressmen

Karl Nedwed ist auch gestylt, wenn er sich auf die HD-Sitzbank schwingt. Der KAC-Präsident ist ein "heimlicher" Rocker, ohne Über-Outfit und teuren Accessoires. Der Villacher Garten-Architekt Hans Sima, wohl einer der ersten Harleyaner Kärntens, fährt zu wichtigen Geschäftsterminen auch schon mal mit Anzug, Krawatte und Nagelschuhen. Zu den "Gman"-Sitzungen düste der einstige Faschingsprinz früher in Tracht. Und der ehemalige Flughafenchef tuckerte im Doppelreiher von Villach zu seiner Arbeitsstätte nach Annabichl.

6. Die VIP's

Markus Peintner liebt's außergewöhnlich, das "Radl" des Eishockey-Nationalstürmers ist eine Augenweide. Ex-Kollege Herbert Hohenberger (Bild) chauffiert eine bullige "Fat Boy". Auf den unvergleichbaren Harley-Sound schwören u. a. Moderator Armin Assinger, Autohändler Günther Krainer, Mediziner Hermann Samonigg, Zahnarzt Teddy Inthal, Jugendrichter Alfred Pasterk, Monkey-Circus-Chef Miky Lelas.

7. Die "Cafetiers"

Unter Insidern heißen ihre aufpolierten Motorräder "Cafeterias". HD-Klubs, Ausfahrten, gemeinsames Fachsimpeln sind sekundär, was zählt, ist die Optik. Und bewegt werden die "heißen Öfen" höchstens ein paar Kilometer. Von einem Kaffeehaus zum anderen. Oder maximal zu einer See-Terrasse. Die Fachkenntnisse über Panhead, Evolution oder Twin Cam halten sich in Grenzen, dafür glänzen Chromteile, Motorblock und Lederstiefel. Die HD-Demo hat ihren Preis. 44.000 Euro kostet die derzeit teuerste Serienmaschine.

HELMUT GRAM

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